Lukas
Kapitel 1
1 Da es nun schon viele unternommen haben, einen Bericht
über die Ereignisse abzufassen, die sich unter uns erfüllt haben,
2 wie sie uns diejenigen überliefert haben, die von Anfang
an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind,
3 schien es auch mir gut, der ich allem von Anbeginn genau
nachgegangen bin, es dir der Reihe nach aufzuschreiben, hochverehrter
Theophilus,
4 damit du die Zuverlässigkeit der Lehren erkennst, in
denen du unterwiesen worden bist.
5 Es war in den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa,
ein Priester mit Namen Zacharias, aus der Priesterabteilung Abija, und er hatte
eine Frau aus den Töchtern Aarons, und ihr Name war Elisabeth.
6 Beide aber waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig
in allen Geboten und Satzungen des Herrn.
7 Und sie hatten kein Kind, denn Elisabeth war unfruchtbar,
und beide waren in ihren Tagen vorgerückt.
8 Es geschah aber, als er den Priesterdienst vor Gott
versah in der Ordnung seiner Abteilung,
9 dass ihn nach der Gewohnheit des Priestertums das Los
traf, in den Tempel des Herrn hineinzugehen und zu räuchern;
10 und die ganze Menge des Volkes betete draußen zur Stunde
des Räucheropfers.
11 Da erschien ihm ein Engel des Herrn, der zur Rechten des
Räucheraltars stand.
12 Und Zacharias erschrak, als er ihn sah, und Furcht
befiel ihn.
13 Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht,
Zacharias, denn dein Gebet ist erhört worden, und deine Frau Elisabeth wird dir
einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben.
14 Und du wirst Freude und Jubel haben, und viele werden
sich über seine Geburt freuen.
15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes
Getränk wird er nicht trinken, und mit Heiligem Geist wird er erfüllt werden
schon vom Mutterleib an,
16 und viele der Söhne Israels wird er zum Herrn, ihrem Gott,
bekehren.
17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft
des Elija, um die Herzen der Väter zu den Kindern zu bekehren und die
Ungehorsamen zur Gesinnung der Gerechten, um dem Herrn ein zubereitetes Volk zu
bereiten.
18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das
erkennen? Denn ich bin alt, und meine Frau ist in ihren Tagen vorgerückt.
19 Und der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin
Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, zu dir zu reden und
dir dies zu verkündigen.
20 Und siehe, du
wirst stumm sein und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschieht,
weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die sich zu ihrer Zeit erfüllen
werden.
21 Und das Volk
wartete auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel verweilte.
22 Als er aber herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden,
und sie erkannten, dass er eine Erscheinung im Tempel gesehen hatte; und er
winkte ihnen zu und blieb stumm.
23 Und es geschah, als die Tage seines Dienstes erfüllt
waren, ging er heim in sein Haus.
24 Nach diesen Tagen aber empfing Elisabeth, seine Frau,
und sie verbarg sich fünf Monate und sprach:
25 So hat der Herr an mir getan in den Tagen, da er darauf
sah, meine Schmach unter den Menschen hinwegzunehmen.
26 Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott
in eine Stadt Galiläas mit Namen Nazareth gesandt
27 zu einer Jungfrau, die einem Mann mit Namen Josef aus
dem Hause Davids verlobt war; und der Name der Jungfrau war Maria.
28 Und er trat bei ihr ein und sprach: Sei gegrüßt,
Begnadete, der Herr ist mit dir!
29 Sie aber erschrak über das Wort und überlegte, was für
ein Gruß dies sei.
30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria,
denn du hast Gnade bei Gott gefunden.
31 Und siehe, du wirst empfangen im Leib und einen Sohn
gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.
32 Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt
werden, und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben,
33 und er wird über das Haus Jakob herrschen in Ewigkeit,
und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34 Maria aber sprach zu dem Engel: Wie soll das geschehen,
da ich keinen Mann erkenne?
35 Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Heiliger
Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten;
darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Sohn Gottes genannt werden.
36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, hat auch einen
Sohn empfangen in ihrem Alter, und dies ist der sechste Monat für sie, die man
unfruchtbar nannte;
37 denn bei Gott wird kein Ding unmöglich sein.
38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe nach deinem Wort. Und der Engel schied von ihr.
39 Maria aber machte sich in diesen Tagen auf und ging
eilends ins Gebirge, in eine Stadt Judas,
40 und sie trat in das Haus des Zacharias und grüßte
Elisabeth.
41 Und es geschah, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leib, und Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt,
42 und sie rief mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist
du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!
43 Und woher kommt mir das, dass die Mutter meines Herrn zu
mir kommt?
44 Denn siehe, als die Stimme deines Grußes in meine Ohren
drang, hüpfte das Kind vor Jubel in meinem Leib.
45 Und selig ist, die geglaubt hat, dass in Erfüllung gehen
wird, was ihr vom Herrn gesagt worden ist.
46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn,
47 und mein Geist frohlockt über Gott, meinen Retter;
48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Denn
siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter,
49 denn Großes hat der Mächtige an mir getan, und heilig
ist sein Name,
50 und sein Erbarmen währt von Geschlecht zu Geschlecht
denen, die ihn fürchten.
51 Er hat Macht geübt mit seinem Arm, er hat zerstreut, die
hochmütig sind im Sinnen ihres Herzens;
52 er hat Gewaltige von den Thronen gestürzt und Niedrige
erhöht,
53 Hungernde hat er mit Gütern erfüllt, und Reiche hat er
leer fortgeschickt.
54 Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, um an
sein Erbarmen zu gedenken,
55 wie er zu unseren Vätern geredet hat, zu Abraham und
seinem Samen in Ewigkeit.
56 Maria aber blieb etwa drei Monate bei ihr und kehrte
dann in ihr Haus zurück.
57 Für Elisabeth aber erfüllte sich die Zeit, dass sie
gebären sollte, und sie gebar einen Sohn.
58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr
sein Erbarmen an ihr groß gemacht hatte, und sie freuten sich mit ihr.
59 Und es geschah am achten Tag, da kamen sie, das Kind zu
beschneiden, und sie wollten es nach dem Namen seines Vaters Zacharias nennen.
60 Doch seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern
es soll Johannes heißen.
61 Und sie sagten zu ihr: Es ist doch niemand in deiner
Verwandtschaft, der diesen Namen trägt.
62 Sie winkten aber seinem Vater zu, wie er es genannt
haben wolle.
63 Und er verlangte ein Täfelchen und schrieb: Johannes ist
sein Name. Und alle verwunderten sich.
64 Sogleich aber wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge,
und er redete und pries Gott.
65 Und Furcht kam über alle, die um sie her wohnten, und im
ganzen Bergland von Judäa wurden alle diese Dinge besprochen,
66 und alle, die es hörten, nahmen es sich zu Herzen und
sprachen: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn die Hand des Herrn war mit
ihm.
67 Und Zacharias, sein Vater, wurde mit Heiligem Geist
erfüllt und weissagte und sprach:
68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, denn er hat
sein Volk heimgesucht und ihm Erlösung geschaffen,
69 und er hat uns ein Horn des Heils aufgerichtet im Hause
Davids, seines Knechtes,
70 wie er geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten
von alters her:
71 Rettung von unseren Feinden und aus der Hand aller, die
uns hassen,
72 um Erbarmen zu üben an unseren Vätern und seines
heiligen Bundes zu gedenken,
73 des Eides, den er unserem Vater Abraham geschworen hat,
uns zu geben,
74 dass wir, aus der Hand der Feinde errettet, ihm
furchtlos dienen 75in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage.
76 Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten genannt werden;
denn du wirst vor dem Herrn hergehen, seine Wege zu bereiten,
77 um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in der
Vergebung ihrer Sünden,
78 durch das herzliche Erbarmen unseres Gottes, mit dem uns
der Aufgang aus der Höhe heimsuchen wird,
79 um denen zu leuchten, die in Finsternis und
Todesschatten sitzen, und unsere Füße auf den Weg des Friedens zu lenken.
80 Das Kind aber wuchs und wurde stark im Geist, und es war
in den Wüsten bis zum Tag seines öffentlichen Auftretens vor Israel.
Kapitel 2
1 Es begab sich aber in jenen Tagen, dass ein Gebot von
Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.
2 Diese Schätzung war die erste und geschah, als Quirinius
Statthalter in Syrien war.
3 Und alle gingen hin, sich schätzen zu lassen, ein jeder
in seine Stadt.
4 Da machte sich auch Josef auf aus Galiläa, aus der Stadt
Nazareth, nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, weil er aus dem
Hause und Geschlechte Davids war,
5 um sich schätzen zu lassen mit Maria, seiner Verlobten,
die schwanger war.
6 Und es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die
Tage, dass sie gebären sollte.
7 Und sie gebar
ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe,
denn sie hatten keinen Raum in der Herberge.
8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde,
die hüteten des Nachts ihre Herde.
9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die
Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie, und sie
fürchteten sich sehr.
10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht!
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist
Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in
Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
13 Und alsbald war bei dem Engel die Menge der himmlischen
Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den
Menschen seines Wohlgefallens.
15 Und es geschah, als die Engel von ihnen gen Himmel
fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem
und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
16 Und sie kamen eilend und fanden Maria und Josef, dazu
das Kind in der Krippe liegen.
17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort
aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt worden war.
18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was
die Hirten ihnen gesagt hatten.
19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in
ihrem Herzen.
20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten
Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt
war.
21 Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden
musste, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er
im Mutterleibe empfangen war.
22 Und als die Tage
ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn hinauf nach
Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen,
23 wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn: Alles
Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt
heißen,
24 und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im
Gesetz des Herrn: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
25 Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon;
und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost
Israels, und der Heilige Geist war auf ihm.
26 Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er
solle den Tod nicht sehen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.
27 Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und
als die Eltern das Kind Jesus hineinbrachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch
ist nach dem Gesetz,
28 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:
29 Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie
du gesagt hast; 30 denn meine Augen haben dein Heil gesehen,
31 das du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker,
32 ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis
deines Volkes Israel.
33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das,
was von ihm gesagt wurde.
34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner
Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in
Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird
35 und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen –,
damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden.
36 Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, aus dem Stamm Asser; sie war hochbetagt und hatte
nach ihrer Jungfrauschaft sieben Jahre mit ihrem Manne gelebt
37 und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren, die
wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.
38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott
und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des
Herrn, kehrten sie zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth.
40 Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit,
und Gottes Gnade war auf ihm.
41 Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum
Passafest.
42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach
dem Brauch des Festes.
43 Und als die Tage vorüber waren und sie wieder
heimkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten es
nicht.
44 Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen
eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten.
45 Und da sie ihn nicht fanden, kehrten sie wieder um nach
Jerusalem und suchten ihn.
46 Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im
Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte.
47 Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über
seinen Verstand und seine Antworten.
48 Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich, und seine
Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater
und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.
49 Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht?
Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?
50 Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen
sagte.
51 Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und
war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.
52 Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott
und den Menschen.
Kapitel 3
1 Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius,
als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war und Herodes Tetrarch von Galiläa,
sein Bruder Philippus aber Tetrarch von Ituräa und
der Landschaft Trachonitis, und Lysanias Tetrarch von Abilene,
2 unter dem Hohenpriester Hannas und Kajaphas,
geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.
3 Und er kam in die ganze Umgegend des Jordan und predigte
die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden,
4 wie geschrieben steht im Buch der Worte des Propheten
Jesaja: Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht
seine Pfade eben!
5 Jedes Tal soll gefüllt werden, und jeder Berg und Hügel
soll erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und die rauen
Wege sollen zu ebenen werden.
6 Und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.
7 Er sprach nun zu den Volksmengen, die hinauszogen, um
sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch gezeigt, dem
kommenden Zorn zu entfliehen?
8 Bringt nun Früchte, die der Buße würdig sind, und fangt
nicht an, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage
euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken.
9 Schon liegt aber auch die Axt an der Wurzel der Bäume;
jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer
geworfen.
10 Und die Volksmengen fragten ihn und sprachen: Was sollen
wir denn tun?
11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Gewänder
hat, gebe dem ab, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso.
12 Es kamen aber auch Zöllner, um sich taufen zu lassen,
und sprachen zu ihm: Lehrer, was sollen wir tun?
13 Er aber sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch
verordnet ist.
14 Es fragten ihn aber auch Soldaten und sprachen: Was
sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt an und
erpresst niemanden, und begnügt euch mit eurem Sold.
15 Als aber das Volk in Erwartung war und alle in ihren
Herzen über Johannes nachdachten, ob er nicht vielleicht der Christus sei,
16 antwortete Johannes allen und sprach: Ich taufe euch mit
Wasser; es kommt aber der, der stärker ist als ich, dem ich nicht würdig bin,
den Riemen seiner Schuhe zu lösen; der wird euch mit Heiligem Geist und Feuer
taufen.
17 Seine Worfschaufel ist in seiner Hand, um seine Tenne zu
reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er
verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.
18 Mit vielem anderen nun ermahnte er das Volk und
verkündete ihm die frohe Botschaft.
19 Herodes aber, der Tetrarch, der von ihm zurechtgewiesen
wurde wegen Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen aller bösen Taten, die
Herodes getan hatte,
20 fügte zu allem auch noch dies hinzu und schloss Johannes
ins Gefängnis ein.
21 Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und
auch Jesus getauft war und betete, dass sich der Himmel öffnete
22 und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine
Taube auf ihn herabkam, und eine Stimme aus dem Himmel erging: Du bist mein
geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.
23 Und Jesus selbst war, als er begann, etwa dreißig Jahre
alt und war, wie man meinte, ein Sohn Josefs, des Sohnes des Eli,
24 des Mattat, des Levi, des
Melchi, des Jannai, des Josef,
25 des Mattitja, des Amos, des Nahum, des Hesli, des Naggai,
26 des Mahat, des Mattitja, des Semein,
des Josech, des Joda,
27 des Johanan, des Resa, des Serubbabel,
des Schealtiel, des Neri,
28 des Melchi, des Addi, des Kosam, des Elmadam,
des Er,
29 des Joschua, des Eliëser, des
Jorim, des Mattat, des Levi,
30 des Simeon, des Juda, des
Josef, des Jonam, des Eljakim,
31 des Melea, des Menna, des Mattata,
des Natan, des David,
32 des Isai, des Obed, des Boas, des Salmon, des Nachschon,
33 des Amminadab, des Admin, des Arni, des Hezron, des
Perez, des Juda,
34 des Jakob, des Isaak, des Abraham, des Terach, des
Nahor,
35 des Serug, des Regu, des
Peleg, des Eber, des Schelach,
36 des Kenan, des Arpachschad,
des Sem, des Noach, des Lamech,
37 des Metuschelach, des Henoch,
des Jered, des Mahalalel, des Kenan,
38 des Enosch, des Set, des Adam — der von Gott war.
Kapitel 4
1 Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan
zurück und wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt
2 vierzig Tage lang, wobei er vom Teufel versucht wurde.
Und er aß nichts in jenen Tagen, und als sie zu Ende waren, hungerte ihn.
3 Da sprach der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so
sprich zu diesem Stein, dass er Brot werde.
4 Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Der
Mensch lebt nicht vom Brot allein.
5 Und er führte ihn hinauf und zeigte ihm alle Reiche des
Erdkreises in einem Augenblick,
6 und der Teufel sprach zu ihm: Dir will ich all diese
Macht geben und ihre Herrlichkeit; denn mir ist sie übergeben, und ich gebe
sie, wem ich will.
7 Wenn du nun vor mir anbetest, so soll sie ganz dein sein.
8 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es steht
geschrieben: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.
9 Er führte ihn aber nach Jerusalem und stellte ihn auf die
Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich von
hier hinab;
10 denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln
deinetwegen befehlen, dass sie dich bewahren,
11 und: Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du
deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.
12 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.
13 Und als der Teufel alle Versuchung vollendet hatte, wich
er von ihm bis zu gelegener Zeit.
14 Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa
zurück, und die Kunde von ihm ging aus durch die ganze umliegende Gegend.
15 Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von allen
gepriesen.
16 Und er kam nach Nazara, wo er
aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge
und stand auf, um vorzulesen.
17 Und es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht,
und als er das Buch aufrollte, fand er die Stelle, wo geschrieben stand:
18 Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt
hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, den
Gefangenen Freilassung zu verkündigen und den Blinden das Augenlicht, die
Zerschlagenen in Freiheit zu entlassen,
19 zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn.
20 Und er rollte das Buch zusammen, gab es dem Diener
zurück und setzte sich; und aller Augen in der Synagoge waren gespannt auf ihn
gerichtet.
21 Er begann aber zu ihnen zu sprechen: Heute ist diese
Schrift erfüllt vor euren Ohren.
22 Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die
Worte der Gnade, die aus seinem Munde hervorgingen, und sprachen: Ist dieser
nicht Josefs Sohn?
23 Und er sprach zu ihnen: Gewiss werdet ihr mir dieses
Sprichwort sagen: Arzt, heile dich selbst! Was wir gehört haben, dass in
Kafarnaum geschehen ist, das tue auch hier in deiner Vaterstadt.
24 Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch: Kein Prophet
ist willkommen in seiner Vaterstadt.
25 In Wahrheit aber sage ich euch: Viele Witwen waren in
den Tagen des Elija in Israel, als der Himmel verschlossen war drei Jahre und
sechs Monate, sodass eine große Hungersnot über das ganze Land kam,
26 und zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt außer nach
Sarepta im Gebiet von Sidon zu einer Witwe.
27 Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des
Propheten Elischa, und keiner von ihnen wurde gereinigt außer Naaman, der
Syrer.
28 Und alle in der Synagoge wurden von Zorn erfüllt, als
sie das hörten,
29 und sie standen auf, trieben ihn zur Stadt hinaus und
führten ihn bis an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn
hinabzustürzen.
30 Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging
seines Weges. 31Und er kam hinab nach Kafarnaum, einer Stadt in Galiläa. Und er
lehrte sie an den Sabbaten;
32 und sie waren betroffen über seine Lehre, denn sein Wort
geschah mit Vollmacht.
33 Und in der Synagoge war ein Mensch, der den Geist eines
unreinen Dämons hatte, und er schrie mit lauter Stimme:
34 Ha, was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von
Nazaret? Bist du gekommen, uns zu verderben? Ich weiß, wer du bist: der Heilige
Gottes.
35 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre
aus von ihm! Und der Dämon warf ihn in die Mitte und fuhr von ihm aus, ohne ihm
zu schaden.
36 Und Entsetzen kam über alle, und sie redeten miteinander
und sprachen: Was ist das für ein Wort, dass er mit Vollmacht und Kraft den
unreinen Geistern gebietet und sie ausfahren?
37 Und die Kunde von ihm ging aus an jeden Ort der
umliegenden Gegend.
38 Er stand aber auf, verließ die Synagoge und ging in das
Haus des Simon. Die Schwiegermutter des Simon aber lag an einem hohen Fieber
darnieder, und sie baten ihn für sie.
39 Und er trat zu ihr, beugte sich über sie, bedrohte das
Fieber, und es verließ sie; sogleich aber stand sie auf und diente ihnen.
40 Als aber die Sonne unterging, brachten alle, die Kranke
mit mancherlei Gebrechen hatten, sie zu ihm; er aber legte einem jeden von
ihnen die Hände auf und heilte sie.
41 Es fuhren aber auch Dämonen von vielen aus, die schrien
und sprachen: Du bist der Sohn Gottes! Und er bedrohte sie und ließ sie nicht
reden, weil sie wussten, dass er der Christus war.
42 Als es aber Tag geworden war, ging er hinaus und begab
sich an einen einsamen Ort; und die Volksmengen suchten ihn und kamen bis zu
ihm und hielten ihn fest, dass er nicht von ihnen fortgehe.
43 Er aber sprach zu ihnen: Ich muss auch den anderen
Städten die frohe Botschaft vom Reiche Gottes verkünden; denn dazu bin ich
gesandt.
44 Und er predigte in den Synagogen Judäas.
Kapitel 5
1 Es geschah aber, als die Volksmenge sich zu ihm drängte
und das Wort Gottes hörte, dass er am See Gennesaret stand,
2 und er sah zwei Boote am See liegen; die Fischer aber
waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen die Netze.
3 Er stieg in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat
ihn, ein wenig vom Land abzustoßen; dann setzte er sich und lehrte die
Volksmengen vom Boot aus.
4 Als er aber aufgehört hatte zu reden, sagte er zu Simon:
Fahre hinaus auf die Tiefe, und lasst eure Netze zum Fang hinab!
5 Und Simon antwortete und sagte: Meister, die ganze Nacht
hindurch haben wir uns abgemüht und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin
will ich die Netze hinablassen.
6 Und als sie das getan hatten, umschlossen sie eine große
Menge Fische; ihre Netze aber begannen zu reißen.
7 Und sie winkten ihren Gefährten im anderen Boot, sie
sollten kommen und ihnen helfen; und sie kamen und füllten beide Boote, sodass
sie zu sinken drohten.
8 Als Simon Petrus das sah, fiel er zu den Knien Jesu
nieder und sagte: Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr!
9 Denn Schrecken hatte ihn ergriffen und alle, die bei ihm
waren, über den Fang der Fische, die sie gefangen hatten,
10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des
Zebedäus, die Gefährten Simons waren. Und Jesus sagte zu Simon: Fürchte dich
nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
11 Und sie zogen die Boote an Land, verließen alles und
folgten ihm nach.
12 Und es geschah, als er in einer der Städte war, siehe,
da war ein Mann voller Aussatz; als er Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht
und bat ihn: Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen.
13 Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sagte:
Ich will, sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm.
14 Und er gebot ihm, es niemandem zu sagen: Sondern geh
hin, zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie es Mose
angeordnet hat, ihnen zum Zeugnis.
15 Aber die Kunde von ihm verbreitete sich umso mehr, und
große Volksmengen kamen zusammen, um zu hören und von ihren Krankheiten geheilt
zu werden.
16 Er selbst aber zog sich in die Einöden zurück und
betete.
17 Und es geschah an einem der Tage, dass er lehrte, und es
saßen dort Pharisäer und Gesetzeslehrer, die aus jedem Dorf Galiläas und Judäas
und aus Jerusalem gekommen waren; und die Kraft des Herrn war da, dass er
heilte.
18 Und siehe, Männer brachten auf einem Bett einen
Menschen, der gelähmt war, und sie suchten, ihn hineinzubringen und vor ihn
hinzulegen.
19 Und da sie wegen der Volksmenge keinen Weg fanden, ihn
hineinzubringen, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel mit
dem Bett mitten unter sie vor Jesus hinab.
20 Und als er ihren Glauben sah, sagte er: Mensch, deine
Sünden sind dir vergeben.
21 Und die Schriftgelehrten und die Pharisäer begannen zu
überlegen und sagten: Wer ist dieser, der Lästerungen redet? Wer kann Sünden
vergeben außer Gott allein?
22 Jesus aber erkannte ihre Gedanken, antwortete und sagte
zu ihnen: Was überlegt ihr in euren Herzen?
23 Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir
vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher?
24 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht
hat, auf Erden Sünden zu vergeben, sagte er zu dem Gelähmten: Ich sage dir,
steh auf, nimm dein Bett und geh in dein Haus!
25 Und sogleich stand er vor ihnen auf, nahm das, worauf er
gelegen hatte, und ging in sein Haus, indem er Gott pries.
26 Und Entsetzen ergriff alle, und sie priesen Gott und
wurden voll Furcht und sagten: Wir haben heute Unglaubliches gesehen.
27 Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner namens
Levi an der Zollstätte sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach!
28 Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach.
29 Und Levi machte ihm ein großes Gastmahl in seinem Haus,
und es war eine große Menge von Zöllnern und anderen, die mit ihnen zu Tisch
lagen.
30 Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten
gegen seine Jünger und sagten: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und
Sündern?
31 Und Jesus antwortete und sagte zu ihnen: Nicht die
Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.
32 Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern
Sünder zur Umkehr.
33 Sie aber sagten zu ihm: Die Jünger des Johannes fasten
oft und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer; die deinen aber essen
und trinken.
34 Jesus aber sagte zu ihnen: Könnt ihr etwa die
Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?
35 Es werden aber Tage kommen, und wenn der Bräutigam von
ihnen genommen wird, dann werden sie fasten, in jenen Tagen.
36 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Niemand reißt
einen Flicken von einem neuen Gewand und setzt ihn auf ein altes Gewand; sonst
zerreißt er das neue, und zum alten passt der Flicken vom neuen nicht.
37 Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst
wird der neue Wein die Schläuche zerreißen und selbst auslaufen, und die Schläuche
werden verderben.
38 Sondern neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen.
39 Und niemand, der alten getrunken hat, will neuen; denn
er sagt: Der alte ist gut.
Kapitel 6
1 Es geschah aber an einem Sabbat, dass er durch die
Saatfelder ging, und seine Jünger rissen Ähren ab, zerrieben sie mit den Händen
und aßen sie.
2 Einige der Pharisäer aber sagten: Warum tut ihr, was am
Sabbat nicht erlaubt ist?
3 Und Jesus antwortete ihnen und sprach: Habt ihr nicht
einmal das gelesen, was David tat, als ihn und die, die bei ihm waren,
hungerte,
4 wie er in das Haus Gottes hineinging und die Schaubrote
nahm, aß und denen gab, die bei ihm waren – die doch niemand essen darf außer
allein die Priester?
5 Und er sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist Herr über
den Sabbat.
6 Es geschah aber an einem anderen Sabbat, dass er in die
Synagoge ging und lehrte. Und dort war ein Mensch, dessen rechte Hand verdorrt
war.
7 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber beobachteten
ihn, ob er am Sabbat heilen würde, damit sie einen Grund fänden, ihn
anzuklagen.
8 Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu dem Mann mit
der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte! Und er stand auf und
stellte sich hin.
9 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich frage euch: Ist es
erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, ein Leben zu retten oder zu
vernichten?
10 Und er blickte sie alle ringsum an und sprach zu ihm:
Strecke deine Hand aus! Er tat es, und seine Hand wurde wiederhergestellt.
11 Sie aber wurden von Unverstand erfüllt und besprachen
miteinander, was sie mit Jesus tun sollten.
12 Es geschah aber in diesen Tagen, dass er auf den Berg
hinausging, um zu beten, und er verbrachte die Nacht im Gebet zu Gott.
13 Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger herbei und
erwählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte:
14 Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen
Bruder, und Jakobus und Johannes und Philippus und Bartholomäus
15 und Matthäus und Thomas und Jakobus, den Sohn des
Alphäus, und Simon, der Zelot genannt wird,
16 und Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der
zum Verräter wurde.
17 Und er stieg mit ihnen hinab und stellte sich auf einen
ebenen Platz, und eine große Schar seiner Jünger und eine große Menge des
Volkes aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon,
18 die gekommen waren, ihn zu hören und von ihren
Krankheiten geheilt zu werden; und die von unreinen Geistern Geplagten wurden
geheilt,
19 und die ganze Menge suchte ihn zu berühren, denn Kraft
ging von ihm aus und heilte alle.
20 Und er hob seine Augen auf zu seinen Jüngern und sprach:
Selig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes.
21 Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt
werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
22 Selig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen und wenn
sie euch ausschließen und schmähen und euren Namen als böse verwerfen um des
Menschensohnes willen.
23 Freut euch an jenem Tag und hüpft, denn siehe, euer Lohn
ist groß im Himmel; denn ebenso taten ihre Väter den Propheten.
24 Doch wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt euren Trost
schon empfangen.
25 Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet
hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen.
26 Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden; denn ebenso
taten ihre Väter den falschen Propheten.
27 Aber euch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde,
tut Gutes denen, die euch hassen,
28 segnet, die euch verfluchen, betet für die, die euch
misshandeln.
29 Dem, der dich auf die Wange schlägt, halte auch die
andere hin, und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Untergewand
nicht.
30 Jedem, der dich bittet, gib, und von dem, der das Deine
nimmt, fordere es nicht zurück.
31 Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, so tut
auch ihr ihnen.
32 Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, welcher Dank
gebührt euch? Denn auch die Sünder lieben die, die sie lieben.
33 Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun,
welcher Dank gebührt euch? Auch die Sünder tun dasselbe.
34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr zu empfangen
hofft, welcher Dank gebührt euch? Auch Sünder leihen Sündern, damit sie das
Gleiche zurückerhalten.
35 Vielmehr: Liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht,
ohne etwas zurückzuerhoffen; und euer Lohn wird groß
sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die
Undankbaren und Bösen.
36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
37 Und richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet werden;
und verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt werden. Vergebt, so wird
euch vergeben werden;
38 gebt, so wird euch gegeben werden: ein gutes,
gedrücktes, gerütteltes, überfließendes Maß wird man euch in den Schoß geben;
denn mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden.
39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann etwa ein
Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in die Grube fallen?
40 Ein Jünger steht nicht über dem Lehrer; wenn er aber
vollendet ist, wird jeder wie sein Lehrer sein.
41 Warum aber siehst du den Splitter im Auge deines
Bruders, den Balken in deinem eigenen Auge aber bemerkst du nicht?
42 Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich
den Splitter aus deinem Auge ziehen, während du selbst den Balken in deinem
Auge nicht siehst? Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann
wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.
43 Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt,
noch wiederum einen faulen Baum, der gute Frucht bringt.
44 Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt;
denn von Dornen sammelt man keine Feigen, noch liest man von einem Dornbusch
Trauben.
45 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines
Herzens das Gute hervor, und der böse aus dem bösen das Böse; denn wovon das
Herz überfließt, davon redet sein Mund.
46 Was nennt ihr mich aber: Herr, Herr, und tut nicht, was
ich sage?
47 Jeder, der zu mir kommt und meine Worte hört und sie tut
– ich werde euch zeigen, wem er gleicht:
48 Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute, der grub
und tief aushob und das Fundament auf den Felsen legte; als aber eine
Überschwemmung kam, prallte der Strom an jenes Haus, und er vermochte es nicht
zu erschüttern, weil es gut gebaut war.
49 Wer aber hört und nicht tut, gleicht einem Menschen, der
ein Haus auf die Erde baute ohne Fundament; an das prallte der Strom, und
sogleich stürzte es zusammen, und der Einsturz jenes Hauses war groß.
Kapitel 7
1 Nachdem er alle seine Worte vor den Ohren des Volkes
vollendet hatte, ging er nach Kapernaum hinein.
2 Der Knecht eines Hauptmanns aber, der ihm wert war, lag
krank darnieder und war am Sterben.
3 Da er von Jesus hörte, sandte er Älteste der Juden zu ihm
und bat ihn, er möge kommen und seinen Knecht retten.
4 Als sie zu Jesus kamen, baten sie ihn inständig und
sprachen: Er ist es wert, dass du ihm dies gewährst;
5 denn er liebt unser Volk, und die Synagoge hat er uns
selbst erbaut.
6 Jesus aber ging mit ihnen. Als er aber nicht mehr weit
vom Hause entfernt war, sandte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr,
bemühe dich nicht, denn ich bin nicht würdig, dass du unter mein Dach eingehst;
7 darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig
gehalten, zu dir zu kommen; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht
gesund.
8 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und
habe Soldaten unter mir, und ich sage zu diesem: Geh hin, und er geht; und zu
einem anderen: Komm, und er kommt; und zu meinem Knecht: Tu dies, und er tut
es.
9 Als Jesus dies hörte, verwunderte er sich über ihn,
wandte sich um und sprach zu der Menge, die ihm folgte: Ich sage euch, nicht
einmal in Israel habe ich solchen Glauben gefunden.
10 Und als die Gesandten in das Haus zurückkehrten, fanden
sie den Knecht gesund.
11 Und es geschah danach, dass er in eine Stadt namens Nain
ging, und seine Jünger und eine große Menge gingen mit ihm.
12 Als er sich aber dem Stadttor näherte, siehe, da wurde
ein Toter herausgetragen, der einzige Sohn seiner Mutter, und sie war eine
Witwe; und eine ansehnliche Menge aus der Stadt war bei ihr.
13 Und als der Herr sie sah, erbarmte er sich über sie und
sprach zu ihr: Weine nicht.
14 Und er trat hinzu und berührte den Sarg; die Träger aber
blieben stehen, und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf!
15 Und der Tote setzte sich auf und begann zu reden, und er
gab ihn seiner Mutter.
16 Da ergriff Furcht alle, und sie priesen Gott und
sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns erstanden, und: Gott hat sein Volk
heimgesucht.
17 Und diese Rede über ihn verbreitete sich in ganz Judäa
und in der ganzen Umgegend.
18 Und dem Johannes berichteten seine Jünger von all
diesem. Und Johannes rief zwei seiner Jünger zu sich
19 und sandte sie zum Herrn und ließ sagen: Bist du der,
der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?
20 Als aber die Männer zu ihm kamen, sprachen sie: Johannes
der Täufer hat uns zu dir gesandt und lässt sagen: Bist du der, der da kommen
soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?
21 In jener Stunde heilte er viele von Krankheiten und
Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht.
22 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und
verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme
gehen, Aussätzige werden rein, und Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen
wird das Evangelium verkündet;
23 und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.
24 Als aber die Boten des Johannes weggegangen waren,
begann er zu den Volksmengen über Johannes zu reden: Was seid ihr
hinausgegangen in die Wüste zu schauen? Ein Rohr, das vom Wind bewegt wird?
25 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen
Menschen in weiche Kleider gehüllt? Siehe, die in prächtiger Kleidung und
Üppigkeit leben, sind an den Höfen der Könige.
26 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen
Propheten? Ja, ich sage euch, mehr als einen Propheten.
27 Dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich
sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten
wird.
28 Ich sage euch: Unter den von Frauen Geborenen ist keiner
größer als Johannes; der Kleinste aber im Reiche Gottes ist größer als er.
29 Und das ganze Volk, das ihn hörte, und die Zöllner gaben
Gott recht, indem sie sich mit der Taufe des Johannes taufen ließen;
30 die Pharisäer aber und die Gesetzeskundigen verwarfen
den Ratschluss Gottes für sich selbst und ließen sich nicht von ihm taufen.
31 Wem soll ich nun die Menschen dieses Geschlechts
vergleichen, und wem sind sie gleich?
32 Sie sind Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und
einander zurufen: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir
haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint.
33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen, der kein Brot
isst und keinen Wein trinkt, und ihr sagt: Er hat einen Dämon.
34 Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt, und ihr
sagt: Siehe, ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder.
35 Und die Weisheit ist gerechtfertigt worden von allen
ihren Kindern.
36 Es bat ihn aber einer der Pharisäer, mit ihm zu essen,
und er ging in das Haus des Pharisäers und legte sich zu Tisch.
37 Und siehe, eine Frau, die in der Stadt eine Sünderin
war, erfuhr, dass er im Hause des Pharisäers zu Tisch lag, brachte ein
Alabastergefäß mit Salböl
38 und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und begann,
seine Füße mit ihren Tränen zu benetzen, und trocknete sie mit den Haaren ihres
Hauptes und küsste seine Füße und salbte sie mit dem Salböl.
39 Als aber der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das
sah, sprach er bei sich selbst: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer
und was für eine Frau das ist, die ihn berührt, denn sie ist eine Sünderin.
40 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe
dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sprich.
41 Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner; der eine schuldete
fünfhundert Denare, der andere fünfzig.
42 Da sie nicht bezahlen konnten, erließ er es beiden.
Welcher von ihnen nun wird ihn mehr lieben?
43 Simon antwortete und sprach: Ich vermute, der, dem er
das meiste erlassen hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt.
44 Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon:
Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser
für die Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit
ihren Haaren getrocknet.
45 Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit
ich hereingekommen bin, nicht aufgehört, meine Füße zu küssen.
46 Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; diese aber hat
meine Füße mit Salböl gesalbt.
47 Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben,
denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.
48 Er aber sprach zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben.
49 Und die mit zu Tisch lagen, begannen bei sich zu
sprechen: Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt?
50 Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dich
gerettet; geh hin in Frieden.
Kapitel 8
1 Und es geschah danach, dass er durch Städte und Dörfer
zog, predigte und das Reich Gottes verkündigte, und die Zwölf mit ihm,
2 und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten
geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen
ausgefahren waren,
3 und Johanna, die Frau des Chuza, eines Verwalters des
Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen mit ihrer Habe dienten.
4 Als aber eine große Menge zusammenkam und die Leute aus
den Städten zu ihm zogen, sprach er in einem Gleichnis:
5 Der Sämann ging hinaus, seinen Samen zu säen. Und während
er säte, fiel das eine an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel des
Himmels fraßen es auf.
6 Und anderes fiel auf den Felsen, und als es aufging,
verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.
7 Und anderes fiel mitten unter die Dornen, und die Dornen
wuchsen mit auf und erstickten es.
8 Und anderes fiel auf das gute Land und ging auf und
brachte hundertfältige Frucht. Als er dies sagte, rief er: Wer Ohren hat zu
hören, der höre.
9 Seine Jünger aber fragten ihn, was dieses Gleichnis
bedeute.
10 Er aber sprach: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des
Reiches Gottes zu erkennen, den übrigen aber in Gleichnissen, damit sie sehend
nicht sehen und hörend nicht verstehen.
11 Dies aber ist das Gleichnis: Der Same ist das Wort
Gottes.
12 Die aber am Weg sind die, die es hören; danach kommt der
Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und
gerettet werden.
13 Die aber auf dem Felsen sind die, die das Wort, wenn sie
es hören, mit Freuden aufnehmen; und diese haben keine Wurzel, sie glauben eine
Zeit lang und fallen zur Zeit der Versuchung ab.
14 Was aber unter die Dornen fiel: das sind die, die hören
und hingehen und von Sorgen, Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt
werden und keine Frucht zur Reife bringen.
15 Was aber auf dem guten Land ist: das sind die, die das
Wort mit einem feinen und guten Herzen hören, es festhalten und Frucht bringen
in Geduld.
16 Niemand aber zündet eine Leuchte an und bedeckt sie mit
einem Gefäß oder stellt sie unter ein Bett, sondern er stellt sie auf einen
Leuchter, damit die Hereinkommenden das Licht sehen.
17 Denn es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werden
wird, noch geheim, das nicht bekannt werden und an den Tag kommen wird.
18 Seht also zu, wie ihr hört; denn wer hat, dem wird
gegeben werden; und wer nicht hat, dem wird auch das genommen werden, was er zu
haben meint.
19 Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm, und
sie konnten wegen der Menge nicht zu ihm gelangen.
20 Es wurde ihm aber gemeldet: Deine Mutter und deine
Brüder stehen draußen und wollen dich sehen.
21 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und
meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und tun.
22 Es geschah aber an einem der Tage, dass er in ein Boot
stieg, und seine Jünger, und er sprach zu ihnen: Lasst uns ans andere Ufer des
Sees hinüberfahren. Und sie fuhren ab.
23 Während sie aber fuhren, schlief er ein. Und ein
Sturmwind fuhr auf den See herab, und sie liefen voll Wasser und waren in
Gefahr.
24 Sie traten aber hinzu, weckten ihn auf und sprachen:
Meister, Meister, wir gehen zugrunde! Er aber stand auf und bedrohte den Wind
und die Wogen des Wassers; und sie legten sich, und es wurde still.
25 Er sprach aber zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie aber
fürchteten sich, verwunderten sich und sprachen zueinander: Wer ist denn
dieser, dass er auch den Winden und dem Wasser gebietet, und sie gehorchen ihm?
26 Und sie fuhren hin in das Gebiet der Gerasener,
das Galiläa gegenüberliegt.
27 Als er aber ans Land stieg, kam ihm ein Mann aus der
Stadt entgegen, der Dämonen hatte und seit geraumer Zeit kein Gewand angelegt
hatte und nicht in einem Haus blieb, sondern in den Grabstätten.
28 Als er aber Jesus sah, schrie er auf, fiel vor ihm
nieder und sprach mit lauter Stimme: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus,
Sohn Gottes, des Höchsten? Ich bitte dich, quäle mich nicht!
29 Denn er hatte dem unreinen Geist geboten, aus dem
Menschen auszufahren. Denn viele Male hatte er ihn ergriffen, und man band ihn
mit Ketten und Fußfesseln und bewachte ihn; und er zerriss die Fesseln und
wurde von dem Dämon in die Einöden getrieben.
30 Jesus aber fragte ihn: Wie ist dein Name? Er aber
sprach: Legion; denn viele Dämonen waren in ihn gefahren.
31 Und sie baten ihn, dass er ihnen nicht befehle, in den
Abgrund zu fahren.
32 Es war aber dort eine große Herde Schweine, die am Berg
weidete; und sie baten ihn, dass er ihnen erlaube, in jene zu fahren. Und er
erlaubte es ihnen.
33 Die Dämonen aber fuhren aus dem Menschen aus und fuhren
in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See und
ertrank.
34 Als aber die Hirten das Geschehene sahen, flohen sie und
meldeten es in der Stadt und auf dem Land.
35 Da gingen sie hinaus, das Geschehene zu sehen, und kamen
zu Jesus und fanden den Menschen, von dem die Dämonen ausgefahren waren,
bekleidet und vernünftig zu Füßen Jesu sitzend; und sie fürchteten sich.
36 Die es gesehen hatten, berichteten ihnen aber, wie der
Besessene gerettet worden war.
37 Und die ganze Menge aus der Umgegend der Gerasener bat ihn, von ihnen wegzugehen; denn große Furcht
hatte sie ergriffen. Er aber stieg in ein Boot und kehrte zurück.
38 Der Mann aber, von dem die Dämonen ausgefahren waren,
bat ihn, bei ihm bleiben zu dürfen; er aber entließ ihn und sprach:
39 Kehre zurück in dein Haus und erzähle, was Gott an dir
getan hat. Und er ging hin und verkündete in der ganzen Stadt, was Jesus an ihm
getan hatte.
40 Als aber Jesus zurückkehrte, nahm ihn die Menge auf;
denn alle warteten auf ihn.
41 Und siehe, es kam ein Mann mit Namen Jairus, und dieser
war ein Vorsteher der Synagoge; und er fiel Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein
Haus zu kommen,
42 denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf
Jahren, und diese lag im Sterben. Als er aber hinging, drängte ihn die Menge.
43 Und eine Frau, die seit zwölf Jahren den Blutfluss hatte
und die von niemandem geheilt werden konnte,
44 trat von hinten heran und rührte den Saum seines
Gewandes an, und sogleich stand ihr Blutfluss still.
45 Und Jesus sprach: Wer hat mich angerührt? Als aber alle
es leugneten, sprach Petrus: Meister, die Menge umdrängt und bedrückt dich.
46 Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn
ich habe erkannt, dass Kraft von mir ausgegangen ist.
47 Als aber die Frau sah, dass sie nicht verborgen blieb,
kam sie zitternd, fiel vor ihm nieder und verkündete vor dem ganzen Volk, aus
welchem Grund sie ihn angerührt hatte und wie sie sogleich geheilt worden war.
48 Er aber sprach zu ihr: Tochter, dein Glaube hat dich
gerettet; geh hin in Frieden.
49 Während er noch redete, kam jemand vom
Synagogenvorsteher und sprach: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Lehrer
nicht weiter.
50 Als aber Jesus es hörte, antwortete er ihm: Fürchte dich
nicht, glaube nur, und sie wird gerettet werden.
51 Als er aber in das Haus kam, ließ er niemanden mit sich
hineingehen außer Petrus, Johannes und Jakobus und den Vater des Kindes und die
Mutter.
52 Alle aber weinten und beklagten sie. Er aber sprach:
Weint nicht; denn sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft.
53 Und sie verlachten ihn, da sie wussten, dass sie
gestorben war.
54 Er aber ergriff ihre Hand und rief: Kind, steh auf!
55 Und ihr Geist kehrte zurück, und sie stand sogleich auf;
und er ordnete an, ihr zu essen zu geben.
56 Und ihre Eltern gerieten außer sich; er aber gebot
ihnen, niemandem das Geschehene zu sagen.
Kapitel 9
1 Er rief aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Kraft und
Vollmacht über alle Dämonen und Krankheiten zu heilen,
2 und er sandte sie aus, das Reich Gottes zu verkündigen
und zu heilen,
3 und er sprach zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg,
weder Stab noch Tasche noch Brot noch Geld, auch sollt ihr nicht zwei Gewänder
haben.
4 Und in welches Haus ihr eintretet, dort bleibt, und von
dort zieht weiter.
5 Und wo immer man euch nicht aufnimmt, geht fort aus jener
Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen zum Zeugnis gegen sie.
6 Sie zogen aber aus und gingen von Dorf zu Dorf,
verkündigten das Evangelium und heilten überall.
7 Herodes aber, der Tetrarch, hörte alles, was geschah, und
war ratlos, weil von einigen gesagt wurde, Johannes sei von den Toten
auferweckt worden,
8 von einigen aber, Elija sei erschienen, von anderen,
einer der alten Propheten sei auferstanden.
9 Herodes aber sprach: Johannes habe ich enthaupten lassen;
wer aber ist dieser, über den ich solches höre? Und er suchte ihn zu sehen.
10 Und die Apostel kehrten zurück und erzählten ihm, was
sie getan hatten. Und er nahm sie mit sich und zog sich für sich allein zurück
in eine Stadt namens Betsaida.
11 Die Volksmengen aber erfuhren es und folgten ihm; und er
nahm sie auf und redete zu ihnen vom Reich Gottes, und die der Heilung
bedurften, machte er gesund.
12 Der Tag aber begann sich zu neigen; da traten die Zwölf
herzu und sprachen zu ihm: Entlass die Menge, damit sie in die umliegenden
Dörfer und Höfe gehen, dort einkehren und Verpflegung finden; denn wir sind
hier an einem einsamen Ort.
13 Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie
aber sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn,
wir gehen hin und kaufen Speise für dieses ganze Volk.
14 Es waren nämlich etwa fünftausend Männer. Er sprach aber
zu seinen Jüngern: Lasst sie sich in Gruppen zu je fünfzig lagern.
15 Und sie taten so und ließen alle sich lagern.
16 Er nahm aber die fünf Brote und die zwei Fische, blickte
auf zum Himmel, segnete sie, brach sie und gab sie den Jüngern, um sie der
Menge vorzulegen.
17 Und alle aßen und wurden satt, und es wurden aufgehoben,
was ihnen an Brocken übrig blieb, zwölf Körbe.
18 Und es geschah, als er für sich allein betete, waren die
Jünger bei ihm, und er fragte sie: Für wen halten mich die Volksmengen?
19 Sie aber antworteten und sprachen: Für Johannes den
Täufer, andere aber für Elija, andere aber, einer der alten Propheten sei
auferstanden.
20 Er aber sprach zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr
mich? Petrus aber antwortete und sprach: Für den Gesalbten Gottes.
21 Er aber gebot ihnen streng, dies niemandem zu sagen,
22 und sprach: Der Menschensohn muss vieles leiden und von
den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet
werden und am dritten Tag auferstehen.
23 Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachfolgen
will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge
mir.
24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer
aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten.
25 Denn was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt
gewinnt, sich selbst aber verliert oder Schaden nimmt?
26 Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen
wird sich der Menschensohn schämen, wenn er kommt in seiner Herrlichkeit und
der des Vaters und der heiligen Engel.
27 Ich sage euch aber wahrhaftig: Es sind einige von denen,
die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes
sehen.
28 Es geschah aber nach diesen Worten, etwa acht Tage
danach, [und] er nahm Petrus und Johannes und Jakobus mit und stieg auf den
Berg, um zu beten.
29 Und es geschah, während er betete, wurde das Aussehen
seines Angesichts anders und sein Gewand strahlend weiß.
30 Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm; es waren Mose
und Elija,
31 die in Herrlichkeit erschienen und von seinem Ausgang
sprachen, den er in Jerusalem vollenden sollte.
32 Petrus aber und die mit ihm waren vom Schlaf beschwert;
als sie aber aufwachten, sahen sie seine Herrlichkeit und die zwei Männer, die
bei ihm standen.
33 Und es geschah, als diese sich von ihm trennten, sprach
Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind; lass uns drei Hütten
bauen, eine für dich und eine für Mose und eine für Elija und wusste nicht, was
er sagte.
34 Während er aber dies sagte, kam eine Wolke und
überschattete sie; sie fürchteten sich aber, als sie in die Wolke
hineingerieten.
35 Und eine Stimme erscholl aus der Wolke, die sprach: Dies
ist mein auserwählter Sohn; auf ihn hört!
36 Und als die Stimme erschollen war, fand sich Jesus
allein. Und sie schwiegen und berichteten in jenen Tagen niemandem etwas von
dem, was sie gesehen hatten.
37 Es geschah aber am folgenden Tag, als sie vom Berg
herabgestiegen waren, kam ihm eine große Menge entgegen.
38 Und siehe, ein Mann aus der Menge rief: Meister, ich
bitte dich, sieh auf meinen Sohn, denn er ist mein einziger,
39 und siehe, ein Geist ergreift ihn, und er schreit
plötzlich, und er zerrt ihn hin und her, dass er schäumt, und kaum weicht er
von ihm und reibt ihn dabei auf;
40 und ich habe deine Jünger gebeten, ihn auszutreiben, und
sie konnten es nicht.
41 Jesus aber antwortete und sprach: O ungläubiges und
verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein und euch ertragen?
Bring deinen Sohn her!
42 Noch während er herankam, riss ihn der Dämon zu Boden
und zerrte ihn hin und her; Jesus aber bedrohte den unreinen Geist und heilte
den Knaben und gab ihn seinem Vater zurück.
43 Alle aber gerieten außer sich über die Größe Gottes.
Während sich aber alle über alles wunderten, was er tat, sprach er zu seinen
Jüngern:
44 Nehmt ihr diese Worte in eure Ohren: Der Menschensohn
wird in die Hände der Menschen überliefert werden.
45 Sie aber verstanden dieses Wort nicht, und es war vor
ihnen verhüllt, damit sie es nicht begriffen, und sie fürchteten sich, ihn über
dieses Wort zu fragen.
46 Es kam aber unter ihnen der Gedanke auf, wer wohl der
Größte von ihnen sei.
47 Jesus aber, der den Gedanken ihres Herzens kannte, nahm
ein Kind und stellte es neben sich
48 und sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnimmt in meinem
Namen, nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt
hat; denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.
49 Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen
einen, der in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir wehrten ihm, weil er nicht
mit uns nachfolgt.
50 Jesus aber sprach zu ihm: Wehrt nicht! Denn wer nicht
gegen euch ist, der ist für euch.
51 Es geschah aber, als sich die Tage seiner Aufnahme
erfüllten, da richtete er sein Angesicht fest darauf, nach Jerusalem zu ziehen.
52 Und er sandte Boten vor sich her. Und sie gingen und
kamen in ein Dorf der Samariter, um ihm Herberge zu bereiten;
53 und sie nahmen ihn nicht auf, weil sein Angesicht nach
Jerusalem gerichtet war.
54 Als aber die Jünger Jakobus und Johannes das sahen,
sprachen sie: Herr, willst du, dass wir sagen, Feuer solle vom Himmel fallen
und sie verzehren?
55 Er aber wandte sich um und wies sie zurecht.
56 Und sie zogen in ein anderes Dorf.
57 Und als sie auf dem Weg dahinzogen, sprach einer zu ihm:
Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die
Vögel des Himmels Nester, der Menschensohn aber hat nicht, wo er sein Haupt
hinlegen kann.
59 Er sprach aber zu einem anderen: Folge mir! Der aber
sprach: Erlaube mir, zuerst hinzugehen
und meinen Vater zu begraben.
60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten
begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes.
61 Es sprach aber auch ein anderer: Ich will dir folgen,
Herr; zuerst aber erlaube mir, von denen in meinem Hause Abschied zu nehmen.
62 Jesus aber sprach: Niemand, der seine Hand an den Pflug
legt und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes.
Kapitel 10
1 Danach bestimmte der Herr zweiundsiebzig andere und
sandte sie je zu zweien vor sich her in jede Stadt und jeden Ort, wohin er
selbst kommen wollte.
2 Er sprach aber zu ihnen: Die Ernte ist groß, die Arbeiter
aber sind wenige; bittet daher den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine
Ernte aussende.
3 Geht hin; siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter
Wölfe.
4 Tragt keinen Geldbeutel, keine Tasche, keine Schuhe, und
grüßt niemanden auf dem Weg.
5 In welches Haus ihr aber eintretet, sagt zuerst: Friede
diesem Hause!
6 Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, wird euer Friede
auf ihm ruhen; wenn aber nicht, wird er zu euch zurückkehren.
7 Bleibt aber in demselben Haus, esst und trinkt, was sie
haben; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Zieht nicht von Haus zu Haus.
8 Und in welche Stadt ihr kommt und man euch aufnimmt,
esst, was euch vorgesetzt wird,
9 und heilt die Kranken darin und sagt ihnen: Das Reich
Gottes ist zu euch nahe gekommen.
10 In welche Stadt ihr aber kommt und man euch nicht
aufnimmt, geht hinaus auf ihre Straßen und sprecht:
11 Auch den Staub, der sich aus eurer Stadt an unsere Füße
geheftet hat, wischen wir euch ab; doch dies sollt ihr wissen: Das Reich Gottes
ist nahe gekommen.
12 Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tage erträglicher
ergehen als jener Stadt.
13 Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Betsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Machttaten geschehen wären, die bei
euch geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche sitzend Buße getan.
14 Doch Tyrus und Sidon wird es
im Gericht erträglicher ergehen als euch.
15 Und du, Kafarnaum, wirst du etwa bis zum Himmel erhöht
werden? Bis in den Hades wirst du hinabsteigen.
16 Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verwirft, der
verwirft mich; wer aber mich verwirft, der verwirft den, der mich gesandt hat.
17 Die Zweiundsiebzig aber kehrten mit Freude zurück und
sagten: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen.
18 Er aber sprach zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen
Blitz vom Himmel fallen.
19 Siehe, ich habe euch die Macht gegeben, auf Schlangen
und Skorpione zu treten, und über alle Gewalt des Feindes, und nichts wird euch
schaden.
20 Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister
untertan sind, sondern freut euch, dass eure Namen im Himmel eingeschrieben
sind.
21 In derselben Stunde frohlockte er im Heiligen Geist und
sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor
Weisen und Klugen verborgen und es Unmündigen offenbart hast; ja, Vater, denn
so hat es dir wohlgefallen.
22 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und
niemand erkennt, wer der Sohn ist, außer der Vater, und wer der Vater ist,
außer der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
23 Und er wandte sich zu den Jüngern und sprach zu ihnen
allein: Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht.
24 Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten
sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und hören, was ihr hört, und
haben es nicht gehört.
25 Und siehe, ein Gesetzeslehrer stand auf, versuchte ihn
und sprach: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben?
Wie liest du?
27 Er antwortete und sprach: Du sollst den Herrn, deinen
Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit all
deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand, und deinen Nächsten wie dich
selbst.
28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu
das, und du wirst leben.
29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu
Jesus: Und wer ist mein Nächster?
30 Jesus nahm das Wort auf und sprach: Ein Mensch ging von
Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter Räuber; die zogen ihn aus, schlugen
ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen.
31 Zufällig aber ging ein Priester denselben Weg hinab, und
als er ihn sah, ging er vorüber.
32 Ebenso kam auch ein Levit an die Stelle, sah ihn und
ging vorüber.
33 Ein Samariter aber, der unterwegs war, kam zu ihm, und
als er ihn sah, wurde er von Mitleid ergriffen,
34 trat hinzu, verband seine Wunden und goss Öl und Wein
darauf; dann hob er ihn auf sein eigenes Lasttier, brachte ihn in eine Herberge
und sorgte für ihn.
35 Und am folgenden Tag zog er zwei Denare heraus, gab sie
dem Wirt und sprach: Sorge für ihn, und was du mehr aufwendest, das will ich
dir erstatten, wenn ich zurückkomme.
36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist dem, der unter die
Räuber gefallen war, der Nächste gewesen?
37 Er aber sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm getan hat.
Da sprach Jesus zu ihm: Geh hin und tu desgleichen.
38 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf; eine Frau
aber mit Namen Marta nahm ihn auf.
39 Und diese hatte eine Schwester, die Maria hieß; die
setzte sich zu den Füßen des Herrn und hörte auf sein Wort.
40 Marta aber war ganz in Anspruch genommen von vielem
Dienen; sie trat hinzu und sprach: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine
Schwester mich allein dienen lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll.
41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta,
Marta, du sorgst und mühst dich um vieles;
42 eines aber ist not: Maria hat den guten Teil erwählt,
der ihr nicht genommen werden wird.
Kapitel 11
1 Und es geschah, als er an einem Ort betete und aufgehört
hatte, da sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch
Johannes seine Jünger gelehrt hat.
2 Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:
Vater, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme;
3 unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag;
4 und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben
jedem, der uns schuldig ist; und führe uns nicht in Versuchung.
5 Und er sprach zu ihnen: Wer von euch hat einen Freund und
geht zu ihm um Mitternacht und spricht zu ihm: Freund, leihe mir drei Brote,
6 denn ein Freund von mir ist von der Reise zu mir
gekommen, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen könnte;
7 und jener würde von drinnen antworten und sagen: Mache
mir keine Mühe; die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder sind bei mir
im Bett; ich kann nicht aufstehen und dir geben.
8 Ich sage euch: Wenn er auch nicht aufstehen und ihm geben
wird, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Unverschämtheit
aufstehen und ihm geben, so viel er braucht.
9 Und ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben
werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan
werden.
1 0Denn jeder, der bittet, empfängt; und wer sucht, findet;
und dem, der anklopft, wird aufgetan werden.
11 Welchen Vater unter euch wird der Sohn um einen Fisch
bitten, und er wird ihm statt des Fisches eine Schlange geben?
12 Oder auch, wenn er um ein Ei bittet, wird er ihm einen
Skorpion geben?
13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute
Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater vom Himmel den Heiligen
Geist denen geben, die ihn bitten.
14 Und er trieb einen Dämon aus, und der war stumm; es
geschah aber, als der Dämon ausgefahren war, redete der Stumme, und die
Volksmengen verwunderten sich.
15 Einige aber von ihnen sprachen: Durch Beelzebul, den
Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.
16 Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein
Zeichen vom Himmel.
17 Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes
Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet, und Haus fällt auf Haus.
18 Wenn aber auch der Satan mit sich selbst uneins ist, wie
wird sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die Dämonen durch Beelzebul
aus.
19 Wenn aber ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe,
durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein.
20 Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes
austreibe, so ist das Reich Gottes zu euch gekommen.
21 Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, so ist
sein Besitz in Frieden;
22 wenn aber ein Stärkerer als er über ihn kommt und ihn
überwindet, so nimmt er ihm seine Waffenrüstung, auf die er sich verließ, und
verteilt seine Beute.
23 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht
mit mir sammelt, der zerstreut.
24 Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist,
so durchzieht er wasserlose Orte, sucht Ruhe und findet sie nicht; dann spricht
er: Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich ausgegangen bin.
25 Und wenn er kommt, findet er es gefegt und geschmückt.
26 Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit,
die böser sind als er selbst, und sie ziehen ein und wohnen dort; und es wird
das Letzte jenes Menschen ärger als das Erste.
27 Es geschah aber, als er dies redete, erhob eine Frau aus
der Menge ihre Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen
hat, und die Brüste, die du gesogen hast.
28 Er aber sprach: Ja vielmehr, selig sind, die das Wort
Gottes hören und bewahren.
29 Als aber die Volksmengen sich versammelten, fing er an
zu sagen: Dieses Geschlecht ist ein böses Geschlecht; es fordert ein Zeichen,
und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Jona.
30 Denn wie Jona den Niniviten ein Zeichen wurde, so wird
auch der Menschensohn diesem Geschlecht eines sein.
31 Die Königin des Südens wird im Gericht auftreten mit den
Männern dieses Geschlechts und wird sie verurteilen; denn sie kam von den Enden
der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören, und siehe, hier ist mehr als
Salomo.
32 Die Männer von Ninive werden im Gericht auferstehen mit
diesem Geschlecht und werden es verurteilen; denn sie taten Buße auf die
Predigt des Jona hin, und siehe, hier ist mehr als Jona.
33 Niemand zündet ein Licht an und stellt es in einen
verborgenen Winkel, auch nicht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter,
damit die Hereinkommenden das Licht sehen.
34 Das Licht des Leibes ist dein Auge. Wenn dein Auge
lauter ist, so ist auch dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist
auch dein Leib finster.
35 Sieh nun zu, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei.
36 Wenn nun dein Leib ganz licht ist und keinen finsteren
Teil hat, so wird er ganz licht sein, wie wenn das Licht dich mit seinem Strahl
erleuchtet.
37 Während er aber redete, bat ihn ein Pharisäer, bei ihm
zu Mittag zu essen; er ging hinein und legte sich zu Tisch.
38 Der Pharisäer aber verwunderte sich, als er sah, dass er
sich nicht zuerst vor dem Mahl gewaschen hatte.
39 Der Herr aber sprach zu ihm: Nun, ihr Pharisäer reinigt
das Äußere des Bechers und der Schüssel, euer Inneres aber ist voll Raub und
Bosheit.
40 Ihr Toren, hat nicht der, der das Äußere gemacht hat,
auch das Innere gemacht?
41 Gebt doch, was darin ist, als Almosen, und siehe, alles
ist euch rein.
42 Aber wehe euch Pharisäern, denn ihr verzehntet die Minze
und die Raute und alles Gemüse und geht am Gericht und an der Liebe Gottes
vorüber; dies aber hätte man tun und jenes nicht lassen sollen.
43 Wehe euch Pharisäern, denn ihr liebt den vordersten Sitz
in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten.
44 Wehe euch, denn ihr seid wie die unkenntlichen Gräber,
und die Menschen, die darüber hingehen, wissen es nicht.
45 Da antwortete einer der Gesetzeslehrer und sprach zu
ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du auch uns.
46 Er aber sprach: Auch euch Gesetzeslehrern wehe, denn ihr
beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten, und ihr selbst rührt die Lasten
nicht mit einem eurer Finger an.
47 Wehe euch, denn ihr baut die Grabmäler der Propheten,
eure Väter aber haben sie getötet.
48 So seid ihr Zeugen und stimmt den Werken eurer Väter zu;
denn sie haben sie getötet, ihr aber baut.
49 Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde
Propheten und Apostel zu ihnen senden, und von ihnen werden sie töten und
verfolgen,
50 damit das Blut aller Propheten, das seit Grundlegung der
Welt vergossen worden ist, von diesem Geschlecht gefordert werde,
51 vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen
dem Altar und dem Haus umgekommen ist; ja, ich sage euch, es wird von diesem
Geschlecht gefordert werden.
52 Wehe euch Gesetzeslehrern, denn ihr habt den Schlüssel
der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt die,
die hineingehen wollten, gehindert.
53 Und als er von dort hinausging, fingen die
Schriftgelehrten und die Pharisäer an, ihm heftig zuzusetzen und ihn über
vieles auszufragen,
54 wobei sie ihm auflauerten, um etwas aus seinem Mund zu
erjagen.
Kapitel 12
1 Unterdessen, als sich die Volksmenge zu Zehntausenden
versammelt hatte, sodass sie einander traten, begann er zuerst zu seinen
Jüngern zu sprechen: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das ist die
Heuchelei.
2 Es ist aber nichts verhüllt, das nicht enthüllt werden
wird, und nichts verborgen, das nicht bekannt werden wird.
3 Darum: Was ihr in der Finsternis gesagt habt, wird im
Licht gehört werden, und was ihr in den Kammern ins Ohr geflüstert habt, wird
auf den Dächern verkündet werden.
4 Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht
vor denen, die den Leib töten und danach nichts weiter tun können.
5 Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt:
Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich
sage euch, den fürchtet.
6 Werden nicht fünf Sperlinge für zwei Groschen verkauft?
Und nicht einer von ihnen ist vor Gott vergessen.
7 Aber auch die Haare eures Hauptes sind alle gezählt.
Fürchtet euch nicht; ihr seid mehr wert als viele Sperlinge.
8 Ich sage euch aber: Jeder, der sich zu mir bekennt vor
den Menschen, zu dem wird sich auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln
Gottes;
9 wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird
verleugnet werden vor den Engeln Gottes.
10 Und jeder, der ein Wort gegen den Menschensohn sagt, dem
wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht
vergeben werden.
11 Wenn sie euch aber vor die Synagogen und die Obrigkeiten
und die Gewalten führen, so sorgt euch nicht, wie oder womit ihr euch
verteidigen oder was ihr sagen sollt;
12 denn der Heilige Geist wird euch in derselben Stunde
lehren, was zu sagen ist.
13 Es sprach aber einer aus der Menge zu ihm: Meister, sage
meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teile.
14 Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter
oder Erbteiler über euch gesetzt?
15 Er sprach aber zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor
aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.
16 Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Das Feld
eines reichen Mannes hatte gut getragen.
17 Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll
ich tun? Denn ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle.
18 Und er sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen
abbrechen und größere bauen und dort all mein Korn und meine Güter sammeln
19 und will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele
Güter liegen auf viele Jahre; ruhe, iss, trink, sei fröhlich.
20 Gott aber sprach zu ihm: Du Tor, in dieser Nacht wird
man deine Seele von dir fordern; und wem wird gehören, was du bereitet hast?
21 So geht es dem, der sich Schätze sammelt und nicht reich
ist bei Gott.
22 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch:
Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen sollt, noch um euren Leib, was
ihr anziehen sollt.
23 Denn das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib
mehr als die Kleidung.
24 Betrachtet die Raben: Sie säen nicht und ernten nicht,
sie haben weder Kammer noch Scheune, und Gott ernährt sie doch. Wie viel mehr
seid ihr wert als die Vögel!
25 Wer aber von euch kann mit seinem Sorgen seiner
Lebenslänge eine Elle hinzufügen?
26 Wenn ihr nun nicht einmal das Geringste vermögt, was
sorgt ihr euch um das Übrige?
27 Betrachtet die Lilien, wie sie wachsen: Sie mühen sich
nicht und spinnen nicht. Ich sage euch aber: Selbst Salomo in all seiner
Herrlichkeit war nicht gekleidet wie eine von ihnen.
28 Wenn aber Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr
Kleingläubigen!
29 Auch ihr, fragt nicht, was ihr essen und was ihr trinken
sollt, und ängstigt euch nicht.
30 Denn nach all dem trachten die Völker der Welt; euer
Vater aber weiß, dass ihr dessen bedürft.
31 Trachtet vielmehr nach seinem Reich, so wird euch dies
hinzugegeben werden.
32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es hat eurem
Vater gefallen, euch das Reich zu geben.
33 Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen. Macht euch
Beutel, die nicht veralten, einen unvergänglichen Schatz in den Himmeln, wo
kein Dieb sich naht und keine Motte zerstört.
34 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
35 Eure Lenden sollen umgürtet sein und eure Lampen
brennen;
36 und ihr sollt Menschen gleichen, die auf ihren Herrn
warten, wann er von der Hochzeit aufbricht, damit sie ihm, wenn er kommt und
anklopft, sogleich öffnen.
37 Selig sind jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt,
wachend finden wird. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich gürten und sie zu
Tisch setzen und herzutreten und ihnen dienen.
38 Und wenn er in der zweiten oder in der dritten
Nachtwache kommt und sie so findet: selig sind jene.
39 Das aber wisst: Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher
Stunde der Dieb kommt, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen.
40 Auch ihr, seid bereit; denn der Menschensohn kommt zu
einer Stunde, da ihr es nicht vermutet.
41 Petrus aber sprach: Herr, sagst du dieses Gleichnis zu
uns oder auch zu allen?
42 Und der Herr sprach: Wer ist denn der treue und kluge
Verwalter, den der Herr über sein Gesinde setzen wird, dass er ihnen zur
rechten Zeit die Kornration gebe?
43 Selig ist jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, so
handelnd finden wird.
44 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine
Güter setzen.
45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen spricht: Mein
Herr säumt zu kommen, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, zu essen
und zu trinken und sich zu betrinken,
46 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an
dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn
entzweihauen und ihm sein Teil bei den Ungläubigen geben.
47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn kannte
und nichts bereitet noch nach seinem Willen getan hat, wird viele Schläge
erhalten;
48 wer ihn aber nicht kannte und tat, was Schläge verdient,
wird wenige erhalten. Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert werden;
und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr verlangen.
49 Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie
wünschte ich, es wäre schon entzündet!
50 Ich muss aber mit einer Taufe getauft werden, und wie
ist mir bange, bis sie vollendet ist!
51 Meint ihr, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu
bringen? Nein, sage ich euch, sondern Entzweiung.
52 Denn von nun an werden fünf in einem Haus entzweit sein,
drei gegen zwei und zwei gegen drei;
53 es werden entzweit sein: der Vater gegen den Sohn und
der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen
die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die
Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.
54 Er sprach aber auch zu den Volksmengen: Wenn ihr eine
Wolke im Westen aufsteigen seht, sagt ihr sogleich: Es kommt Regen, und es
geschieht so.
55 Und wenn der Südwind weht, sagt ihr: Es wird heiß
werden, und es geschieht.
56 Ihr Heuchler, das Angesicht der Erde und des Himmels
versteht ihr zu beurteilen; wie versteht ihr aber diese Zeit nicht zu
beurteilen?
57 Warum urteilt ihr nicht auch von euch selbst aus, was
recht ist?
58 Denn wenn du mit deinem Widersacher vor die Obrigkeit
gehst, so gib dir noch auf dem Weg Mühe, von ihm loszukommen, damit er dich
nicht vor den Richter schleppe und der Richter dich dem Gerichtsdiener übergebe
und der Gerichtsdiener dich ins Gefängnis werfe.
59 Ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen, bis
du auch den letzten Heller bezahlt hast.
Kapitel 13
1 Es waren aber zu derselben Zeit einige zugegen, die ihm
von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt
hatte.
2 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass
diese Galiläer größere Sünder gewesen seien als alle anderen Galiläer, weil sie
dies erlitten haben?
3 Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut,
werdet ihr alle ebenso umkommen.
4 Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und
sie tötete – meint ihr, dass sie schuldiger gewesen seien als alle Menschen,
die in Jerusalem wohnen?
5 Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut,
werdet ihr alle gleicherweise umkommen.
6 Er sagte aber dieses Gleichnis: Jemand hatte einen
Feigenbaum, der in seinem Weinberg gepflanzt war, und er kam und suchte Frucht
an ihm und fand keine.
7 Da sprach er zum Weingärtner: Siehe, drei Jahre komme ich
nun und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine; hau ihn ab! Wozu
macht er auch das Land unbrauchbar?
8 Der aber antwortete und sagte zu ihm: Herr, lass ihn noch
dieses Jahr, bis ich um ihn herum gegraben und Dünger gelegt habe;
9 vielleicht bringt er künftig Frucht; wenn aber nicht, so
magst du ihn abhauen.
10 Er lehrte aber am Sabbat in einer der Synagogen.
11 Und siehe, da war eine Frau, die seit achtzehn Jahren
einen Geist der Schwachheit hatte; und sie war verkrümmt und konnte sich
überhaupt nicht aufrichten.
12 Als Jesus sie sah, rief er sie herbei und sprach zu ihr:
Frau, du bist von deiner Schwachheit befreit!
13 Und er legte ihr die Hände auf; und sogleich richtete
sie sich auf und pries Gott.
14 Der Synagogenvorsteher aber, unwillig darüber, dass
Jesus am Sabbat heilte, antwortete und sagte zur Menge: Sechs Tage sind es, an
denen man arbeiten soll; an diesen also kommt und lasst euch heilen, und nicht
am Sabbattag.
15 Der Herr aber antwortete ihm und sprach: Ihr Heuchler!
Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe
los und führt ihn weg, um ihn zu tränken?
16 Diese aber, die eine Tochter Abrahams ist, die der Satan
– siehe – achtzehn Jahre gebunden hat, sollte sie nicht von dieser Fessel
gelöst werden am Sabbattag?
17 Und als er dies sagte, wurden alle seine Widersacher
beschämt, und die ganze Menge freute sich über alle die herrlichen Taten, die
durch ihn geschahen.
18 Er sprach nun: Wem ist das Reich Gottes gleich, und
womit soll ich es vergleichen?
19 Es ist einem Senfkorn gleich, das ein Mensch nahm und in
seinen Garten warf; und es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des
Himmels nisteten in seinen Zweigen.
20 Und wiederum sprach er: Womit soll ich das Reich Gottes
vergleichen?
21 Es ist einem Sauerteig gleich, den eine Frau nahm und in
drei Maß Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.
22 Und er zog durch Städte und Dörfer, lehrte und nahm
seinen Weg nach Jerusalem.
23 Es sprach aber jemand zu ihm: Herr, sind es wenige, die
gerettet werden? Er aber sprach zu ihnen:
24 Ringt danach, durch die enge Tür einzugehen; denn viele,
sage ich euch, werden hineinzukommen suchen und es nicht vermögen.
25 Sobald der Hausherr aufgestanden ist und die Tür
verschlossen hat und ihr anfangt, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen
und zu sagen: Herr, öffne uns! – so wird er antworten und euch sagen: Ich weiß
nicht, woher ihr seid.
26 Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir
gegessen und getrunken, und auf unseren Straßen hast du gelehrt.
27 Und er wird sprechen und euch sagen: Ich weiß nicht,
woher ihr seid; weicht von mir, ihr alle, die ihr Unrecht tut!
28 Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein, wenn
ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Reiche Gottes sehen
werdet, euch selbst aber hinausgeworfen.
29 Und sie werden kommen von Osten und Westen und von
Norden und Süden und im Reiche Gottes zu Tische liegen.
30 Und siehe, es gibt Letzte, die Erste sein werden, und es
gibt Erste, die Letzte sein werden.
31 In derselben Stunde traten einige Pharisäer herzu und
sagten zu ihm: Geh hinaus und zieh fort von hier, denn Herodes will dich töten.
32 Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs:
Siehe, ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am
dritten Tage werde ich vollendet.
33 Doch muss ich heute und morgen und am folgenden Tage
weiterziehen; denn es geht nicht an, dass ein Prophet außerhalb Jerusalems
umkomme.
34 Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und
die zu dir Gesandten steinigst – wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen,
wie eine Henne ihre Brut unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt!
35 Siehe, euer Haus wird euch überlassen. Ich sage euch :
Ihr werdet mich nicht sehen, ihr sprecht: Gesegnet sei, der da kommt im Namen
des Herrn!
Kapitel 14
1 Und es geschah, als er am Sabbat in das Haus eines der
Obersten der Pharisäer kam, um Brot zu essen, dass sie ihn genau beobachteten.
2 Und siehe, ein wassersüchtiger Mensch war vor ihm.
3 Und Jesus hob an und sprach zu den Gesetzeslehrern und
Pharisäern: Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen, oder nicht?
4 Sie aber schwiegen. Und er fasste ihn an, heilte ihn und
ließ ihn gehen.
5 Und zu ihnen sprach er: Wer von euch, dem ein Sohn oder
ein Ochse in einen Brunnen fällt, wird ihn nicht sogleich herausziehen am Tage
des Sabbats?
6 Und sie vermochten nichts darauf zu erwidern.
7 Er sagte aber zu den Geladenen ein Gleichnis, als er
beobachtete, wie sie sich die ersten Plätze aussuchten, und sprach zu ihnen:
8 Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit geladen wirst, so
setze dich nicht auf den ersten Platz, damit nicht etwa ein Vornehmerer als du
von ihm geladen sei
9 und der, der dich und ihn geladen hat, komme und zu dir
sage: Mach diesem Platz! Und du dann mit Scham den letzten Platz einnehmen
musst.
10 Sondern wenn du geladen bist, so geh hin und setze dich
auf den letzten Platz, damit, wenn der kommt, der dich geladen hat, er zu dir
sage: Freund, rücke höher hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor allen, die mit
dir zu Tische liegen.
11 Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt
werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
12 Er sagte aber auch zu dem, der ihn geladen hatte: Wenn
du ein Mittags- oder Abendmahl gibst, so lade nicht deine Freunde noch deine
Brüder noch deine Verwandten noch reiche Nachbarn ein, damit nicht auch sie
dich wieder einladen und dir Vergeltung zuteilwerde.
13 Sondern wenn du ein Gastmahl gibst, so lade Arme,
Krüppel, Lahme, Blinde ein;
14 und selig wirst du sein, denn sie haben nichts, dir zu
vergelten; es wird dir nämlich vergolten werden bei der Auferstehung der
Gerechten.
15 Als aber einer von den Tischgenossen dies hörte, sprach
er zu ihm: Selig, wer Brot essen wird im Reiche Gottes.
16 Er aber sprach zu ihm: Ein Mensch machte ein großes
Abendmahl und lud viele ein.
17 Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Mahles, den
Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit.
18 Und sie fingen alle einmütig an, sich zu entschuldigen.
Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und
ihn besehen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt.
19 Und ein anderer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen
gekauft und gehe hin, sie zu erproben; ich bitte dich, halte mich für
entschuldigt.
20 Und ein anderer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet
und kann darum nicht kommen.
21 Und der Knecht kam und berichtete dies seinem Herrn. Da
wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf
die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Blinden
und Lahmen hier herein.
22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du
befohlen hast, und es ist noch Platz.
23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die
Wege und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, damit mein Haus voll
werde.
24 Denn ich sage euch: Keiner jener Männer, die geladen
waren, wird mein Abendmahl kosten.
25 Es zogen aber viele Volksscharen mit ihm, und er wandte
sich um und sprach zu ihnen:
26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater
und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern,
dazu auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.
27 Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht
mein Jünger sein.
28 Denn wer von euch, der einen Turm bauen will, setzt sich
nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob er genug hat zur Vollendung?
29 Damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und es nicht
vollenden kann, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten
30 und zu sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und
konnte es nicht vollenden.
31 Oder welcher König, der auszieht, mit einem anderen
König Krieg zu führen, setzt sich nicht zuerst hin und berät, ob er imstande
ist, mit zehntausend dem zu begegnen, der mit zwanzigtausend gegen ihn kommt?
32 Wenn aber nicht, so sendet er, solange jener noch fern
ist, eine Gesandtschaft und bittet um Frieden.
33 So kann also keiner von euch, der nicht allem entsagt,
was er besitzt, mein Jünger sein.
34 Gut ist also das Salz; wenn aber auch das Salz fade
wird, womit soll man würzen?
35 Weder für den Acker noch für den Mist ist es tauglich;
man wirft es hinaus. Wer Ohren hat zu hören, der höre.
Kapitel 15
1 Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn
zu hören.
2 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und
sprachen: Dieser nimmt Sünder an und isst mit ihnen.
3 Er aber sagte zu ihnen dieses Gleichnis und sprach:
4 Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und
eines von ihnen verliert, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück
und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
5 Und wenn er es gefunden hat, legt er es voll Freude auf
seine Schultern,
6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und die
Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein
verlorenes Schaf gefunden.
7 Ich sage euch: So wird Freude im Himmel sein über einen
Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht
bedürfen.
8 Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht,
wenn sie eine Drachme verliert, eine Lampe an, kehrt das Haus und sucht
sorgfältig, bis sie sie findet?
9 Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie die Freundinnen
und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, denn ich habe die
Drachme gefunden, die ich verloren hatte.
10 So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln
Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
11 Er sprach aber: Ein Mensch hatte zwei Söhne.
12 Und der jüngere von ihnen sagte zum Vater: Vater, gib
mir den Teil des Vermögens, der mir zukommt. Er aber teilte ihnen das Gut auf.
13 Und nicht viele Tage danach packte der jüngere Sohn
alles zusammen und zog in ein fernes Land, und dort verschleuderte er sein
Vermögen mit ausschweifendem Leben.
14 Als er aber alles aufgebraucht hatte, kam eine gewaltige
Hungersnot über jenes Land, und er begann Mangel zu leiden.
15 Und er ging hin und hängte sich an einen der Bürger
jenes Landes, und der schickte ihn auf seine Felder, die Schweine zu hüten.
16 Und er begehrte, sich mit den Schoten zu sättigen, die
die Schweine fraßen, und niemand gab sie ihm.
17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner
meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um.
18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu
ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir,
19 ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; mache mich
zu einem deiner Tagelöhner.
20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er
aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, und er
lief hin, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
21 Der Sohn aber sagte zu ihm: Vater, ich habe gesündigt
gegen den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.
22 Der Vater aber sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell
das beste Gewand heraus und zieht es ihm an, und gebt einen Ring an seine Hand
und Schuhe an die Füße,
23 und holt das gemästete Kalb, schlachtet es, und lasst
uns essen und fröhlich sein,
24 denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig
geworden, er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich
zu sein.
25 Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld; und als er kam
und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Reigen,
26 und er rief einen der Knechte herbei und erkundigte
sich, was das sei.
27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein
Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten
hat.
28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen; sein
Vater aber ging hinaus und redete ihm zu.
29 Er aber antwortete und sagte zu seinem Vater: Siehe, so
viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten, und mir hast du
nie einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich sei;
30 als aber dieser dein Sohn kam, der dein Gut mit Dirnen
verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.
31 Er aber sagte zu ihm: Kind, du bist allezeit bei mir,
und alles, was mein ist, ist dein;
32 man musste aber fröhlich sein und sich freuen, denn
dieser dein Bruder war tot und ist lebendig geworden, und er war verloren und
ist gefunden worden.
Kapitel 16
1 Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher
Mann, der hatte einen Verwalter, und dieser wurde bei ihm angeklagt, dass er
seinen Besitz verschleudere.
2 Und er rief ihn und sprach zu ihm: Was höre ich da über
dich? Lege Rechenschaft ab über deine Verwaltung, denn du kannst nicht länger
Verwalter sein.
3 Der Verwalter aber sprach bei sich selbst: Was soll ich
tun, da mein Herr mir die Verwaltung wegnimmt? Graben kann ich nicht, zu
betteln schäme ich mich.
4 Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich, wenn ich aus
der Verwaltung entfernt werde, in ihre Häuser aufnehmen.
5 Und er rief jeden einzelnen der Schuldner seines Herrn zu
sich und sprach zum ersten: Wie viel schuldest du meinem Herrn?
6 Der aber sagte: Hundert Bat Öl. Er aber sprach zu ihm: Nimm
deinen Schuldschein, setze dich hin und schreibe schnell fünfzig.
7 Danach sagte er zu einem anderen: Du aber, wie viel
schuldest du? Der aber sagte: Hundert Kor Weizen. Er spricht zu ihm: Nimm
deinen Schuldschein und schreibe achtzig.
8 Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er
klug gehandelt hatte; denn die Söhne dieser Weltzeit sind klüger als die Söhne
des Lichts gegenüber ihrem eigenen Geschlecht.
9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten
Mammon, damit sie euch, wenn er zu Ende geht, in die ewigen Wohnungen
aufnehmen.
10 Wer im Geringsten treu ist, ist auch im Großen treu, und
wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch im Großen ungerecht.
11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu
gewesen seid, wer wird euch das Wahre anvertrauen?
12 Und wenn ihr mit dem Fremden nicht treu gewesen seid,
wer wird euch das Eure geben?
13 Kein Knecht kann zwei Herren dienen; denn entweder wird
er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhangen und
den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
14 Das alles aber hörten die Pharisäer, die geldgierig
waren, und sie verspotteten ihn.
15 Und er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die sich selbst
rechtfertigen vor den Menschen, Gott aber kennt eure Herzen; denn was bei den
Menschen hoch ist, ist ein Gräuel vor Gott.
16 Das Gesetz und die Propheten reichen bis Johannes; von
da an wird das Reich Gottes verkündigt, und jeder drängt sich mit Gewalt
hinein.
17 Es ist aber leichter, dass Himmel und Erde vergehen, als
dass ein Strichlein vom Gesetz falle.
18 Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet,
bricht die Ehe, und wer eine von ihrem Mann Entlassene heiratet, bricht die
Ehe.
19 Es war aber ein reicher Mann, und er kleidete sich in
Purpur und feines Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.
20 Ein Armer aber mit Namen Lazarus lag vor seinem Tor,
voller Geschwüre,
21 und begehrte, sich zu sättigen von dem, was vom Tisch
des Reichen fiel; aber auch die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre.
22 Es geschah aber, dass der Arme starb und von den Engeln
in Abrahams Schoß getragen wurde; es starb aber auch der Reiche und wurde
begraben.
23 Und als er im Hades seine Augen erhob, während er in
Qualen war, sieht er Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.
24 Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich
meiner und sende Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche
und meine Zunge kühle, denn ich leide Pein in dieser Flamme.
25 Abraham aber sprach: Kind, gedenke, dass du dein Gutes
empfangen hast in deinem Leben und Lazarus gleichermaßen das Böse; nun aber
wird er hier getröstet, du aber leidest Pein.
26 Und zu alledem ist zwischen uns und euch eine große
Kluft festgesetzt, damit die, die von hier zu euch hinübergehen wollen, es
nicht können, noch von dort zu uns herüberkommen.
27 Er aber sprach: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn in
das Haus meines Vaters sendest,
28 denn ich habe fünf Brüder, damit er sie warne, damit
nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.
29 Abraham aber spricht: Sie haben Mose und die Propheten;
auf die sollen sie hören.
30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer
von den Toten zu ihnen geht, werden sie Buße tun.
31 Er aber sprach zu ihm: Wenn sie auf Mose und die
Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer
von den Toten aufersteht.
Kapitel 17
1 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, dass
die Ärgernisse nicht kommen; aber wehe dem, durch den sie kommen!
2 Es wäre ihm besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals
gelegt und er ins Meer geworfen würde, als dass er einen dieser Kleinen ärgerte.
3 Habt acht auf euch selbst! Wenn dein Bruder sündigt, so
weise ihn zurecht, und wenn er Buße tut, so vergib ihm.
4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal
zu dir zurückkehrt und spricht: Ich tue Buße, so sollst du ihm vergeben.
5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Mehre uns den
Glauben!
6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben habt wie ein
Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und
pflanze dich ins Meer! – und er würde euch gehorchen.
7 Wer aber von euch, der einen Knecht hat, der pflügt oder
das Vieh hütet, wird zu ihm, wenn er vom Feld hereinkommt, sagen: Komm sogleich
her und setze dich zu Tisch?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das
Abendessen, gürte dich und diene mir, bis ich
gegessen und getrunken habe, und danach sollst du essen und trinken?
9 Dankt er etwa dem Knecht, weil er getan hat, was ihm
befohlen war?
10 So auch ihr: Wenn ihr alles getan habt, was euch
befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu
tun schuldig waren.
11 Und es geschah, als er nach Jerusalem zog, dass er
mitten durch Samaria und Galiläa hindurchging.
12 Und als er in ein Dorf hineinging, begegneten ihm zehn
aussätzige Männer, die von ferne stehen blieben
13 und ihre Stimme erhoben und sprachen: Jesus, Meister,
erbarme dich unser!
14 Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und
zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie
rein.
15 Einer aber von ihnen kehrte, als er sah, dass er geheilt
war, zurück und pries Gott mit lauter Stimme,
16 und er fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und
dankte ihm; und der war ein Samariter.
17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn
rein geworden? Wo sind aber die neun?
18 Hat sich keiner gefunden, der zurückkehrte, um Gott die
Ehre zu geben, außer diesem Fremden?
19 Und er sprach zu ihm: Steh auf und geh hin; dein Glaube
hat dich gerettet.
20 Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde, wann das
Reich Gottes komme, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt
nicht so, dass man es beobachten könnte;
21 man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: Dort! Denn
siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da
ihr begehren werdet, einen der Tage des Menschensohnes zu sehen, und ihr werdet
ihn nicht sehen.
23 Und man wird zu euch sagen: Siehe dort! oder: Siehe
hier! Geht nicht hin und lauft nicht hinterher!
24 Denn wie der Blitz, wenn er aufblitzt, von einem Ende
unter dem Himmel bis zum anderen leuchtet, so wird der Menschensohn sein an
seinem Tage.
25 Zuvor aber muss er vieles leiden und von diesem
Geschlecht verworfen werden.
26 Und wie es geschah in den Tagen Noahs, so wird es auch
sein in den Tagen des Menschensohnes:
27 Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich
heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und
alle vernichtete.
28 Ebenso, wie es geschah in den Tagen Lots: Sie aßen, sie
tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten;
29 an dem Tag aber, als Lot aus Sodom herausging, regnete
es Feuer und Schwefel vom Himmel und vernichtete alle.
30 Ebenso wird es sein an dem Tag, da der Menschensohn
offenbart wird.
31 Wer an jenem Tag auf dem Dach ist und seine Sachen im
Haus hat, der steige nicht hinab, um sie zu holen; und wer auf dem Feld ist,
kehre ebenso nicht zurück.
32 Gedenkt an Lots Frau!
33 Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren;
wer es aber verliert, der wird es lebendig erhalten.
34 Ich sage euch: In dieser Nacht werden zwei auf einem
Bett liegen; der eine wird angenommen und der andere zurückgelassen werden.
35 Zwei Frauen
werden miteinander mahlen; die eine wird angenommen, die andere aber
zurückgelassen werden.
37 Und sie antworteten und sprachen zu ihm: Wo, Herr? Er
aber sprach zu ihnen: Wo das Aas ist, da werden sich auch die Geier versammeln.
Kapitel 18
1 Er sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber, dass sie
allezeit beten und nicht nachlassen sollten,
2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott
nicht fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute.
3 Es war aber eine Witwe in jener Stadt, und sie kam zu ihm
und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher.
4 Und er wollte lange Zeit nicht. Danach aber sprach er bei
sich selbst: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und mich vor keinem Menschen
scheue,
5 so will ich doch, weil mir diese Witwe Mühe macht, ihr
Recht schaffen, damit sie nicht am Ende kommt und mir ins Gesicht schlägt.
6 Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter
sagt!
7 Sollte aber Gott nicht seinen Auserwählten Recht
schaffen, die Tag und Nacht zu ihm rufen, und sollte er sie lange warten
lassen?
8 Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze.
Doch wird der Menschensohn, wenn er kommt, wohl den Glauben finden auf Erden?
9 Er sagte aber auch zu einigen, die auf sich selbst
vertrauten, dass sie gerecht seien, und die übrigen verachteten, dieses
Gleichnis:
10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten,
der eine ein Pharisäer und der andere ein Zöllner.
11 Der Pharisäer stand da und betete bei sich selbst so:
Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, Räuber,
Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.
12 Ich faste zweimal in der Woche, ich gebe den Zehnten von
allem, was ich erwerbe.
13 Der Zöllner aber stand von ferne und wollte nicht einmal
die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott,
sei mir Sünder gnädig!
14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein
Haus, nicht jener. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden,
wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
15 Sie brachten aber auch die kleinen Kinder zu ihm, damit
er sie anrühre; als aber die Jünger es sahen, fuhren sie sie an.
16 Jesus aber rief sie herbei und sprach: Lasst die Kinder
zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.
17 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht
annimmt wie ein Kind, wird gewiss nicht hineinkommen.
18 Und ein Oberer fragte ihn und sprach: Guter Meister, was
muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
19 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand
ist gut außer dem einen Gott.
20 Die Gebote kennst du: Du sollst nicht ehebrechen, du
sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis
ablegen, ehre deinen Vater und deine Mutter.
21 Er aber sprach: Dies alles habe ich gehalten von Jugend
an.
22 Als aber Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Eins fehlt
dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und verteile es an die Armen, so wirst
du einen Schatz in den Himmeln haben; und komm, folge mir nach!
23 Als er aber das hörte, wurde er tief betrübt; denn er
war sehr reich.
24 Als aber Jesus sah, dass er tief betrübt geworden war,
sprach er: Wie schwer kommen die, die Vermögen haben, in das Reich Gottes
hinein!
25 Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr
geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.
26 Da sprachen die, die es hörten: Wer kann dann gerettet
werden?
27 Er aber sprach: Was bei Menschen unmöglich ist, ist bei
Gott möglich.
28 Petrus aber sprach: Siehe, wir haben das Unsrige
verlassen und sind dir nachgefolgt.
29 Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es
gibt niemanden, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder
verlassen hat um des Reiches Gottes willen,
30d er nicht vielfach mehr empfangen wird in dieser Zeit
und in der kommenden Weltzeit das ewige Leben.
31 Er nahm aber die Zwölf zu sich und sprach zu ihnen:
Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was
durch die Propheten über den Menschensohn geschrieben ist.
32 Denn er wird den Heiden überliefert und verspottet und
misshandelt und angespien werden,
33 und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tag
wird er auferstehen.
34 Und sie verstanden nichts davon, und dieses Wort war vor
ihnen verborgen, und sie begriffen nicht, was gesagt wurde.
35 Es geschah aber, als er sich Jericho näherte, dass ein
Blinder am Weg saß und bettelte.
36 Als er aber die Menge vorüberziehen hörte, erkundigte er
sich, was das sei.
37 Man berichtete ihm aber, dass Jesus der Nazoräer
vorübergehe.
38 Und er rief laut: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich
meiner!
39 Und die vorangingen, fuhren ihn an, er solle schweigen;
er aber schrie umso mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner!
40 Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu ihm zu
führen. Als er aber nahe gekommen war, fragte er ihn:
41 Was willst du, dass ich dir tun soll? Er aber sprach:
Herr, dass ich wieder sehen kann.
42 Und Jesus sprach zu ihm: Sieh wieder! Dein Glaube hat
dich gerettet.
43 Und sogleich sah er wieder und folgte ihm nach und pries
Gott. Und das ganze Volk, das es sah, gab Gott Lob.
Kapitel 19
1 Und er ging hinein und zog durch Jericho hindurch.
2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, und er war
Oberzöllner und war reich.
3 Und er suchte Jesus zu sehen, wer er sei, und konnte es
nicht wegen der Menge, denn er war klein von Gestalt.
4 Und er lief voraus und stieg auf einen
Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er vorbeikommen.
5 Und als er an die Stelle kam, blickte Jesus auf und
sprach zu ihm: Zachäus, steig eilends herab, denn heute muss ich in deinem
Hause bleiben.
6 Und er stieg eilends herab und nahm ihn mit Freuden auf.
7 Und als sie es sahen, murrten alle und sprachen: Bei
einem sündigen Mann ist er eingekehrt.
8 Zachäus aber trat hin und sprach zu dem Herrn: Siehe,
Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich jemandem etwas
abgepresst habe, so gebe ich es vierfach zurück.
9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil
widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist;
10 denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu
retten, was verloren ist.
11 Als sie aber dies hörten, fügte er ein Gleichnis hinzu,
weil er nahe bei Jerusalem war und sie meinten, das Reich Gottes werde sogleich
erscheinen.
12 Er sprach also: Ein Mensch von edler Herkunft zog in ein
fernes Land, um für sich die Königsherrschaft zu empfangen und zurückzukehren.
13 Er rief aber zehn seiner Knechte, gab ihnen zehn Minen
und sprach zu ihnen: Treibt Handel damit, bis ich komme.
14 Seine Mitbürger aber hassten ihn und sandten eine
Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser
über uns herrsche.
15 Und es geschah, als er zurückkam, nachdem er die
Königsherrschaft empfangen hatte, da ließ er diese Knechte rufen, denen er das
Geld gegeben hatte, um zu erfahren, was sie erwirtschaftet hätten.
16 Da erschien der erste und sprach: Herr, deine Mine hat
zehn Minen hinzuerworben.
17 Und er sprach zu ihm: Recht so, guter Knecht! Weil du im
Geringsten treu gewesen bist, sollst du Macht haben über zehn Städte.
18 Und der zweite kam und sprach: Deine Mine, Herr, hat
fünf Minen eingebracht.
19 Er sprach aber auch zu diesem: Auch du sollst über fünf
Städte gesetzt sein.
20 Und der andere kam und sprach: Herr, siehe, hier ist
deine Mine, die ich in einem Tuch verwahrt hatte;
21 denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mensch
bist: du nimmst, was du nicht hingelegt hast, und erntest, was du nicht gesät
hast.
22 Er spricht zu ihm: Aus deinem eigenen Munde will ich
dich richten, du böser Knecht. Du wusstest, dass ich ein strenger Mensch bin,
der nimmt, was er nicht hingelegt, und erntet, was er nicht gesät hat?
23 Warum hast du dann mein Geld nicht auf die Bank gegeben?
So hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen eingefordert.
24 Und zu den Dabeistehenden sprach er: Nehmt ihm die Mine
weg und gebt sie dem, der die zehn Minen hat.
25 Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat schon zehn Minen!
26 Ich sage euch: Jedem, der hat, wird gegeben werden; von
dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat.
27 Doch diese meine Feinde, die nicht wollten, dass ich
über sie herrsche, bringt her und macht sie vor mir nieder.
28 Und als er dies gesagt hatte, zog er voran und ging
hinauf nach Jerusalem.
29 Und es geschah, als er in die Nähe von Bethphage und
Bethanien kam, an den Berg, der Ölberg heißt, sandte er zwei der Jünger
30 und sprach: Geht in das Dorf gegenüber; wenn ihr
hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein
Mensch gesessen hat; bindet es los und führt es her.
31 Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, so
sollt ihr sagen: Der Herr bedarf seiner.
32 Die Abgesandten aber gingen hin und fanden es so, wie er
ihnen gesagt hatte.
33 Als sie aber das Füllen losbanden, sprachen dessen
Besitzer zu ihnen: Warum bindet ihr das Füllen los?
34 Sie aber sprachen: Der Herr bedarf seiner.
35 Und sie führten es zu Jesus, warfen ihre Kleider auf das
Füllen und setzten Jesus darauf.
36 Während er aber dahinzog, breiteten sie ihre Kleider auf
dem Wege aus.
37 Als er aber schon nahe an den Abstieg des Ölbergs kam,
begann die ganze Schar der Jünger voll Freude Gott mit lauter Stimme zu loben
wegen aller Machttaten, die sie gesehen hatten,
38 und sprachen: Gesegnet sei, der da kommt, der König, im
Namen des Herrn! Friede im Himmel und Herrlichkeit in der Höhe!
39 Und einige der Pharisäer aus der Menge sprachen zu ihm: Meister,
weise deine Jünger zurecht!
40 Und er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese
schweigen, so werden die Steine schreien.
41 Und als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über
sie
42 und sprach: Wenn doch auch du an diesem Tage erkannt
hättest, was zum Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen.
43 Denn es werden Tage über dich kommen, da werden deine
Feinde einen Wall um dich aufwerfen und dich ringsum einschließen und dich von
allen Seiten bedrängen,
44 und sie werden dich dem Erdboden gleichmachen samt
deinen Kindern in dir und werden in dir keinen Stein auf dem anderen lassen,
weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.
45 Und er ging in den Tempel und begann, die Verkäufer
hinauszutreiben,
46 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: Mein Haus
soll ein Haus des Gebetes sein; ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.
47 Und er lehrte täglich im Tempel. Die Hohenpriester aber
und die Schriftgelehrten und die Ersten des Volkes trachteten danach, ihn
umzubringen,
48 und fanden nicht, was sie tun sollten; denn das ganze
Volk hing an ihm und hörte ihm zu.
Kapitel 20
1 Und es geschah an einem der Tage, als er das Volk im
Tempel lehrte und das Evangelium verkündigte, da traten die Hohenpriester und
die Schriftgelehrten mit den Ältesten hinzu
2 und sprachen zu ihm: Sage uns, in welcher Vollmacht du
dies tust, oder wer es ist, der dir diese Vollmacht gegeben hat.
3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will
euch etwas fragen, und sagt es mir:
4 War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen?
5 Sie aber überlegten miteinander und sprachen: Wenn wir
sagen: vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm nicht geglaubt?
6 Wenn wir aber sagen: von Menschen, so wird das ganze Volk
uns steinigen; denn es ist überzeugt, dass Johannes ein Prophet ist.
7 Und sie antworteten, sie wüssten nicht, woher.
8 Und Jesus sprach zu ihnen: So sage auch ich euch nicht,
in welcher Vollmacht ich dies tue.
9 Er begann aber, zum Volk dieses Gleichnis zu sagen: Ein
Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weingärtner und zog für
geraume Zeit außer Landes.
10 Und zur rechten Zeit sandte er zu den Weingärtnern einen
Knecht, damit sie ihm von der Frucht des Weinbergs gäben; die Weingärtner aber
schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.
11 Und er fuhr fort und sandte einen anderen Knecht; sie
aber schlugen auch diesen, schmähten ihn und schickten ihn leer fort.
12 Und er fuhr fort und sandte einen dritten; sie aber
verwundeten auch diesen und warfen ihn hinaus.
13 Da sprach der Herr des Weinbergs: Was soll ich tun? Ich
will meinen geliebten Sohn senden; vielleicht werden sie vor diesem sich
scheuen.
14 Als aber die Weingärtner ihn sahen, überlegten sie
miteinander und sprachen: Dieser ist der Erbe; lasst uns ihn töten, damit das
Erbe unser werde.
15 Und sie warfen ihn hinaus aus dem Weinberg und töteten
ihn. Was wird nun der Herr des Weinbergs mit ihnen tun?
16 Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den
Weinberg anderen geben. Als sie das hörten, sprachen sie: Das sei ferne!
17 Er aber blickte sie an und sprach: Was bedeutet denn
dies, das geschrieben steht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der
ist zum Eckstein geworden?
18 Jeder, der auf jenen Stein fällt, wird zerschmettert
werden; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen.
19 Und die Schriftgelehrten und die Hohenpriester
trachteten danach, in derselben Stunde Hand an ihn zu legen, doch fürchteten
sie das Volk; denn sie erkannten, dass er dieses Gleichnis gegen sie gesagt
hatte.
20 Und sie lauerten ihm auf und sandten Aufpasser, die sich
stellten, als seien sie gerecht, damit sie ihn bei einem Wort fassen könnten,
um ihn der Obrigkeit und der Gewalt des Statthalters zu überliefern.
21 Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen,
dass du recht redest und lehrst und die Person nicht ansiehst, sondern den Weg
Gottes in Wahrheit lehrst:
22 Ist es uns erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder
nicht?
23 Er aber durchschaute ihre Arglist und sprach zu ihnen:
24 Zeigt mir einen Denar! Wessen Bild und Aufschrift trägt
er? Sie sprachen: Des Kaisers.
25 Er aber sprach zu ihnen: So gebt denn dem Kaiser, was
des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.
26 Und sie vermochten nicht, ihn vor dem Volk bei einem
Wort zu fassen, und verwunderten sich über seine Antwort und schwiegen.
27 Es traten aber einige der Sadduzäer herzu, die
bestreiten, dass es eine Auferstehung gebe, und fragten ihn
28 und sprachen: Meister, Mose hat uns geschrieben: Wenn
jemandes Bruder stirbt, der eine Frau hat, und dieser kinderlos ist, so soll
sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.
29 Nun waren sieben Brüder; und der erste nahm eine Frau
und starb kinderlos;
30 und der zweite
31 und der dritte nahm sie, desgleichen aber auch alle
sieben; sie hinterließen keine Kinder und starben.
32 Zuletzt starb auch die Frau.
33 Wessen Frau von ihnen wird nun die Frau in der
Auferstehung sein? Denn die sieben haben sie zur Frau gehabt. 34Und Jesus
sprach zu ihnen: Die Söhne dieser Weltzeit heiraten und werden verheiratet;
35 die aber gewürdigt werden, jene Weltzeit und die
Auferstehung von den Toten zu erlangen, heiraten weder noch werden sie
verheiratet;
36 denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind
den Engeln gleich und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.
37 Dass aber die Toten auferstehen, hat auch Mose beim
Dornbusch angedeutet, wo er den Herrn den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und
den Gott Jakobs nennt.
38 Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der
Lebenden; denn ihm leben alle.
39 Da antworteten einige der Schriftgelehrten und sprachen:
Meister, du hast gut geredet.
40 Denn sie wagten nicht mehr, ihn irgendetwas zu fragen.
41 Er sprach aber zu ihnen: Wie sagen sie, dass der
Christus Davids Sohn sei?
42 Denn David selbst sagt im Buch der Psalmen: Der Herr
sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,
43 bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.
44 David nennt ihn also Herr; wie ist er dann sein Sohn?
45 Während aber das ganze Volk zuhörte, sprach er zu seinen
Jüngern:
46 Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen
Gewändern umhergehen wollen und die Begrüßungen auf den Märkten lieben und die
ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern,
47 die die Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein
lange Gebete verrichten; diese werden ein umso schwereres Urteil empfangen.
Kapitel 21
1 Er blickte aber auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben
in den Opferkasten warfen.
2 Er sah aber auch eine arme Witwe, die zwei Scherflein
hineinwarf,
3 und er sprach: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe
hat mehr als alle eingeworfen;
4 denn diese alle haben aus ihrem Überfluss zu den Gaben
eingeworfen, sie aber hat aus ihrem Mangel alles eingeworfen, was sie zum Leben
hatte.
5 Und als einige über den Tempel sprachen, dass er mit
schönen Steinen und Weihegaben geschmückt sei, sprach er:
6 Es werden Tage kommen, in denen von dem, was ihr hier
seht, kein Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht abgebrochen werden
wird.
7 Sie fragten ihn aber und sprachen: Meister, wann wird
denn dies geschehen, und was ist das Zeichen, wenn dies geschehen soll?
8 Er aber sprach: Seht zu, dass ihr nicht irregeführt
werdet; denn viele werden in meinem Namen kommen und sagen: Ich bin es, und:
Die Zeit ist nahe. Folgt ihnen nicht nach.
9 Wenn ihr aber von Kriegen und Aufständen hört, so
erschreckt nicht; denn dies muss zuerst geschehen, aber das Ende ist nicht
sogleich da.
10 Dann sprach er zu ihnen: Es wird sich Volk gegen Volk
erheben und Königreich gegen Königreich,
11 und es werden große Erdbeben sein und an verschiedenen
Orten Hungersnöte und Seuchen, auch Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel
wird es geben.
12 Vor diesem allem aber werden sie ihre Hände an euch
legen und euch verfolgen, indem sie euch den Synagogen und Gefängnissen
übergeben, und ihr werdet vor Könige und Statthalter geführt werden um meines
Namens willen;
13 das wird euch zum Zeugnis dienen.
14 So nehmt euch nun zu Herzen, nicht vorher zu überlegen,
wie ihr euch verantworten sollt;
15 denn ich werde euch Mund und Weisheit geben, der alle
eure Widersacher nicht werden widerstehen noch widersprechen können.
16 Ihr werdet aber auch von Eltern und Brüdern und
Verwandten und Freunden überliefert werden, und man wird etliche von euch
töten,
17 und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens
willen.
18 Und kein Haar von eurem Haupt wird verloren gehen.
19 Durch eure Geduld werdet ihr eure Seelen gewinnen.
20 Wenn ihr aber Jerusalem von Heeren umzingelt seht, dann
erkennt, dass ihre Verwüstung nahe ist.
21 Dann sollen die in Judäa in die Berge fliehen, und die
in ihrer Mitte sind, sollen hinausziehen, und die auf dem Lande sind, sollen
nicht in sie hineingehen;
22 denn das sind die Tage der Vergeltung, damit alles
erfüllt werde, was geschrieben steht.
23 Wehe den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen;
denn es wird große Not im Lande sein und Zorn über dieses Volk,
24 und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes
und gefangen weggeführt werden unter alle Völker, und Jerusalem wird von den
Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.
25 Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen,
und auf Erden wird Angst der Völker sein in Ratlosigkeit beim Tosen des Meeres
und der Wogen,
26 und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und
Erwartung dessen, was über den Erdkreis kommen wird; denn die Kräfte der Himmel
werden erschüttert werden.
27 Und dann werden sie den Menschensohn kommen sehen in
einer Wolke mit großer Macht und Herrlichkeit.
28 Wenn aber dies anfängt zu geschehen, so richtet euch auf
und erhebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht.
29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum
und alle Bäume:
30 Wenn sie schon ausschlagen, so erkennt ihr von selbst,
wenn ihr es seht, dass der Sommer schon nahe ist.
31 So sollt auch ihr, wenn ihr dies geschehen seht,
erkennen, dass das Reich Gottes nahe ist.
32 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht
vergehen, bis alles geschehen ist.
33 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden
nicht vergehen.
34 Habt aber acht auf euch selbst, dass eure Herzen nicht
beschwert werden mit Rausch und Trunkenheit und Sorgen des Lebens und jener Tag
plötzlich über euch komme
35 wie eine Schlinge; denn er wird über alle kommen, die
auf dem ganzen Erdboden wohnen.
36 Wacht aber allezeit und betet, damit ihr stark werdet,
diesem allem zu entfliehen, was geschehen soll, und vor dem Menschensohn zu
stehen.
37 Er lehrte aber tagsüber im Tempel, nachts aber ging er
hinaus und übernachtete auf dem Berg, der Ölberg heißt;
38 und alles Volk kam frühmorgens zu ihm in den Tempel, um
ihn zu hören.
Kapitel 22
1 Es nahte aber das Fest der ungesäuerten Brote, das Passa
genannt wird.
2 Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten,
wie sie ihn umbringen könnten, denn sie fürchteten das Volk.
3 Es fuhr aber der Satan in Judas, der Iskariot genannt
wird und zur Zahl der Zwölf gehörte;
4 und er ging hin und besprach mit den Hohenpriestern und
den Hauptleuten, wie er ihn ihnen ausliefern könnte.
5 Und sie freuten sich und kamen überein, ihm Geld zu
geben.
6 Und er willigte ein und suchte eine günstige Gelegenheit,
ihn ohne Volksauflauf an sie auszuliefern.
7 Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote, an dem das
Passalamm geopfert werden musste;
8 und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin
und bereitet uns das Passa, damit wir es essen.
9 Sie aber sagten zu ihm: Wo willst du, dass wir es
bereiten?
10 Er aber sagte zu ihnen: Siehe, wenn ihr in die Stadt
hineinkommt, wird euch ein Mensch begegnen, der einen Wasserkrug trägt; folgt
ihm in das Haus, in das er hineingeht,
11 und sagt zum Hausherrn des Hauses: Der Meister lässt dir
sagen: Wo ist der Raum, in dem ich das Passa mit meinen Jüngern essen kann?
12 Und jener wird euch ein großes, mit Polstern ausgelegtes
Obergemach zeigen; dort bereitet es.
13 Sie gingen hin und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte,
und bereiteten das Passa.
14 Und als die Stunde gekommen war, legte er sich zu Tisch
und die Apostel mit ihm.
15 Und er sprach zu ihnen: Mit Verlangen habe ich mich
gesehnt, dieses Passa mit euch zu essen, bevor ich leide;
16 denn ich sage euch, dass ich es nicht mehr essen werde,
bis es erfüllt wird im Reich Gottes.
17 Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmt diesen
und teilt ihn unter euch;
18 denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von
der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt.
19 Und er nahm Brot, dankte, brach es und gab es ihnen mit
den Worten: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem
Gedächtnis.
20 Und ebenso den Kelch nach dem Mahl, indem er sprach:
Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.
21 Doch siehe, die Hand dessen, der mich ausliefert, ist
mit mir auf dem Tisch.
22 Denn der Menschensohn geht zwar dahin, wie es bestimmt
ist; doch wehe jenem Menschen, durch den er ausgeliefert wird.
23 Und sie begannen, sich untereinander zu befragen, wer
von ihnen es wohl sei, der dies tun werde.
24 Es entstand aber auch ein Streit unter ihnen, wer von
ihnen als der Größte gelte.
25 Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Völker herrschen
über sie, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen.
26 Ihr aber nicht so, sondern der Größte unter euch werde
wie der Jüngste und der Führende wie der Dienende.
27 Denn wer ist größer: der zu Tisch Liegende oder der
Dienende? Nicht der zu Tisch Liegende? Ich aber bin in eurer Mitte wie der
Dienende.
28 Ihr aber seid die, die mit mir ausgeharrt haben in
meinen Anfechtungen;
29 und ich vermache euch, wie mir mein Vater vermacht hat,
das Reich,
30 damit ihr esst und trinkt an meinem Tisch in meinem
Reich, und ihr werdet auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.
31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat euch begehrt, um euch
zu sieben wie den Weizen;
32 ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht
aufhöre; und du, wenn du einst umgekehrt bist, stärke deine Brüder.
33 Er aber sprach zu ihm: Herr, mit dir bin ich bereit,
sowohl ins Gefängnis als auch in den Tod zu gehen.
34 Er aber sprach: Ich sage dir, Petrus: Der Hahn wird
heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, mich zu kennen.
35 Und er sprach zu ihnen: Als ich euch ohne Beutel und
Tasche und Schuhe aussandte, hat euch da etwas gefehlt? Sie aber sagten:
Nichts.
36 Er sprach zu ihnen: Aber jetzt, wer einen Beutel hat,
nehme ihn, ebenso auch eine Tasche, und wer keines hat, verkaufe seinen Mantel
und kaufe ein Schwert.
37 Denn ich sage euch, dass dieses Geschriebene an mir
erfüllt werden muss: „Und er wurde unter die Gesetzlosen gerechnet"; denn
was mich betrifft, geht zu Ende.
38 Sie aber sagten: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter.
Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.
39 Und er ging hinaus und begab sich nach seiner Gewohnheit
auf den Ölberg; es folgten ihm aber auch die Jünger.
40 Als er an den Ort gekommen war, sprach er zu ihnen:
Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet.
41 Und er entfernte sich von ihnen etwa einen Steinwurf weit,
kniete nieder und betete
42 und sprach: Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von
mir; doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe.
45 Und er stand vom Gebet auf, kam zu den Jüngern und fand
sie schlafend vor Traurigkeit,
46 und er sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und
betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet.
47 Während er noch redete, siehe, da kam eine Schar, und
der, der Judas hieß, einer der Zwölf, ging ihnen voran und näherte sich Jesus,
um ihn zu küssen.
48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, mit einem Kuss lieferst
du den Menschensohn aus?
49 Als aber die um ihn sahen, was geschehen würde, sagten
sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?
50 Und einer von ihnen schlug den Knecht des Hohenpriesters
und hieb ihm das rechte Ohr ab.
51 Jesus aber antwortete und sprach: Lasst ab, nicht
weiter! Und er berührte das Ohr und heilte ihn.
52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten
des Tempels und Ältesten, die gegen ihn gekommen waren: Wie gegen einen Räuber
seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Knüppeln?
53 Als ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr die
Hände nicht gegen mich ausgestreckt; aber dies ist eure Stunde und die Macht
der Finsternis.
54 Sie ergriffen ihn aber, führten ihn ab und brachten ihn
in das Haus des Hohenpriesters; Petrus aber folgte von ferne.
55 Als sie mitten im Hof ein Feuer angezündet hatten und
sich zusammensetzten, saß Petrus mitten unter ihnen.
56 Da sah ihn eine Magd am Feuer sitzen, blickte ihn scharf
an und sagte: Auch dieser war mit ihm.
57 Er aber leugnete und sagte: Ich kenne ihn nicht, Frau.
58 Und kurz danach sah ihn ein anderer und sprach: Auch du
bist einer von ihnen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin es nicht.
59 Und nach etwa einer Stunde behauptete ein anderer fest:
Wahrhaftig, auch dieser war mit ihm, er ist ja auch ein Galiläer.
60 Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du
sagst. Und sogleich, während er noch redete, krähte der Hahn.
61 Und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an, und
Petrus erinnerte sich an das Wort des Herrn, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe
der Hahn heute kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
62 Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
63 Und die Männer, die ihn festhielten, verspotteten ihn
und schlugen ihn,
64 und sie verhüllten ihn und fragten ihn: Weissage, wer
ist es, der dich geschlagen hat?
65 Und viele andere Lästerungen sprachen sie gegen ihn.
66 Und als es Tag wurde, versammelte sich die
Ältestenschaft des Volkes, Hohepriester und Schriftgelehrte, und sie führten
ihn ab in ihren Hohen Rat
67 und sagten: Wenn du der Christus bist, so sage es uns.
Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich es euch sage, werdet ihr es nicht glauben;
68 und wenn ich frage, werdet ihr nicht antworten.
69 Von nun an aber wird der Menschensohn sitzen zur Rechten
der Kraft Gottes.
70 Da sagten alle: Du bist also der Sohn Gottes? Er aber
sprach zu ihnen: Ihr sagt es, dass ich es bin.
71 Sie aber sagten: Was brauchen wir noch ein Zeugnis? Wir
haben es ja selbst aus seinem Munde gehört.
Kapitel 23
1 Und die ganze Menge stand auf, und sie führten ihn vor
Pilatus.
2 Sie fingen aber an, ihn anzuklagen, und sprachen: Diesen
haben wir gefunden, wie er unser Volk aufwiegelt und verbietet, dem Kaiser
Steuern zu geben, und von sich sagt, er sei Christus, ein König.
3 Pilatus aber fragte ihn und sprach: Bist du der König der
Juden? Er antwortete ihm und sprach: Du sagst es.
4 Pilatus aber sprach zu den Hohenpriestern und den
Volksmengen: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.
5 Sie aber beharrten und sagten: Er wiegelt das Volk auf,
indem er in ganz Judäa lehrt, angefangen von Galiläa bis hierher.
6 Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mensch ein
Galiläer sei,
7 und als er erfuhr, dass er aus dem Herrschaftsbereich des
Herodes war, schickte er ihn zu Herodes, der in diesen Tagen selbst auch in
Jerusalem war.
8 Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich sehr; denn er
hätte ihn schon seit langer Zeit gern gesehen, weil er von ihm gehört hatte,
und er hoffte, ein Zeichen von ihm geschehen zu sehen.
9 Er befragte ihn aber mit vielen Worten; er aber
antwortete ihm nichts.
10 Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten aber standen
dabei und klagten ihn heftig an.
11 Nachdem aber Herodes ihn samt seinen Soldaten verachtet
und verspottet hatte, legte er ihm ein glänzendes Gewand um und schickte ihn zu
Pilatus zurück.
12 An demselben Tag aber wurden Herodes und Pilatus
miteinander Freunde; denn zuvor lebten sie in Feindschaft gegeneinander.
13 Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und
das Volk zusammen
14 und sprach zu ihnen: Ihr habt mir diesen Menschen
gebracht als einen, der das Volk aufwiegelt; und siehe, ich habe ihn vor euch
verhört und an diesem Menschen keine Schuld an dem gefunden, dessen ihr ihn
anklagt.
15 Aber auch Herodes nicht; denn er hat ihn zu uns
zurückgeschickt, und siehe, nichts, was den Tod verdient, ist von ihm getan
worden.
16 Ich will ihn also züchtigen und freilassen.
18 Sie aber schrien allesamt und sagten: Weg mit diesem,
lass uns aber den Barabbas frei!
19 Der war wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt geschehen
war, und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen worden.
20 Wieder aber redete Pilatus ihnen zu, weil er Jesus
freilassen wollte.
21 Sie aber schrien dagegen und sagten: Kreuzige, kreuzige
ihn!
22 Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen: Was hat dieser
denn Böses getan? Ich habe keine Todesschuld an ihm gefunden; ich will ihn also
züchtigen und freilassen.
23 Sie aber setzten ihm mit lauten Rufen zu und forderten,
dass er gekreuzigt werde; und ihre Rufe nahmen überhand.
24 Und Pilatus entschied, dass ihre Forderung erfüllt
werde;
25 er ließ aber den frei, der
wegen Aufruhrs und Mordes ins Gefängnis geworfen worden war, den sie forderten;
Jesus aber übergab er ihrem Willen.
26 Und als sie ihn abführten, ergriffen sie einen gewissen
Simon von Kyrene, der vom Feld kam, und legten ihm das Kreuz auf, es hinter
Jesus herzutragen.
27 Es folgte ihm aber eine große Menge des Volkes und
Frauen, die klagten und ihn beweinten.
28 Jesus aber wandte sich zu ihnen und sprach: Töchter
Jerusalems, weint nicht über mich; weint vielmehr über euch selbst und über
eure Kinder.
29 Denn siehe, es kommen Tage, an denen man sagen wird:
Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die
Brüste, die nicht genährt haben.
30 Dann wird man anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt
über uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns!
31 Denn wenn man dies am grünen Holz tut, was wird am
dürren geschehen?
32 Es wurden aber auch zwei andere, Übeltäter, mit ihm
geführt, um hingerichtet zu werden.
33 Und als sie an den Ort kamen, der Schädelstätte heißt,
kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen
zur Linken.
34 Sie aber verteilten seine Kleider und warfen das Los.
35 Und das Volk stand dabei und schaute zu. Auch die
Obersten aber spotteten und sagten: Andere hat er gerettet; er rette sich
selbst, wenn er der Christus Gottes ist, der Auserwählte.
36 Es verspotteten ihn aber auch die Soldaten, traten
herzu, brachten ihm Essig
37 und sagten: Wenn du der König der Juden bist, rette dich
selbst!
38 Es war aber auch eine Aufschrift über ihm: Dieser ist
der König der Juden.
39 Einer aber der gehenkten Übeltäter lästerte ihn und
sagte: Bist du nicht der Christus? Rette dich selbst und uns!
40 Der andere aber antwortete, wies ihn zurecht und sprach:
Fürchtest du nicht einmal Gott, da du in demselben Gericht bist?
41 Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere
Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
42 Und er sagte: Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein
Reich kommst.
43 Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute
wirst du mit mir im Paradies sein.
44 Und es war schon etwa die sechste Stunde, und es kam
eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde,
45 da die Sonne sich verfinsterte; der Vorhang des Tempels
aber riss mitten entzwei.
46 Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in
deine Hände lege ich meinen Geist. Als er das gesagt hatte, verschied er.
47 Als aber der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er
Gott und sprach: Wahrhaftig, dieser Mensch war ein Gerechter.
48 Und alle Volksmengen, die zu diesem Schauspiel
zusammengekommen waren, schlugen sich, als sie sahen, was geschehen war, an die
Brust und kehrten um.
49 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne und die
Frauen, die ihm von Galiläa her gefolgt waren, und sahen dies.
50 Und siehe, ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr, ein
guter und gerechter Mann
51 dieser hatte ihrem Beschluss und Tun nicht zugestimmt,
aus Arimathäa, einer Stadt der Juden, der auf das
Reich Gottes wartete,
52 dieser ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu
53 und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und
legte ihn in ein in Fels gehauenes Grab, in dem noch niemand gelegen hatte.
54 Und es war Rüsttag, und der Sabbat brach an.
55 Die Frauen aber, die mit ihm aus Galiläa gekommen waren,
folgten nach und sahen das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde;
56 sie kehrten aber zurück und bereiteten wohlriechende
Gewürze und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gebot.
Kapitel 24
1 Am ersten Tag der Woche aber kamen sie in tiefer
Morgenfrühe zum Grab und brachten die wohlriechenden Öle, die sie bereitet
hatten.
2 Sie fanden aber den Stein vom Grab weggewälzt,
3 und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn
Jesus nicht.
4 Und es geschah, als sie darüber ratlos waren, siehe, da
traten zwei Männer in leuchtendem Gewand zu ihnen.
5 Als sie aber in Furcht gerieten und die Gesichter zur
Erde neigten, sprachen jene zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
6 Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert
euch, wie er zu euch geredet hat, als er noch in Galiläa war,
7 und sagte, der Menschensohn müsse in die Hände sündiger
Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.
8 Und sie erinnerten sich an seine Worte.
9 Und sie kehrten vom Grab zurück und verkündeten dies
alles den Elfen und allen übrigen.
10 Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, die
Mutter des Jakobus, und die übrigen mit ihnen. Sie sagten dies den Aposteln,
11 und diese Worte erschienen vor ihnen wie leeres Gerede,
und sie glaubten ihnen nicht.
12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab, und als er sich
hineinbeugte, sieht er nur die Leinentücher, und er ging weg und wunderte sich
bei sich über das Geschehene.
13 Und siehe, zwei von ihnen waren an eben diesem Tag
unterwegs zu einem Dorf, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt, mit
Namen Emmaus,
14 und sie unterhielten sich miteinander über alle diese
Ereignisse.
15 Und es geschah, während sie sich unterhielten und
miteinander überlegten, da näherte sich Jesus selbst und ging mit ihnen,
16 ihre Augen aber wurden gehalten, sodass sie ihn nicht
erkannten.
17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Worte, die ihr
unterwegs miteinander wechselt? Und sie blieben traurig stehen.
18 Einer aber mit Namen Kleopas antwortete und sprach zu
ihm: Bist du der Einzige, der in Jerusalem weilt und nicht weiß, was in diesen
Tagen dort geschehen ist?
19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sagten ihm:
Das mit Jesus von Nazaret, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor
Gott und dem ganzen Volk,
20 und wie unsere Hohenpriester und Oberen ihn zum
Todesurteil ausgeliefert und ihn gekreuzigt haben.
21 Wir aber hofften, dass er es sei, der Israel erlösen
werde; doch bei alledem ist es heute der dritte Tag, seit dies geschehen ist.
22 Aber auch einige Frauen von uns haben uns in Bestürzung
versetzt: Sie waren frühmorgens am Grab,
23 und da sie seinen
Leib nicht fanden, kamen sie und sagten, sie hätten sogar eine Erscheinung von
Engeln gesehen, die sagen, er lebe.
24 Und einige von denen, die bei uns sind, gingen zum Grab
und fanden es so, wie auch die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie
nicht.
25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und trägen
Herzens, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben!
26 Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine
Herrlichkeit eingehen?
27 Und beginnend bei Mose und allen Propheten legte er
ihnen in allen Schriften aus, was ihn betraf.
28 Und sie näherten sich dem Dorf, wohin sie gingen, und er
tat, als wolle er weitergehen.
29 Und sie nötigten ihn und sagten: Bleib bei uns, denn es
geht gegen Abend, und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging hinein, um
bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er sich mit ihnen zu Tisch legte,
nahm er das Brot, sprach den Segen, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn;
und er wurde vor ihnen unsichtbar.
32 Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz als
er unterwegs mit uns redete, als er uns die Schriften aufschloss?
33 Und sie standen zur selben Stunde auf, kehrten nach
Jerusalem zurück und fanden die Elf und die mit ihnen versammelt,
34 die sagten: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem
Simon erschienen.
35 Und sie erzählten, was unterwegs geschehen war und wie
er von ihnen beim Brechen des Brotes erkannt wurde.
36 Während sie aber dies redeten, trat er selbst mitten
unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
37 Sie aber erschraken und gerieten in Furcht und meinten,
einen Geist zu sehen.
38 Und er sprach zu ihnen: Warum seid ihr erschrocken, und
warum steigen Zweifel in eurem Herzen auf?
39 Seht meine Hände und meine Füße: Ich bin es selbst.
Betastet mich und seht, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr
an mir seht.
40 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände
und die Füße.
41 Als sie aber vor Freude noch nicht glaubten und sich
verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen?
42 Sie aber reichten ihm ein Stück gebratenen Fisch;
43 und er nahm es und aß vor ihren Augen.
44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich
zu euch geredet habe, als ich noch bei euch war: Alles muss erfüllt werden, was
im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben
steht.
45 Da öffnete er ihnen den Verstand, sodass sie die
Schriften verstanden,
46 und er sprach zu ihnen: So steht geschrieben, dass der
Christus leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen wird
47 und dass in seinem Namen Umkehr zur Vergebung der Sünden
allen Völkern verkündet wird. Beginnend in Jerusalem
48 seid ihr Zeugen dafür.
49 Und ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch; ihr
aber bleibt in der Stadt, bis ihr mit Kraft aus der Höhe bekleidet werdet.
50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien, und er
erhob seine Hände und segnete sie.
51 Und es geschah, während er sie segnete, schied er von
ihnen und wurde in den Himmel emporgehoben.
52 Und sie fielen vor ihm nieder und kehrten mit großer
Freude nach Jerusalem zurück,
53 und sie waren allezeit im Tempel und priesen Gott.