Markus

 

Kapitel 1

 

1 Anfang des Evangeliums von Jesus Christus.

 

2 Wie geschrieben steht bei dem Propheten Jesaja: Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird;

 

3 Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade!

 

4 so trat Johannes auf, der in der Wüste taufte und eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden verkündigte.

 

5 Und es zog zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Bewohner Jerusalems, und sie ließen sich von ihm im Jordanfluss taufen, indem sie ihre Sünden bekannten.

 

6 Und Johannes war bekleidet mit Kamelhaaren und einem ledernen Gürtel um seine Hüften, und er aß Heuschrecken und wilden Honig.

 

7 Und er verkündigte und sprach: Es kommt nach mir der, der stärker ist als ich, dem ich nicht würdig bin, mich zu bücken und den Riemen seiner Sandalen zu lösen.

 

8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit heiligem Geist taufen.

 

9 Und es geschah in jenen Tagen, dass Jesus von Nazaret in Galiläa kam und von Johannes im Jordan getauft wurde.

 

10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er die Himmel sich spalten und den Geist wie eine Taube auf ihn herabkommen;

 

11 und eine Stimme kam aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

 

12 Und sogleich treibt ihn der Geist in die Wüste hinaus.

 

13 Und er war vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan versucht, und er war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.

 

14 Nachdem aber Johannes ausgeliefert worden war, kam Jesus nach Galiläa und verkündigte das Evangelium Gottes

 

15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen; kehrt um und glaubt an das Evangelium!

 

16 Und als er am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder Simons, wie sie das Netz im See auswarfen; denn sie waren Fischer.

 

17 Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach, und ich werde machen, dass ihr Menschenfischer werdet.

 

18 Und sogleich verließen sie die Netze und folgten ihm nach.

 

19 Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, wie auch sie im Boot die Netze instand setzten,

 

20 und sogleich rief er sie. Und sie verließen ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern im Boot und gingen ihm nach.

 

21 Und sie gehen nach Kafarnaum hinein; und sogleich ging er am Sabbat in die Synagoge und lehrte.

 

22 Und sie waren außer sich über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.

 

23 Und sogleich war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geist, und er schrie auf

 

24 und sprach: Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, uns zu verderben? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.

 

25 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus ihm aus! 26Und der unreine Geist riss ihn hin und her, schrie mit lauter Stimme und fuhr aus ihm aus.

 

27 Und alle entsetzten sich, sodass sie sich untereinander befragten und sagten: Was ist das? Eine neue Lehre in Vollmacht! Auch den unreinen Geistern gebietet er, und sie gehorchen ihm.

 

28 Und die Kunde von ihm verbreitete sich sogleich überall in die ganze Umgebung von Galiläa.

 

29 Und sogleich gingen sie aus der Synagoge hinaus und kamen in das Haus des Simon und Andreas, zusammen mit Jakobus und Johannes.

 

30 Die Schwiegermutter Simons aber lag fiebernd danieder, und sogleich sagten sie ihm von ihr.

 

31 Und er trat hinzu, ergriff ihre Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie, und sie diente ihnen.

 

32 Als es aber Abend geworden war und die Sonne untergegangen war, brachten sie alle Kranken und Besessenen zu ihm;

 

33 und die ganze Stadt war vor der Tür versammelt.

 

34 Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus, und er ließ die Dämonen nicht reden, weil sie ihn kannten.

 

35 Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf, ging hinaus und begab sich an einen einsamen Ort und betete dort.

 

36 Und Simon und die mit ihm waren eilten ihm nach,

 

37 und sie fanden ihn und sagen zu ihm: Alle suchen dich.

 

38 Und er spricht zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Ortschaften, damit ich auch dort verkündige; denn dazu bin ich ausgegangen.

 

39 Und er kam und verkündigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.

 

40 Und ein Aussätziger kommt zu ihm, bittet ihn und spricht zu ihm: Wenn du willst, kannst du mich rein machen.

 

41 Und von Mitleid bewegt, streckte er seine Hand aus, rührte ihn an und spricht zu ihm: Ich will, sei rein!

 

42 Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein.

 

43 Und er fuhr ihn streng an und trieb ihn sogleich fort

 

44 und spricht zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh, zeige dich dem Priester und bringe für deine Reinigung dar, was Mose angeordnet hat, ihnen zum Zeugnis.

 

45 Er aber ging hinaus und begann, vieles zu verkündigen und die Sache bekannt zu machen, sodass er nicht mehr öffentlich in eine Stadt hineingehen konnte, sondern draußen an einsamen Orten war; und sie kamen von überallher zu ihm.

 

 

Kapitel 2

 

1 Und als er nach einigen Tagen wieder nach Kapernaum hineinging, hörte man, dass er im Hause sei.

 

2 Und es versammelten sich viele, sodass kein Raum mehr war, auch nicht vor der Tür, und er sagte ihnen das Wort.

 

3 Und sie kommen und bringen einen Gelähmten zu ihm, der von vieren getragen wurde.

 

4 Und da sie ihn wegen der Menge nicht zu ihm bringen konnten, deckten sie das Dach ab, wo er war, gruben es auf und ließen die Bahre herab, auf der der Gelähmte lag.

 

5 Und als Jesus ihren Glauben sah, sagt er zu dem Gelähmten: Kind, deine Sünden sind vergeben.

 

6 Es saßen aber dort einige von den Schriftgelehrten und überlegten in ihren Herzen:

 

7 Wie redet dieser so? Er lästert! Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?

 

8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich überlegten, und sagt zu ihnen: Was überlegt ihr solches in euren Herzen?

 

9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Bahre und geh umher?

 

10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben – sagt er zu dem Gelähmten:

 

11 Ich sage dir, steh auf, nimm deine Bahre und geh in dein Haus.

 

12 Und er stand auf, nahm sogleich die Bahre und ging vor allen hinaus, sodass alle außer sich gerieten und Gott priesen und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.

 

13 Und er ging wieder hinaus an das Meer; und die ganze Menge kam zu ihm, und er lehrte sie.

 

14 Und im Vorübergehen sah er Levi, den Sohn des Alphäus, an der Zollstätte sitzen, und sagt zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.

 

15 Und es geschah, dass er in dessen Haus zu Tisch lag, und viele Zöllner und Sünder lagen mit Jesus und seinen Jüngern zu Tisch; denn es waren viele, und sie folgten ihm.

 

16 Und als die Schriftgelehrten der Pharisäer sahen, dass er mit den Sündern und Zöllnern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Warum isst er mit den Zöllnern und Sündern?

 

17 Und als Jesus es hörte, sagt er zu ihnen: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

 

18 Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten. Und sie kommen und sagen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht?

 

19 Und Jesus sagte zu ihnen: Können die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten.

 

20 Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen wird, und dann werden sie fasten, an jenem Tag.

 

21 Niemand näht einen Flicken von ungewalktem Tuch auf ein altes Gewand; sonst reißt der neue Flicken vom alten ab, und der Riss wird schlimmer.

 

22 Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der Wein die Schläuche zerreißen, und der Wein geht verloren samt den Schläuchen; sondern neuen Wein in neue Schläuche.

 

23 Und es geschah, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger begannen, im Gehen die Ähren abzureißen.

 

24 Und die Pharisäer sagten zu ihm: Sieh, was tun sie am Sabbat, das nicht erlaubt ist?

 

25 Und er sagt zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und hungerte, er und die bei ihm waren,

 

26 wie er in das Haus Gottes hineinging zur Zeit des Hohepriesters Abjathar und die Schaubrote aß, die niemand essen darf außer den Priestern, und auch denen gab, die bei ihm waren?

 

27 Und er sagte zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen geworden und nicht der Mensch um des Sabbats willen.

 

28 Daher ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

 

 

 

Kapitel 3

 

1 Und er ging wieder in die Synagoge hinein. Und dort war ein Mensch, der eine verdorrte Hand hatte.

 

2 Und sie beobachteten ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen könnten.

 

3 Und er sagt zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf und tritt in die Mitte.

 

4 Und er sagt zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, ein Leben zu retten oder zu töten? Sie aber schwiegen.

 

5 Und er blickte sie ringsum mit Zorn an, betrübt über die Verstocktheit ihres Herzens, und sagt zu dem Menschen: Strecke die Hand aus. Und er streckte sie aus, und seine Hand wurde wiederhergestellt.

 

6 Und die Pharisäer gingen hinaus und fassten sogleich mit den Herodianern einen Beschluss gegen ihn, wie sie ihn umbringen könnten.

 

7 Und Jesus zog sich mit seinen Jüngern an das Meer zurück, und eine große Menge aus Galiläa folgte, und aus Judäa

 

8 und aus Jerusalem und aus Idumäa und von jenseits des Jordan und aus der Gegend um Tyrus und Sidon kam eine große Menge zu ihm, da sie hörten, was er alles tat.

 

9 Und er sagte zu seinen Jüngern, dass ein kleines Boot für ihn bereitstehen solle wegen der Volksmenge, damit sie ihn nicht bedrängten;

 

10 denn er heilte viele, sodass alle, die Plagen hatten, sich auf ihn stürzten, um ihn zu berühren.

 

11 Und die unreinen Geister fielen, wann immer sie ihn sahen, vor ihm nieder und schrien: Du bist der Sohn Gottes.

 

12 Und er gebot ihnen streng, dass sie ihn nicht offenbar machen sollten.

 

13 Und er steigt auf den Berg und ruft zu sich, welche er selbst wollte, und sie kamen zu ihm.

 

14Und er setzte zwölf ein, damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende zu predigen

 

15 und Vollmacht zu haben, die Dämonen auszutreiben.

 

16 Und er gab dem Simon den Namen Petrus,

 

17 und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und er gab ihnen den Namen Boanerges, das heißt: Söhne des Donners;

 

18 und Andreas und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Thaddäus und Simon den Kananäer

 

19 und Judas Iskariot, der ihn auch verriet.

 

20 Und er kommt in ein Haus; und wieder kommt die Volksmenge zusammen, sodass sie nicht einmal Brot essen konnten.

 

21 Und als die Seinen das hörten, gingen sie hinaus, um ihn festzuhalten; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

 

22 Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er hat den Beelzebul, und: Durch den Herrscher der Dämonen treibt er die Dämonen aus.

 

23 Und er rief sie zu sich und sprach in Gleichnissen zu ihnen: Wie kann der Satan den Satan austreiben?

 

24 Und wenn ein Reich in sich selbst gespalten ist, kann jenes Reich nicht bestehen;

 

25 und wenn ein Haus in sich selbst gespalten ist, wird jenes Haus nicht bestehen können.

 

26 Und wenn der Satan gegen sich selbst aufgestanden und gespalten ist, kann er nicht bestehen, sondern es ist aus mit ihm.

 

27 Aber niemand kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken bindet; und dann wird er sein Haus ausrauben.

 

28 Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen vergeben werden, auch die Lästerungen, wie viele sie auch lästern mögen;

 

29 wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, der hat in Ewigkeit keine Vergebung, sondern ist einer ewigen Sünde schuldig.

 

30 Denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.

 

31 Und es kommen seine Mutter und seine Brüder, und draußen stehend sandten sie zu ihm und ließen ihn rufen.

 

32 Und eine Volksmenge saß um ihn herum, und man sagt zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder suchen dich draußen.

 

33 Und er antwortete ihnen und sagt: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?

 

34 Und er blickte auf die, die im Kreis um ihn saßen, und sagt: Siehe, meine Mutter und meine Brüder.

 

35 Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

 

Kapitel 4

 

1 Und wiederum begann er am See zu lehren; und es versammelte sich bei ihm eine sehr große Menge, sodass er in ein Boot stieg und sich auf dem See setzte, und die ganze Menge war am See auf dem Land.

 

2 Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen und sagte zu ihnen in seiner Lehre:

 

3 Hört zu! Siehe, der Sämann ging hinaus, um zu säen.

 

4 Und es geschah beim Säen: Einiges fiel auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf.

 

5 Und anderes fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und es ging sogleich auf, weil es keine tiefe Erde hatte;

 

6 und als die Sonne aufging, wurde es versengt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es.

 

7 Und anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten es, und es brachte keine Frucht.

 

8 Und anderes fiel auf das gute Land und brachte Frucht, die aufging und wuchs, und eines trug dreißigfach und eines sechzigfach und eines hundertfach.

 

9 Und er sagte: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

 

10 Und als er allein war, fragten ihn die, die um ihn waren, samt den Zwölfen nach den Gleichnissen.

 

11 Und er sagte zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; jenen aber, die draußen sind, geschieht alles in Gleichnissen,

 

12 damit sie sehend sehen und doch nicht erkennen und hörend hören und doch nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen vergeben werde.

 

13 Und er sagt zu ihnen: Ihr versteht dieses Gleichnis nicht? Und wie wollt ihr alle Gleichnisse verstehen?

 

14 Der Sämann sät das Wort.

 

15 Diese aber sind die am Weg: Wo das Wort gesät wird, und wenn sie es hören, kommt sogleich der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät ist.

 

16 Und diese sind es, die auf felsigen Boden gesät werden: die, wenn sie das Wort hören, es sogleich mit Freude aufnehmen,

 

17 und sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind unbeständig; wenn dann Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen entsteht, nehmen sie sogleich Anstoß.

 

18 Und andere sind es, die unter die Dornen gesät werden: Diese sind es, die das Wort gehört haben,

 

19 und die Sorgen der Welt und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen dringen ein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht.

 

20 Und jene sind es, die auf das gute Land gesät sind: die das Wort hören und annehmen und Frucht bringen, eines dreißigfach und eines sechzigfach und eines hundertfach.

 

21 Und er sagte zu ihnen: Kommt etwa die Lampe, damit sie unter den Scheffel oder unter das Bett gestellt werde? Nicht vielmehr, damit sie auf den Leuchter gestellt werde?

 

22 Denn nichts ist verborgen, außer damit es offenbar werde, und nichts ist geheim geworden, außer damit es ans Licht komme.

 

23 Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre!

 

24 Und er sagte zu ihnen: Achtet darauf, was ihr hört! Mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch gemessen werden, und es wird euch hinzugefügt werden.

 

25 Denn wer hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht hat, dem wird auch das genommen werden, was er hat.

 

26 Und er sagte: So ist das Reich Gottes, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft

 

27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprosst und wächst, ohne dass er selbst weiß wie.

28 Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.

 

29 Wenn aber die Frucht es zulässt, schickt er sogleich die Sichel, denn die Ernte ist da.

 

30 Und er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, oder in welchem Gleichnis sollen wir es darstellen?

 

31 Wie mit einem Senfkorn, das, wenn es auf das Land gesät wird, kleiner ist als alle Samen auf der Erde,

 

32 und wenn es gesät ist, geht es auf und wird größer als alle Gartengewächse und treibt große Zweige, sodass die Vögel des Himmels unter seinem Schatten nisten können.

 

33 Und in vielen solchen Gleichnissen redete er das Wort zu ihnen, so wie sie es hören konnten;

 

34 ohne Gleichnis aber redete er nicht zu ihnen, doch seinen eigenen Jüngern erklärte er alles, wenn sie allein waren.

 

35 Und an jenem Tag, als es Abend geworden war, sagt er zu ihnen: Lasst uns ans andere Ufer hinüberfahren!

 

36 Und sie ließen die Menge zurück und nahmen ihn mit, wie er war, im Boot; und andere Boote waren bei ihm.

 

37 Und es erhob sich ein großer Sturmwind, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass sich das Boot schon füllte.

 

38 Und er selbst war im Heck und schlief auf dem Kissen. Und sie wecken ihn und sagen zu ihm: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

 

39 Und er stand auf, bedrohte den Wind und sprach zum See: Schweig, verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille.

 

40 Und er sprach zu ihnen: Warum seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

 

41 Und sie fürchteten sich mit großer Furcht und sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

 

Kapitel 5

 

1 Und sie kamen an das andere Ufer des Sees in das Gebiet der Gerasener.

 

2 Und als er aus dem Boot stieg, kam ihm sogleich aus den Grabhöhlen ein Mensch mit einem unreinen Geist entgegen,

 

3 der seine Wohnung in den Gräbern hatte, und niemand konnte ihn mehr binden, auch nicht mit einer Kette,

 

4 denn er war oft mit Fußfesseln und Ketten gebunden worden, und die Ketten waren von ihm zerrissen und die Fußfesseln zerrieben worden, und niemand vermochte ihn zu bändigen;

 

5 und die ganze Zeit, Nacht und Tag, war er in den Gräbern und auf den Bergen, schrie und schlug sich selbst mit Steinen.

 

6 Und als er Jesus von weitem sah, lief er hin und fiel vor ihm nieder

 

7 und schrie mit lauter Stimme: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, Sohn Gottes des Höchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht!

 

8 Denn er sagte zu ihm: Fahre aus, du unreiner Geist, aus dem Menschen!

 

9 Und er fragte ihn: Wie heißt du? Und er sagte zu ihm: Legion heiße ich, denn wir sind viele.

 

10 Und er bat ihn inständig, sie nicht aus dem Land zu schicken.

 

11 Es war aber dort am Berg eine große Herde Schweine auf der Weide;

 

12 und sie baten ihn und sagten: Schicke uns in die Schweine, damit wir in sie hineinfahren!

 

13 Und er erlaubte es ihnen. Und die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See, etwa zweitausend, und sie ertranken im See.

 

14 Und ihre Hirten flohen und berichteten es in der Stadt und auf den Höfen; und die Leute kamen, um zu sehen, was geschehen war,

 

15 und sie kommen zu Jesus und sehen den Besessenen, der die Legion gehabt hatte, dasitzen, bekleidet und bei Verstand, und sie fürchteten sich.

 

16 Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, wie es dem Besessenen ergangen war, und von den Schweinen.

 

17 Und sie begannen, ihn zu bitten, aus ihrem Gebiet fortzugehen.

 

18 Und als er in das Boot stieg, bat ihn der Besessene, bei ihm bleiben zu dürfen.

 

19 Und er ließ es nicht zu, sondern sagt zu ihm: Geh in dein Haus zu den Deinen und berichte ihnen, was der Herr an dir getan und wie er sich deiner erbarmt hat.

 

20 Und er ging fort und begann, in der Dekapolis zu verkünden, was Jesus an ihm getan hatte, und alle staunten.

 

21 Und als Jesus [im Boot] wieder ans andere Ufer hinübergefahren war, versammelte sich eine große Menge bei ihm, und er war am See.

 

22 Und es kommt einer der Synagogenvorsteher, mit Namen Jaïrus, und als er ihn sieht, fällt er ihm zu Füßen

 

23 und bittet ihn inständig und sagt: Mein Töchterlein liegt im Sterben; komm doch und lege ihr die Hände auf, damit sie gerettet werde und lebe.

 

24 Und er ging mit ihm. Und eine große Menge folgte ihm, und sie drängten ihn.

 

25 Und eine Frau, die zwölf Jahre am Blutfluss litt

 

26 und von vielen Ärzten viel erduldet und ihr ganzes Vermögen aufgewendet hatte, ohne dass es ihr etwas genützt hätte es war vielmehr schlimmer mit ihr geworden,

 

27 kam, als sie von Jesus gehört hatte, in der Menge von hinten heran und berührte sein Gewand;

 

28 denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur seine Kleider berühre, werde ich gerettet werden.

 

29 Und sogleich versiegte die Quelle ihres Blutes, und sie spürte am Leib, dass sie von ihrer Plage geheilt war.

 

30 Und sogleich erkannte Jesus an sich, dass eine Kraft von ihm ausgegangen war, wandte sich in der Menge um und sagte: Wer hat meine Kleider berührt?

 

31 Und seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst, wie die Menge dich drängt, und sagst: Wer hat mich berührt?

 

32 Und er blickte umher, um die zu sehen, die das getan hatte.

 

33 Die Frau aber, voll Furcht und Zittern, da sie wusste, was ihr geschehen war, kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.

 

34 Er aber sagte zu ihr: Tochter, dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden und sei geheilt von deiner Plage.

 

35 Während er noch redete, kommen Leute vom Haus des Synagogenvorstehers und sagen: Deine Tochter ist gestorben; was bemühst du den Meister noch?

 

36 Jesus aber, der das Wort, das gesprochen wurde, überhörte, sagt zum Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht, glaube nur!

 

37 Und er ließ niemanden mit sich gehen außer Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.

 

38 Und sie kommen in das Haus des Synagogenvorstehers, und er sieht das Getümmel und wie sie laut weinten und klagten,

 

39 und er geht hinein und sagt zu ihnen: Was lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft.

 

40 Und sie lachten ihn aus. Er aber trieb alle hinaus, nimmt den Vater des Kindes und die Mutter und die, die bei ihm waren, mit und geht hinein, wo das Kind lag.

 

41 Und er ergriff die Hand des Kindes und sagt zu ihr: Talitha kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!

 

42 Und sogleich stand das Mädchen auf und ging umher; es war nämlich zwölf Jahre alt. Und sie gerieten außer sich vor großem Staunen.

 

43 Und er schärfte ihnen nachdrücklich ein, dass niemand dies erfahren solle, und sagte, man solle ihr zu essen geben.

 

 

 

 

Kapitel 6

 

1 Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach.

 

2 Und als der Sabbat kam, begann er in der Synagoge zu lehren, und viele, die zuhörten, gerieten außer sich und sagten: Woher hat dieser das, und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist, und solche Machttaten, die durch seine Hände geschehen?

 

3 Ist dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und Bruder des Jakobus und des Joses und des Judas und des Simon? Und sind nicht seine Schwestern hier bei uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm.

 

4 Und Jesus sagte zu ihnen: Ein Prophet ist nirgends ohne Ehre außer in seiner Vaterstadt und bei seinen Verwandten und in seinem Hause.

 

5 Und er konnte dort keine Machttat tun, außer dass er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte.

 

6 Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Und er zog lehrend durch die Dörfer ringsum.

 

7 Und er rief die Zwölf zu sich und begann, sie zu zweien auszusenden, und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister,

 

8 und gebot ihnen, nichts mit auf den Weg zu nehmen außer einem Stab allein, kein Brot, keine Tasche, kein Kupfergeld im Gürtel,

 

9 sondern mit Sandalen beschuht, und: Zieht nicht zwei Untergewänder an.

 

10 Und er sagte zu ihnen: Wo immer ihr in ein Haus eintretet, dort bleibt, bis ihr von dort weiterzieht.

 

11 Und wo ein Ort euch nicht aufnimmt und sie euch nicht hören, dort geht hinaus und schüttelt den Staub unter euren Füßen ab, ihnen zum Zeugnis.

 

12 Und sie zogen aus und predigten, dass man Buße tun solle,

 

13 und trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

 

14 Und der König Herodes hörte davon, denn sein Name war bekannt geworden, und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferweckt worden, und darum wirken die Kräfte in ihm.

 

15 Andere aber sagten: Er ist Elija; wieder andere sagten: Er ist ein Prophet wie einer der Propheten.

 

16 Als aber Herodes es hörte, sagte er: Johannes, den ich habe enthaupten lassen, der ist auferweckt worden.

 

17 Denn Herodes selbst hatte hingesandt und Johannes ergreifen und ihn im Gefängnis fesseln lassen, um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus, weil er sie geheiratet hatte;

 

18 denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben.

 

19 Herodias aber trug es ihm nach und wollte ihn töten, und sie konnte es nicht;

 

20 denn Herodes fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein gerechter und heiliger Mann war, und er beschützte ihn, und wenn er ihn hörte, geriet er oft in Verlegenheit, und doch hörte er ihn gern.

 

21 Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Gastmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten Galiläas,

 

22 und als seine Tochter, die der Herodias, hereinkam und tanzte, gefiel sie Herodes und den Gästen. Der König sprach zu dem Mädchen: Bitte mich, um was du willst, und ich werde es dir geben;

 

23 und er schwor ihr [vielfach]: Was du auch von mir erbittest, will ich dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs.

 

24 Und sie ging hinaus und sprach zu ihrer Mutter: Was soll ich erbitten? Die aber sprach: Das Haupt Johannes des Täufers.

 

25 Und sogleich ging sie eilends zum König hinein und bat: Ich will, dass du mir auf der Stelle auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers gibst.

 

26 Und der König wurde sehr betrübt, aber um der Eide und der Gäste willen wollte er sie nicht abweisen;

 

27 und sogleich sandte der König einen Henker und befahl, sein Haupt zu bringen. Und der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis

 

28 und brachte sein Haupt auf einer Schüssel und gab es dem Mädchen, und das Mädchen gab es seiner Mutter.

 

29 Und als seine Jünger es hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

 

30 Und die Apostel versammelten sich bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und was sie gelehrt hatten.

 

31 Und er sagte zu ihnen: Kommt ihr allein für euch an einen einsamen Ort und ruht ein wenig aus. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht einmal Zeit zu essen.

 

32 Und sie fuhren im Boot an einen einsamen Ort für sich allein.

 

33 Und viele sahen sie wegfahren und erkannten es, und zu Fuß liefen sie aus allen Städten dort zusammen und kamen ihnen zuvor.

 

34 Und als er ausstieg, sah er eine große Menge, und es jammerte ihn ihrer, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben, und er begann, sie vieles zu lehren.

 

35 Und als es schon spät geworden war, traten seine Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist einsam, und es ist schon spät;

 

36 entlasse sie, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich etwas zu essen kaufen.

 

37 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Und sie sagen zu ihm: Sollen wir hingehen und für zweihundert Denare Brote kaufen und ihnen zu essen geben?

 

38 Er aber spricht zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht hin und seht nach. Und als sie es festgestellt hatten, sagen sie: Fünf, und zwei Fische.

 

39 Und er befahl ihnen, dass alle sich in Gruppen auf dem grünen Gras lagern sollten.

 

40 Und sie ließen sich nieder in Abteilungen zu hundert und zu fünfzig.

 

41 Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis und brach die Brote und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie ihnen vorlegten, und die zwei Fische teilte er unter alle.

 

42 Und alle aßen und wurden satt,

 

43 und sie hoben zwölf Körbe voll Brocken auf und auch von den Fischen.

 

44 Und die die Brote gegessen hatten, waren fünftausend Männer.

 

45 Und sogleich nötigte er seine Jünger, in das Boot zu steigen und ans andere Ufer nach Betsaida vorauszufahren, während er selbst die Menge entließ.

 

46 Und nachdem er sich von ihnen verabschiedet hatte, ging er auf den Berg, um zu beten.

 

47 Und als es Abend wurde, war das Boot mitten auf dem See und er allein auf dem Land.

 

48 Und als er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn der Wind stand ihnen entgegen, kommt er um die vierte Nachtwache zu ihnen, auf dem See wandelnd, und wollte an ihnen vorübergehen.

 

49 Als sie ihn aber auf dem See wandeln sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien auf;

 

50 denn alle sahen ihn und erschraken. Er aber redete sogleich mit ihnen und spricht zu ihnen: Seid getrost, ich bin es; fürchtet euch nicht.

 

51 Und er stieg zu ihnen ins Boot, und der Wind legte sich, und sie gerieten über die Maßen in Bestürzung;

 

52 denn sie waren durch die Brote nicht zur Einsicht gekommen, sondern ihr Herz war verhärtet.

 

53 Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie ans Land nach Gennesaret und legten an.

 

54 Und als sie aus dem Boot stiegen, erkannte man ihn sogleich,

 

55 und man lief in jener ganzen Gegend umher und begann, die Kranken auf den Tragbetten dorthin zu tragen, wo man hörte, dass er sei.

 

56 Und wo immer er in Dörfer oder Städte oder Höfe hineinging, legten sie die Kranken auf die Marktplätze und baten ihn, dass sie auch nur den Saum seines Gewandes berühren dürften; und alle, die ihn berührten, wurden geheilt.

 

 

 

Kapitel 7

 

 

1 Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und einige der Schriftgelehrten, die von Jerusalem gekommen waren.

 

2 Und als sie einige seiner Jünger sahen, dass sie mit unreinen, das heißt ungewaschenen Händen die Brote aßen

 

3 denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, ohne sich gründlich die Hände gewaschen zu haben, weil sie an der Überlieferung der Ältesten festhalten,

 

4 und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich abgewaschen zu haben, und vieles andere gibt es, was sie zu halten übernommen haben: das Abwaschen von Bechern und Krügen und Kupfergefäßen

 

5 da fragten ihn die Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum wandeln deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen?

 

6 Er aber sprach zu ihnen: Treffend hat Jesaja über euch Heuchler geweissagt, wie geschrieben steht: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist fern von mir;

 

7 vergeblich aber verehren sie mich, indem sie Lehren lehren, die Gebote von Menschen sind.

 

8 Ihr lasst das Gebot Gottes fahren und haltet an der Überlieferung der Menschen fest.

 

9 Und er sprach zu ihnen: Trefflich hebt ihr das Gebot Gottes auf, um eure Überlieferung aufzurichten.

 

10 Denn Mose hat gesagt: Ehre deinen Vater und deine Mutter, und: Wer Vater oder Mutter schmäht, soll des Todes sterben.

 

11 Ihr aber sagt: Wenn ein Mensch zum Vater oder zur Mutter sagt: Korban, das heißt: Opfergabe sei, was dir von mir zugutekommen sollte,

 

12 dann lasst ihr ihn nichts mehr für den Vater oder die Mutter tun

 

13 und setzt so das Wort Gottes außer Kraft durch eure Überlieferung, die ihr weitergegeben habt; und dergleichen Ähnliches tut ihr vieles.

 

14 Und er rief wieder die Volksmenge herbei und sprach zu ihnen: Hört mich alle und versteht!

 

15 Nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, kann ihn verunreinigen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das ist es, was den Menschen verunreinigt.

 

17 Und als er von der Menge weg in ein Haus gegangen war, fragten ihn seine Jünger nach dem Gleichnis.

 

18 Und er sagt zu ihnen: Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht verunreinigen kann,

 

19 weil es nicht in sein Herz hineingeht, sondern in den Bauch, und in den Abort ausgeschieden wird? Damit erklärte er alle Speisen für rein.

 

20 Er sagte aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen.

 

21 Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor: Unzucht, Diebstähle, Morde,

 

22 Ehebrüche, Habsucht, Bosheiten, Betrug, Zügellosigkeit, ein böses Auge, Lästerung, Hochmut, Unverstand.

 

23 Alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und verunreinigen den Menschen.

 

24 Von dort aber brach er auf und ging in das Gebiet von Tyrus. Und er ging in ein Haus und wollte, dass niemand es erfahre, doch er konnte nicht verborgen bleiben;

 

25 sondern sogleich hörte eine Frau von ihm, deren Töchterchen einen unreinen Geist hatte, kam und fiel ihm zu Füßen.

 

26 Die Frau aber war eine Griechin, von Herkunft eine Syrophönizierin; und sie bat ihn, dass er den Dämon aus ihrer Tochter austreibe.

 

27 Und er sprach zu ihr: Lass zuerst die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hündlein hinzuwerfen.

 

28 Sie aber antwortete und sagt zu ihm: Herr, auch die Hündlein unter dem Tisch fressen von den Brosamen der Kinder.

 

29 Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen geh hin; der Dämon ist aus deiner Tochter ausgefahren.

 

30 Und sie ging weg in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegend und den Dämon ausgefahren.

 

31 Und wieder verließ er das Gebiet von Tyrus und kam durch Sidon an das Meer von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.

 

32 Und man bringt ihm einen Tauben, der kaum reden konnte, und bittet ihn, dass er ihm die Hand auflege.

 

33 Und er nahm ihn von der Menge beiseite, legte ihm seine Finger in die Ohren, spuckte und berührte seine Zunge,

 

34 und er blickte zum Himmel auf, seufzte und sagt zu ihm: Effata, das heißt: Tu dich auf!

 

35 Und öffneten sich seine Ohren, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

 

36 Und er gebot ihnen, es niemandem zu sagen; je mehr er es ihnen aber gebot, desto mehr verkündeten sie es.

 

37 Und sie gerieten über alle Maßen außer sich und sagten: Er hat alles gut gemacht; die Tauben macht er hören und die Stummen reden.

 

 

 

Kapitel 8

 

 

1 In jenen Tagen, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief er die Jünger zu sich und sagte zu ihnen:

 

2 Ich habe Mitleid mit der Menge, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen;

 

3 und wenn ich sie hungrig nach Hause entlasse, werden sie unterwegs verschmachten; und einige von ihnen sind von weit her gekommen.

 

4 Und seine Jünger antworteten ihm: Woher soll jemand diese hier in der Einöde mit Broten sättigen können?

 

5 Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sagten: Sieben.

 

6 Und er befahl der Menge, sich auf der Erde zu lagern; und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie vorlegten, und sie legten sie der Menge vor.

 

7 Und sie hatten einige wenige kleine Fische; und er segnete sie und ließ auch diese vorlegen.

 

8 Und sie aßen und wurden satt, und sie hoben die übriggebliebenen Brocken auf, sieben Körbe voll.

 

9 Es waren aber etwa viertausend. Und er entließ sie.

 

10 Und sogleich stieg er mit seinen Jüngern in das Boot und kam in die Gegend von Dalmanutha.

 

11 Und die Pharisäer kamen heraus und begannen, mit ihm zu streiten; sie verlangten von ihm ein Zeichen vom Himmel, um ihn zu versuchen.

 

12 Und er seufzte in seinem Geist auf und sagte: Warum verlangt dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Diesem Geschlecht wird kein Zeichen gegeben werden.

 

13 Und er verließ sie, stieg wieder ein und fuhr ans andere Ufer.

 

14 Und sie hatten vergessen, Brote mitzunehmen, und hatten nur ein einziges Brot bei sich im Boot.

 

15 Und er warnte sie und sprach: Seht euch vor, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes!

 

16 Und sie redeten untereinander darüber, dass sie keine Brote hatten.

 

17 Und er merkte es und sagte zu ihnen: Was redet ihr darüber, dass ihr keine Brote habt? Begreift und versteht ihr noch nicht? Habt ihr ein verhärtetes Herz?

 

18 Habt ihr Augen und seht nicht, habt ihr Ohren und hört nicht? Und erinnert ihr euch nicht:

 

19 Als ich die fünf Brote für die Fünftausend brach, wie viele Körbe voll Brocken habt ihr aufgehoben? Sie sagen zu ihm: Zwölf.

 

20 Und als ich die sieben für die Viertausend brach, wie viele Körbe voll Brocken habt ihr aufgehoben? Und sie sagen: Sieben.

 

21 Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr noch nicht?

 

22 Und sie kommen nach Betsaida. Und man bringt einen Blinden zu ihm und bittet ihn, dass er ihn anrühre.

 

23 Und er nahm den Blinden bei der Hand, führte ihn aus dem Dorf hinaus, spuckte auf seine Augen, legte ihm die Hände auf und fragte ihn: Siehst du etwas?

 

24 Und er blickte auf und sagte: Ich sehe die Menschen, denn ich sehe sie wie Bäume umhergehen.

 

25 Dann legte er ihm wieder die Hände auf die Augen, und er sah klar und war wiederhergestellt und sah alles deutlich.

 

26 Und er schickte ihn nach Hause und sprach: Geh nicht einmal in das Dorf hinein!

 

27 Und Jesus zog mit seinen Jüngern hinaus in die Dörfer von Cäsarea Philippi; und unterwegs fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Für wen halten mich die Menschen?

 

28 Sie antworteten ihm: Für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für einen der Propheten.

 

29 Und er fragte sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete ihm: Du bist der Christus.

 

30 Und er gebot ihnen, niemandem von ihm zu sagen.

 

31 Und er begann, sie zu lehren, dass der Menschensohn vieles leiden müsse und von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen müsse;

 

32 und er sprach das Wort offen aus. Und Petrus nahm ihn beiseite und begann, ihn zu tadeln.

 

33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus zurecht und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gottes ist, sondern was der Menschen ist.

 

34 Und er rief die Menge samt seinen Jüngern herbei und sprach zu ihnen: Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

 

35 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, wird es retten.

 

36 Denn was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und an seiner Seele Schaden zu nehmen?

 

37 Denn was könnte ein Mensch als Lösegeld für seine Seele geben?

 

38 Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt in diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

 

 

 

Kapitel 9

 

1 Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes mit Macht kommen sehen.

 

2 Und nach sechs Tagen nahm Jesus den Petrus und den Jakobus und den Johannes mit sich und führte sie auf einen hohen Berg, sie allein für sich. Und er wurde vor ihnen verwandelt,

 

3 und seine Kleider wurden glänzend, überaus weiß, wie sie kein Walker auf Erden so weiß machen kann.

 

4 Und es erschien ihnen Elia mit Mose, und sie redeten mit Jesus.

 

5 Und Petrus hob an und sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind; lasst uns drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine.

 

6 Denn er wusste nicht, was er antworten sollte; denn sie waren voller Furcht.

 

7 Und es kam eine Wolke, die sie überschattete, und es kam eine Stimme aus der Wolke: Dies ist mein geliebter Sohn; hört auf ihn!

 

8 Und als sie sich plötzlich umsahen, sahen sie niemanden mehr, sondern Jesus allein bei ihnen.

 

9 Und während sie vom Berg herabstiegen, gebot er ihnen, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, außer wenn der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.

 

10 Und sie behielten das Wort bei sich und besprachen miteinander, was das sei: von den Toten auferstehen.

 

11 Und sie fragten ihn und sprachen: Warum sagen die Schriftgelehrten, dass zuerst Elia kommen müsse?

 

12 Er aber sprach zu ihnen: Elia kommt zwar zuerst und stellt alles wieder her; und wie steht es geschrieben über den Menschensohn, dass er vieles leiden und verachtet werden soll?

 

13 Aber ich sage euch: Elia ist auch gekommen, und sie haben ihm angetan, was sie wollten, wie über ihn geschrieben steht.

 

14 Und als sie zu den Jüngern kamen, sahen sie eine große Menge um sie herum und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten.

 

15 Und sogleich, als die ganze Menge ihn sah, erschraken sie, liefen herbei und begrüßten ihn.

 

16 Und er fragte sie: Worüber streitet ihr mit ihnen?

 

17 Und einer aus der Menge antwortete ihm: Meister, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht, der einen stummen Geist hat;

 

18 und wo immer er ihn packt, reißt er ihn zu Boden, und er schäumt und knirscht mit den Zähnen und wird starr; und ich sagte deinen Jüngern, dass sie ihn austreiben sollten, und sie vermochten es nicht.

 

19 Er aber antwortete ihnen und sprach: O ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn zu mir!

 

20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und als der Geist ihn sah, riss er ihn sogleich hin und her, und er fiel auf die Erde, wälzte sich und schäumte.

 

21 Und er fragte seinen Vater: Wie lange ist es her, dass ihm das widerfährt? Er aber sprach: Von Kindheit an;

 

22 und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen; aber wenn du etwas kannst, so erbarme dich über uns und hilf uns.

 

23 Jesus aber sprach zu ihm: Was das „wenn du kannst" betrifft, alles ist möglich dem, der glaubt.

 

24 Sogleich schrie der Vater des Kindes und sprach: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

 

25 Als aber Jesus sah, dass das Volk zusammenlief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du stummer und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre aus von ihm und fahre nicht mehr in ihn hinein!

 

26 Und er schrie, riss ihn heftig hin und her und fuhr aus; und er wurde wie tot, sodass die meisten sagten: Er ist gestorben.

 

27 Jesus aber ergriff seine Hand, richtete ihn auf, und er stand auf.

 

28 Und als er in ein Haus gegangen war, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben?

 

29 Und er sprach zu ihnen: Diese Art kann durch nichts ausfahren außer durch Gebet.

 

30 Und von dort gingen sie fort und zogen durch Galiläa, und er wollte nicht, dass es jemand erfahre;

 

31 denn er lehrte seine Jünger und sagte ihnen: Der Menschensohn wird in die Hände der Menschen überliefert, und sie werden ihn töten, und nachdem er getötet worden ist, wird er nach drei Tagen auferstehen.

 

32 Sie aber verstanden das Wort nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.

 

33 Und sie kamen nach Kapernaum. Und als er im Hause war, fragte er sie: Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?

 

34 Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gestritten, wer der Größte sei.

 

35 Und er setzte sich, rief die Zwölf und sprach zu ihnen: Wenn jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und der Diener aller sein.

 

36 Und er nahm ein Kind, stellte es in ihre Mitte, umarmte es und sprach zu ihnen:

 

37 Wer eines von solchen Kindern in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

 

38 Johannes sprach zu ihm: Meister, wir sahen einen, der in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgte.

 

39 Jesus aber sprach: Wehrt ihm nicht! Denn niemand, der in meinem Namen eine Machttat tut, kann bald darauf schlecht von mir reden;

 

40 denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.

 

41 Denn wer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt in dem Namen, dass ihr Christus angehört wahrlich, ich sage euch: Er wird seinen Lohn nicht verlieren.

 

42 Und wer einem dieser Kleinen, die glauben, Anstoß gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde.

 

43 Und wenn deine Hand dir Anstoß gibt, so haue sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben einzugehen, als mit zwei Händen in die Hölle zu fahren, in das unauslöschliche Feuer.

 

45 Und wenn dein Fuß dir Anstoß gibt, so haue ihn ab; es ist besser für dich, lahm in das Leben einzugehen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.

 

47 Und wenn dein Auge dir Anstoß gibt, so reiße es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes einzugehen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden,

 

48 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.

 

49 Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden.

 

50 Das Salz ist gut; wenn aber das Salz salzlos wird, womit werdet ihr es würzen? Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!

 

Kapitel 10

 

1 Und er machte sich von dort auf und kam in das Gebiet von Judäa und jenseits des Jordan, und wieder strömten Volksmengen zu ihm zusammen, und wie er gewohnt war, lehrte er sie wieder.

 

2 Und Pharisäer traten herzu und fragten ihn, ob es einem Mann erlaubt sei, seine Frau zu entlassen, um ihn zu versuchen.

 

3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?

 

4 Sie aber sagten: Mose hat erlaubt, einen Scheidebrief zu schreiben und zu entlassen.

 

5 Jesus aber sprach zu ihnen: Wegen eurer Herzenshärte hat er euch dieses Gebot geschrieben.

 

6 Aber vom Anfang der Schöpfung an hat er sie als Mann und Frau geschaffen.

 

7 Darum wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter,

 

8 und die zwei werden ein Fleisch sein; so sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.

 

9 Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.

 

10 Und im Haus fragten ihn die Jünger wiederum darüber.

 

11 Und er sagt ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch an ihr;

 

12 und wenn sie ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.

 

13 Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre; die Jünger aber fuhren sie an.

 

14 Als aber Jesus das sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.

 

15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird gewiss nicht hineinkommen.

 

16 Und er umarmte sie und segnete sie, indem er die Hände auf sie legte.

 

17 Und als er hinausging auf den Weg, lief einer herzu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, um ewiges Leben zu erben?

 

18 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer dem einen Gott.

 

19 Die Gebote kennst du: Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht falsches Zeugnis geben, nicht betrügen; ehre deinen Vater und deine Mutter.

 

20 Er aber sagte zu ihm: Meister, das alles habe ich von meiner Jugend an gehalten.

 

21 Jesus aber blickte ihn an, gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir: Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach.

 

22 Er aber wurde traurig über das Wort und ging betrübt davon; denn er hatte viele Güter.

 

23 Und Jesus blickte umher und sagt zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die, die Vermögen haben, in das Reich Gottes hineinkommen!

 

24 Die Jünger aber erschraken über seine Worte. Jesus aber antwortete wiederum und sagt ihnen: Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes hineinzukommen!

 

25 Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Öhr der Nadel geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.

 

26 Sie aber entsetzten sich über die Maßen und sprachen zueinander: Und wer kann dann gerettet werden?

 

27 Jesus blickte sie an und sagt: Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alles ist möglich bei Gott.

 

28 Da begann Petrus zu ihm zu sagen: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.

 

29 Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen,

 

30 der nicht hundertfach empfängt: jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen, und in der kommenden Weltzeit ewiges Leben.

 

31 Viele Erste aber werden Letzte sein und die Letzten Erste.

 

32 Sie waren aber auf dem Weg hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging ihnen voran, und sie erschraken; die aber nachfolgten, fürchteten sich. Und er nahm wiederum die Zwölf zu sich und begann ihnen zu sagen, was ihm widerfahren sollte:

 

33 Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten überliefert werden, und sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Heiden überliefern,

 

34 und sie werden ihn verspotten und anspeien und geißeln und töten, und nach drei Tagen wird er auferstehen.

 

35 Und es treten zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sagen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du uns tust, was wir dich bitten werden.

 

36 Er aber sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich euch tue?

 

37 Sie aber sagten zu ihm: Gewähre uns, dass wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit.

 

38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr erbittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde?

 

39 Sie aber sagten zu ihm: Wir können es. Jesus aber sprach zu ihnen: Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden;

 

40 aber das Sitzen zu meiner Rechten oder zu meiner Linken zu vergeben steht nicht mir zu, sondern es wird denen zuteil, für die es bereitet ist.

 

41 Und als die Zehn es hörten, begannen sie, über Jakobus und Johannes unwillig zu werden.

 

42 Und Jesus rief sie zu sich und sagt ihnen: Ihr wisst, dass die, welche als Herrscher der Völker gelten, sie unterdrücken, und ihre Großen Gewalt über sie üben.

 

43 So aber ist es nicht unter euch, sondern wer unter euch groß werden will, der sei euer Diener,

 

44 und wer unter euch der Erste sein will, der sei aller Knecht;

 

45 denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich umsorgen zu lassen, sondern um seinen Atem zu geben und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben.

 

46 Und sie kommen nach Jericho. Und als er aus Jericho hinausging mit seinen Jüngern und einer beträchtlichen Volksmenge, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Weg.

 

47 Und als er hörte, dass es Jesus der Nazarener sei, begann er zu schreien und zu rufen: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!

 

48 Und viele fuhren ihn an, er solle schweigen; er aber schrie umso mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner!

 

49 Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn. Und sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei getrost, steh auf, er ruft dich.

 

50 Er aber warf seinen Mantel ab, sprang auf und kam zu Jesus.

 

51 Und Jesus antwortete ihm und sprach: Was willst du, dass ich dir tue? Der Blinde aber sagte zu ihm: Rabbuni, dass ich wieder sehen kann.

 

52 Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich gerettet. Und sogleich sah er wieder und folgte ihm auf dem Weg.

 

Kapitel 11

 

 

1 Und als sie sich Jerusalem näherten, bei Betfage und Betanien am Ölberg, sandte er zwei seiner Jünger aus

 

2 und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt, und sogleich, wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und bringt es her.

 

3 Und wenn jemand zu euch sagt: Warum tut ihr das?, so sagt: Der Herr braucht es, und er schickt es sogleich wieder hierher.

 

4 Und sie gingen hin und fanden ein Fohlen angebunden an einer Tür draußen an der Straße, und sie banden es los.

 

5 Und einige von denen, die dort standen, sagten zu ihnen: Was tut ihr da, dass ihr das Fohlen losbindet?

 

6 Sie aber sagten zu ihnen, wie Jesus gesagt hatte, und man ließ sie gewähren.

 

7 Und sie brachten das Fohlen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.

 

8 Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber Zweige, die sie auf den Feldern abgeschnitten hatten.

 

9 Und die vorausgingen und die nachfolgten, riefen: Hosanna! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!

 

10 Gepriesen sei das kommende Reich unseres Vaters David! Hosanna in der Höhe!

 

11 Und er zog in Jerusalem in den Tempel ein; und nachdem er sich alles ringsum angesehen hatte, ging er, da es schon spät am Tage war, mit den Zwölfen hinaus nach Betanien.

 

12 Und am folgenden Tag, als sie von Betanien weggingen, hungerte ihn.

 

13 Und als er von weitem einen Feigenbaum sah, der Blätter hatte, ging er hin, ob er wohl etwas an ihm finden würde; und als er hinkam, fand er nichts als Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen.

 

14 Und er hob an und sprach zu ihm: Nie mehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen! Und seine Jünger hörten es.

 

15 Und sie kamen nach Jerusalem. Und er ging in den Tempel und begann, die Verkäufer und die Käufer im Tempel hinauszutreiben, und die Tische der Geldwechsler und die Stühle der Taubenverkäufer stieß er um,

 

16 und er ließ nicht zu, dass jemand ein Gefäß durch den Tempel trug.

 

17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes genannt werden für alle Völker? Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.

 

18 Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten es und suchten, wie sie ihn umbringen könnten; denn sie fürchteten ihn, weil das ganze Volk über seine Lehre außer sich geriet.

 

19 Und wenn es Abend wurde, gingen sie zur Stadt hinaus.

 

20 Und als sie am Morgen vorübergingen, sahen sie den Feigenbaum verdorrt von den Wurzeln an.

 

21 Und Petrus erinnerte sich und sagte zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt.

 

22 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott!

 

23 Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berg sagt: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer!, und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, dem wird es zuteilwerden.

 

24 Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet – glaubt, dass ihr es empfangen habt, und es wird euch zuteilwerden.

 

25 Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergebe.

 

27 Und sie kamen wieder nach Jerusalem. Und als er im Tempel umherging, kamen die Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm

 

28 und sagten zu ihm: In welcher Vollmacht tust du das? Oder wer hat dir diese Vollmacht gegeben, dass du das tust?

 

 29 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich will euch eine einzige Frage stellen; antwortet mir, dann werde ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich das tue:

 

30 War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir!

 

31 Und sie überlegten miteinander und sprachen: Wenn wir sagen: Vom Himmel, wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?

 

32 Sollen wir aber sagen: Von Menschen? – Sie fürchteten das Volk; denn alle hielten Johannes wirklich für einen Propheten.

 

33 Und sie antworteten Jesus und sagten: Wir wissen es nicht. Und Jesus sprach zu ihnen: Dann sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich das tue.

 

 

Kapitel 12

 

1 Und er begann, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und zog außer Landes.

 

2 Und er sandte zur rechten Zeit einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern von den Früchten des Weinbergs empfange.

 

3 Und sie ergriffen ihn, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.

 

4 Und wiederum sandte er einen anderen Knecht zu ihnen; und den schlugen sie auf den Kopf und entehrten ihn.

 

5 Und einen anderen sandte er; und den töteten sie, und viele andere, die einen schlugen sie, die anderen töteten sie.

 

6 Noch einen hatte er, einen geliebten Sohn; den sandte er als letzten zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.

 

7 Jene Weingärtner aber sprachen zueinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein.

 

8 Und sie ergriffen ihn, töteten ihn und warfen ihn aus dem Weinberg hinaus.

 

9 Was wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben.

 

10 Habt ihr nicht auch diese Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden;

 

11 vom Herrn ist dies geschehen, und es ist wunderbar in unseren Augen?

 

12 Und sie suchten ihn zu ergreifen, fürchteten aber die Menge; denn sie erkannten, dass er das Gleichnis auf sie gesprochen hatte. Und sie ließen ihn und gingen fort.

 

13 Und sie senden einige von den Pharisäern und Herodianern zu ihm, um ihn mit einem Wort zu fangen.

 

14 Und sie kamen und sagten zu ihm: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und dich um niemand kümmerst; denn du siehst nicht auf das Ansehen der Menschen, sondern lehrst den Weg Gottes in Wahrheit. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht? Sollen wir geben oder nicht geben?

 

15 Er aber, der ihre Heuchelei kannte, sprach zu ihnen: Was versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar, damit ich ihn sehe.

 

16 Sie aber brachten einen. Und er sagt zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift ist dies? Sie aber sagten zu ihm: Des Kaisers.

 

17 Jesus aber sprach zu ihnen: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und sie verwunderten sich über ihn.

 

18 Und es kommen Sadduzäer zu ihm, die sagen, es gebe keine Auferstehung, und sie befragten ihn und sprachen:

 

19 Meister, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt und eine Frau hinterlässt und kein Kind hinterlässt, so soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.

 

20 Es waren sieben Brüder; und der erste nahm eine Frau, und als er starb, hinterließ er keine Nachkommen.

 

21 Und der zweite nahm sie und starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen; und der dritte ebenso.

 

22 Und die sieben hinterließen keine Nachkommen. Zuletzt von allen starb auch die Frau.

 

23 In der Auferstehung, wessen Frau von ihnen wird sie sein? Denn die sieben haben sie zur Frau gehabt.

 

24 Jesus sprach zu ihnen: Irrt ihr nicht deshalb, weil ihr weder die Schriften kennt noch die Kraft Gottes?

 

25 Denn wenn sie von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht und werden nicht verheiratet, sondern sind wie Engel in den Himmeln.

 

26 Was aber die Toten betrifft, dass sie auferweckt werden: Habt ihr nicht im Buch des Mose gelesen, bei dem Dornbusch, wie Gott zu ihm sprach: Ich bin der Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs?

 

27 Er ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Ihr irrt sehr.

 

28 Und einer der Schriftgelehrten trat hinzu, der gehört hatte, wie sie miteinander stritten, und da er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das erste Gebot von allen?

 

29 Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einziger Herr,

 

30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft.

 

31 Das zweite ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Größer als diese ist kein anderes Gebot.

 

32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Gut, Meister, in Wahrheit hast du gesagt, dass er einer ist und dass es keinen anderen gibt außer ihm;

 

33 und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.

 

34 Und als Jesus sah, dass er verständig geantwortet hatte, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

 

35 Und Jesus hob an und sprach, als er im Tempel lehrte: Wie sagen die Schriftgelehrten, dass der Christus Davids Sohn sei?

 

36 David selbst hat im Heiligen Geist gesagt: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege.

 

37 David selbst nennt ihn Herrn, und woher ist er dann sein Sohn? Und die große Menge hörte ihm gern zu.

 

38 Und in seiner Lehre sprach er: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und Begrüßungen auf den Marktplätzen lieben

 

39 und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern,

 

40 die die Häuser der Witwen verzehren und zum Schein lange Gebete sprechen; diese werden ein umso schwereres Gericht empfangen.

 

41 Und er setzte sich dem Opferkasten gegenüber und sah zu, wie die Menge Geld in den Opferkasten warf. Und viele Reiche warfen viel ein.

 

42 Und eine arme Witwe kam und warf zwei Scherflein ein, das ist ein Quadrans.

 

43 Und er rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingeworfen als alle, die in den Opferkasten einwarfen.

 

44 Denn alle haben von ihrem Überfluss eingeworfen; sie aber hat aus ihrem Mangel alles eingeworfen, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt.

 

 

 

Kapitel 13

 

1 Und als er aus dem Tempel hinausging, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Meister, sieh, was für Steine und was für Bauten!

 

2 Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Bauten? Es wird hier kein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht niedergerissen wird.

 

3 Und als er auf dem Ölberg saß, dem Tempel gegenüber, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas für sich allein:

 

4 Sage uns, wann wird das geschehen, und was ist das Zeichen, wenn dies alles sich vollenden soll?

 

5 Jesus aber begann zu ihnen zu sagen: Seht zu, dass euch niemand verführe!

 

6 Viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin es! und werden viele verführen.

 

7 Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hört, so erschreckt nicht; es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.

 

8 Denn es wird sich Volk gegen Volk erheben und Königreich gegen Königreich; es werden Erdbeben sein an verschiedenen Orten, es werden Hungersnöte sein. Das ist der Anfang der Wehen.

 

9 Ihr aber, seht auf euch selbst! Sie werden euch den Gerichten übergeben, und in den Synagogen werdet ihr geschlagen werden, und vor Statthalter und Könige werdet ihr gestellt werden um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis.

 

10 Und allen Völkern muss zuerst das Evangelium verkündigt werden.

 

11 Und wenn sie euch abführen und überliefern, so sorgt euch nicht im Voraus, was ihr reden sollt, sondern was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet; denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Heilige Geist.

 

12 Und es wird ein Bruder den Bruder zum Tode überliefern und der Vater das Kind, und Kinder werden sich gegen die Eltern erheben und sie töten.

 

13 Und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen. Wer aber bis ans Ende ausharrt, der wird gerettet werden.

 

14 Wenn ihr aber den Gräuel der Verwüstung stehen seht, wo er nicht stehen soll, wer es liest, der merke auf, dann sollen die in Judäa in die Berge fliehen;

 

15 wer aber auf dem Dach ist, steige nicht hinab und gehe nicht hinein, um etwas aus seinem Haus zu holen;

 

16 und wer auf dem Feld ist, kehre nicht zurück, um sein Gewand zu holen.

 

17 Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen!

 

18 Betet aber, dass es nicht im Winter geschehe;

 

19 denn jene Tage werden eine Bedrängnis sein, wie eine solche nicht gewesen ist vom Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, bis jetzt, und auch nicht sein wird.

 

20 Und hätte der Herr die Tage nicht verkürzt, so würde kein Fleisch gerettet; aber um der Auserwählten willen, die er erwählt hat, hat er die Tage verkürzt.

 

21 Und wenn euch dann jemand sagt: Siehe, hier ist der Christus! Siehe, dort! So glaubt es nicht.

 

22 Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, die Auserwählten zu verführen.

 

23 Ihr aber, seht euch vor! Ich habe euch alles vorhergesagt.

 

24 Aber in jenen Tagen, nach jener Bedrängnis, wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben,

 

25 und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte in den Himmeln werden erschüttert werden.

 

26 Und dann werden sie den Menschensohn kommen sehen in Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit.

 

27 Und dann wird er die Engel aussenden und seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

 

28 Vom Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich wird und die Blätter hervortreibt, so erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.

 

29 So auch ihr: Wenn ihr dies geschehen seht, so erkennt, dass er nahe vor der Tür ist.

 

30 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.

 

31 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

 

32 Von jenem Tag aber oder jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern allein der Vater.

 

33 Seht zu, wacht! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.

 

34 Es ist wie bei einem Menschen, der außer Landes zog, sein Haus verließ und seinen Knechten die Vollmacht gab, einem jeden sein Werk, und dem Türhüter gebot, dass er wache.

 

35 So wacht nun! Denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder um Mitternacht oder beim Hahnenschrei oder am Morgen,

 

36 damit er nicht plötzlich komme und euch schlafend finde.

 

37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wacht!

 

Kapitel 14

 

1 Es waren aber noch zwei Tage bis zum Passa und den Tagen der ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten;

 

2 denn sie sagten: Nicht am Fest, damit es keinen Aufruhr im Volk gebe.

 

3 Und als er in Betanien war, im Haus Simons des Aussätzigen, und zu Tisch lag, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echten, kostbaren Nardenöls; sie zerbrach das Alabastergefäß und goss es über sein Haupt.

 

4 Es waren aber einige, die unwillig wurden und untereinander sprachen: Wozu ist diese Verschwendung des Öls geschehen?

 

5 Denn dieses Öl hätte für mehr als dreihundert Denare verkauft und der Erlös den Armen gegeben werden können. Und sie fuhren sie an.

 

6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Warum macht ihr ihr Mühe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.

 

7 Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.

 

8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat im Voraus meinen Leib zum Begräbnis gesalbt.

 

9 Wahrlich, ich sage euch: Wo immer das Evangelium in der ganzen Welt verkündigt wird, wird auch das erzählt werden, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

 

10 Und Judas Iskariot, einer von den Zwölfen, ging hin zu den Hohenpriestern, um ihn an sie zu verraten.

 

11 Als sie das hörten, freuten sie sich und versprachen, ihm Geld zu geben. Und er suchte, wie er ihn bei guter Gelegenheit ausliefern könnte.

 

12 Und am ersten Tag der ungesäuerten Brote, als man das Passalamm schlachtete, sagten seine Jünger zu ihm: Wo willst du, dass wir hingehen und vorbereiten, damit du das Passa isst?

 

13 Und er sandte zwei seiner Jünger und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der einen Wasserkrug trägt; folgt ihm,

 

14 und wo er hineingeht, sagt dem Hausherrn: Der Meister lässt fragen: Wo ist meine Herberge, in der ich das Passa mit meinen Jüngern essen kann?

 

15 Und er wird euch ein großes Obergemach zeigen, ausgelegt und bereit; dort bereitet es für uns.

 

16 Und die Jünger gingen hinaus und kamen in die Stadt und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passa.

 

17 Und als es Abend geworden war, kam er mit den Zwölfen.

 

18 Und als sie zu Tisch lagen und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten, der mit mir isst.

 

19 Da wurden sie traurig und sagten zu ihm, einer nach dem anderen: Doch nicht etwa ich?

 

20 Er aber sprach zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel eintaucht.

 

21 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben steht; wehe aber jenem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird; es wäre besser für ihn, wenn jener Mensch nicht geboren wäre.

 

22 Und während sie aßen, nahm er Brot, sprach den Segen, brach es, gab es ihnen und sprach: Nehmt, das ist mein Leib.

 

23 Und er nahm einen Kelch, dankte und gab ihnen den, und sie tranken alle daraus.

 

24 Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

 

25 Wahrlich, ich sage euch: Ich werde nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken bis zu jenem Tag, an dem ich es neu trinke im Reich Gottes.

 

26 Und nachdem sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

 

27 Und Jesus sagt zu ihnen: Ihr werdet alle Anstoß nehmen, denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen.

 

28 Aber nachdem ich auferstanden bin, werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.

 

29 Petrus aber sprach zu ihm: Auch wenn alle Anstoß nehmen, ich nicht!

 

30 Und Jesus sagt zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

 

31 Er aber redete umso heftiger: Wenn ich auch mit dir sterben müsste, ich werde dich nicht verleugnen. Und ebenso sprachen auch alle.

 

32 Und sie kommen zu einem Grundstück mit Namen Getsemani, und er sagt zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, während ich bete.

 

33 Und er nimmt Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an zu zittern und zu zagen

 

34 und sagt zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis zum Tod; bleibt hier und wacht!

 

35 Und er ging ein wenig weiter, fiel zur Erde und betete, dass, wenn es möglich sei, die Stunde an ihm vorübergehe,

 

36 und sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst.

 

37 Und er kommt und findet sie schlafend und sagt zu Petrus: Simon, schläfst du? Konntest du nicht eine Stunde wachen?

 

38 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt; der Geist ist willig, das Fleisch aber schwach.

 

39 Und wieder ging er hin und betete mit denselben Worten.

 

40 Und als er wiederkam, fand er sie schlafend, denn ihre Augen waren schwer geworden, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.

 

41 Und er kommt zum dritten Mal und sagt zu ihnen: Schlaft ihr weiter und ruht euch aus? Es ist genug; die Stunde ist gekommen, siehe, der Menschensohn wird in die Hände der Sünder ausgeliefert.

 

42 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe.

 

43 Und sogleich, während er noch redete, kommt Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine Schar mit Schwertern und Stöcken, von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten.

 

44 Der ihn verriet, hatte ihnen aber ein Zeichen gegeben und gesagt: Wen ich küssen werde, der ist es; ergreift ihn und führt ihn sicher ab.

 

45 Und als er kam, trat er sogleich zu ihm und sagt: Rabbi! und küsste ihn.

 

46 Sie aber legten Hand an ihn und ergriffen ihn.

 

47 Einer aber von denen, die dabeistanden, zog das Schwert, schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab.

 

48 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Wie gegen einen Räuber seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Stöcken, um mich zu fangen?

 

49 Täglich war ich bei euch im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht ergriffen; aber die Schriften müssen erfüllt werden.

 

50 Und alle verließen ihn und flohen.

 

51 Und ein junger Mann folgte ihm nach, der ein Leinentuch um den bloßen Leib trug; und sie ergreifen ihn.

 

52 Er aber ließ das Leinentuch fahren und floh nackt davon.

 

53 Und sie führten Jesus ab zum Hohenpriester, und es versammeln sich alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten.

 

54 Und Petrus folgte ihm von ferne bis hinein in den Hof des Hohenpriesters und saß mit den Dienern zusammen und wärmte sich am Feuer.

 

55 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten ein Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu töten, und fanden keines.

 

56 Denn viele legten falsches Zeugnis gegen ihn ab, aber ihre Zeugnisse stimmten nicht überein.

 

57 Und einige standen auf und legten falsches Zeugnis gegen ihn ab und sagten:

 

58 Wir haben ihn sagen hören: Ich werde diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in drei Tagen einen anderen bauen, der nicht mit Händen gemacht ist.

 

59 Und auch so stimmte ihr Zeugnis nicht überein.

 

60 Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen?

 

61 Er aber schwieg und antwortete nichts. Wieder fragte ihn der Hohepriester und sagt zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten?

 

62 Jesus aber sprach: Ich bin es, und ihr werdet den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des Himmels.

 

63 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sagt: Was brauchen wir noch Zeugen?

 

64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was meint ihr? Sie aber verurteilten ihn alle, dass er des Todes schuldig sei.

 

65 Und einige fingen an, ihn anzuspucken und sein Gesicht zu verhüllen und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage! Und die Diener empfingen ihn mit Ohrfeigen.

 

66 Und während Petrus unten im Hof war, kommt eine von den Mägden des Hohenpriesters,

 

67 und als sie Petrus sich wärmen sah, blickte sie ihn an und sagt: Auch du warst mit dem Nazarener, mit Jesus.

 

68 Er aber leugnete und sprach: Ich weiß nicht und verstehe nicht, was du sagst. Und er ging hinaus in den Vorhof.

 

69 Und die Magd sah ihn und fing wieder an, zu den Umstehenden zu sagen: Dieser ist einer von ihnen.

 

70 Er aber leugnete wiederum. Und kurz danach sagten die Umstehenden wieder zu Petrus: Wahrhaftig, du bist einer von ihnen, denn du bist auch ein Galiläer.

 

71 Er aber fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet.

 

72 Und sogleich krähte der Hahn zum zweiten Mal. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er brach in Weinen aus.

 

Kapitel 15

 

1 Und sogleich am frühen Morgen hielten die Hohenpriester mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat eine Beratung, banden Jesus, führten ihn ab und übergaben ihn Pilatus.

 

2 Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete ihm und sprach: Du sagst es.

 

3 Und die Hohenpriester klagten ihn vieler Dinge an.

 

4 Pilatus aber fragte ihn wiederum und sprach: Antwortest du nichts? Siehe, wie viel sie dir vorwerfen.

 

5 Jesus aber antwortete nichts mehr, sodass Pilatus sich verwunderte.

 

6 Zum Fest aber pflegte er ihnen einen Gefangenen freizulassen, den sie erbaten.

 

7 Es war aber einer, genannt Barabbas, mit den Aufrührern gefangen, die beim Aufstand einen Mord begangen hatten.

 

8 Und die Menge zog hinauf und begann zu bitten, dass er täte, wie er ihnen zu tun pflegte.

 

9 Pilatus aber antwortete ihnen und sprach: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse?

 

10 Denn er wusste, dass die Hohenpriester ihn aus Neid ausgeliefert hatten.

 

11 Die Hohenpriester aber wiegelten die Menge auf, dass er ihnen lieber den Barabbas freilasse.

 

12 Pilatus aber antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Was [wollt ihr denn, dass] ich mit dem tue, [den ihr] den König der Juden [nennt]?

 

13 Sie aber schrien wiederum: Kreuzige ihn!

 

14 Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Sie aber schrien noch mehr: Kreuzige ihn!

 

15 Pilatus aber, der der Menge Genüge tun wollte, ließ ihnen Barabbas frei und übergab Jesus, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, dass er gekreuzigt werde.

 

16 Die Soldaten aber führten ihn hinein in den Hof, das heißt das Prätorium, und riefen die ganze Kohorte zusammen.

 

17 Und sie zogen ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf;

 

18 und sie begannen, ihn zu grüßen: Sei gegrüßt, König der Juden!

 

19 Und sie schlugen sein Haupt mit einem Rohr und spien ihn an und beugten die Knie und huldigten ihm.

 

20 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und legten ihm seine eigenen Kleider an. Und sie führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen.

 

21 Und sie zwangen einen Vorübergehenden, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, sein Kreuz zu tragen.

 

22 Und sie brachten ihn an den Ort Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte.

 

23 Und sie gaben ihm mit Myrrhe gewürzten Wein; er aber nahm ihn nicht.

 

24 Und sie kreuzigten ihn und verteilten seine Kleider, indem sie das Los darüber warfen, wer was nehmen sollte.

 

25 Es war aber die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.

 

26 Und die Aufschrift seiner Schuld war geschrieben: Der König der Juden.

 

27 Und mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.

 

29 Und die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel niederreißt und in drei Tagen aufbaust,

 

30 rette dich selbst und steige herab vom Kreuz!

 

31 Ebenso spotteten auch die Hohenpriester untereinander mit den Schriftgelehrten und sprachen: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten.

 

32 Der Christus, der König Israels, steige jetzt herab vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und auch die mit ihm Gekreuzigten schmähten ihn.

 

33 Und als die sechste Stunde kam, entstand eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

 

34 Und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloi, Eloi, lema sabachthani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

 

35 Und einige der Dabeistehenden hörten es und sprachen: Siehe, er ruft den Elia.

 

36 Einer aber lief hin, füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken und sprach: Lasst, wir wollen sehen, ob Elia kommt, ihn herabzunehmen.

 

37 Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verschied.

 

38 Und der Vorhang des Tempels riss entzwei von oben bis unten.

 

39 Als aber der Hauptmann, der ihm gegenüberstand, sah, dass er so verschied, sprach er: Wahrhaftig, dieser Mensch war ein Sohn Gottes.

 

40 Es waren aber auch Frauen da, die von ferne zusahen, unter ihnen Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus des Kleinen und des Joses, und Salome,

 

41 die ihm, als er in Galiläa war, nachgefolgt waren und ihm umsorgt hatten, und viele andere, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.

 

42 Und als es schon Abend geworden war, da es Rüsttag war, das heißt der Tag vor dem Sabbat,

 

43 kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch selbst das Reich Gottes erwartete, wagte es, zu Pilatus hineinzugehen, und bat um den Leib Jesu.

 

44 Pilatus aber verwunderte sich, dass er schon gestorben sei, rief den Hauptmann herbei und fragte ihn, ob er schon lange tot sei.

 

45 Und als er es vom Hauptmann erfahren hatte, schenkte er den Leichnam dem Josef.

 

46 Und dieser kaufte ein Leinentuch, nahm ihn herab, wickelte ihn in das Leinentuch und legte ihn in ein Grab, das aus dem Felsen gehauen war, und wälzte einen Stein vor die Tür des Grabes.

 

47 Maria Magdalena aber und Maria, die Mutter des Joses, sahen zu, wohin er gelegt wurde.

 

 

 

 

Kapitel 16

 

1Und als der Sabbat vorüber war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

 

2Und sehr früh am ersten Tag der Woche kommen sie zum Grab, als die Sonne aufging.

 

3Und sie sprachen zueinander: Wer wird uns den Stein von der Tür des Grabes wälzen?

 

4Und als sie aufblickten, sahen sie, dass der Stein weggewälzt war; er war nämlich sehr groß.

 

5Und als sie in das Grab hineingingen, sahen sie einen Jüngling zur Rechten sitzen, bekleidet mit einem weißen Gewand, und sie erschraken sehr.

 

6Er aber spricht zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Siehe, der Ort, wo sie ihn hingelegt hatten.

 

7Aber geht hin, sagt seinen Jüngern und dem Petrus, dass er euch nach Galiläa vorausgeht; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

 

8Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen; und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich