Apostelgeschichte

 

Kapitel 1

 

1 Den ersten Bericht habe ich verfasst, o Theophilus, über alles, was Jesus zu tun und zu lehren begann,

 

2 bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte.

 

3 Ihnen zeigte er sich auch nach seinem Leiden lebendig durch viele Beweise, indem er ihnen vierzig Tage hindurch erschien und über das Reich Gottes sprach.

 

4 Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, „die ihr von mir gehört habt;

 

5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen.“

 

6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?

 

7 Er aber sprach zu ihnen: Es steht euch nicht zu, Zeiten oder Fristen zu kennen, die der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat;

 

8 aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch kommt, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde.

 

9 Und als er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg von ihren Augen.

 

10 Und während sie unverwandt zum Himmel schauten, als er dahinfuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen,

 

11 die auch sprachen: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und blickt zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso kommen, wie ihr ihn habt in den Himmel gehen sehen.

 

12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg genannt wird, der nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt.

 

13 Und als sie hineingekommen waren, stiegen sie hinauf in das Obergemach, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus und Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus.

 

14 Diese alle verharrten einmütig im Gebet mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

 

15 Und in diesen Tagen stand Petrus mitten unter den Brüdern auf und sprach – es war aber eine Schar von etwa hundertzwanzig Personen beisammen:

 

16 Ihr Männer, Brüder, es musste die Schrift erfüllt werden, die der Heilige Geist durch den Mund Davids vorhergesagt hat über Judas, der denen zum Wegweiser wurde, die Jesus festnahmen;

 

17 denn er war uns zugezählt und hatte das Los dieses Dienstes empfangen.

 

18 Dieser nun erwarb einen Acker vom Lohn der Ungerechtigkeit, und kopfüber gestürzt, barst er mitten entzwei, und alle seine Eingeweide wurden ausgeschüttet;

 

19 und es wurde allen Bewohnern Jerusalems bekannt, sodass jener Acker in ihrer eigenen Sprache Hakeldamach genannt wurde, das heißt Blutacker.

 

20 Denn es steht geschrieben im Buch der Psalmen: Seine Behausung soll öde werden, und niemand soll darin wohnen, und: Sein Amt soll ein anderer empfangen.

 

21 Es muss also von den Männern, die mit uns zusammen waren die ganze Zeit, in der der Herr Jesus bei uns ein- und ausging,

 

22 angefangen von der Taufe des Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns aufgenommen wurde, einer von diesen mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden.

 

23 Und sie stellten zwei auf: Joseph, genannt Barsabbas, der den Beinamen Justus trug, und Matthias.

 

24 Und sie beteten und sprachen: Du, Herr, Kenner aller Herzen, zeige an, welchen von diesen beiden du erwählt hast,

 

25 den Platz dieses Dienstes und Apostelamtes einzunehmen, von dem Judas abgewichen ist, um an seinen eigenen Ort zu gehen.

 

26 Und sie warfen Lose über sie, und das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugezählt.

 

Kapitel 2

 

1 Und als der Tag des Pfingstfestes sich erfüllte, waren alle beisammen an einem Ort.

 

2 Und plötzlich geschah vom Himmel her ein Brausen wie von einem daherfahrenden gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen;

 

3 und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,

 

4 und sie wurden alle erfüllt von heiligem Geist und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

 

5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer aus jedem Volk unter dem Himmel.

 

6 Als aber dieses Getöse entstand, kam die Menge zusammen und geriet in Verwirrung, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

 

7 Sie entsetzten sich aber und verwunderten sich und sagten: Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer?

 

8 Und wie hören wir sie ein jeder in unserer eigenen Sprache, in der wir geboren wurden?

 

9 Parther und Meder und Elamiter und die Bewohner Mesopotamiens, Judäas und Kappadokiens, des Pontus und Asiens,

 

10 Phrygiens und Pamphyliens, Ägyptens und der Gegenden Libyens bei Kyrene, und die hier weilenden Römer,

 

11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen von den großen Taten Gottes reden.

 

12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sagten einer zum anderen: Was mag das sein?

 

13 Andere aber spotteten und sagten: Sie sind voll süßen Weines.

 

14 Da trat Petrus mit den Elfen (im Sinne der 11 Apostel) auf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Männer von Judäa und ihr alle, die ihr in Jerusalem wohnt, dies sei euch kund, und vernehmt meine Worte.

 

15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr annehmt; es ist ja erst die dritte Stunde des Tages,

 

16 sondern dies ist das, was durch den Propheten Joel gesagt ist:

 

17 Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da werde ich von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure Jünglinge werden Gesichte sehen, und eure Alten werden Träume träumen;

 

18 und auch über meine Knechte und über meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen.

 

19 Und ich werde Wunder geben oben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde, Blut und Feuer und Rauchdampf.

 

20 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt.

 

21 Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

 

22 Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus den Nazoräer, einen Mann, von Gott euch gegenüber beglaubigt durch Machttaten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst,

 

23 diesen habt ihr, nach dem bestimmten Ratschluss und Vorherwissen Gottes dahingegeben, durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geheftet und getötet.

 

24 Ihn hat Gott auferweckt, indem er die Wehen des Todes löste, weil es nicht möglich war, dass er von ihm festgehalten würde.

 

25 Denn David sagt über ihn: Ich sah den Herrn allezeit vor mir, denn er ist zu meiner Rechten, damit ich nicht wanke.

 

26 Darum freute sich mein Herz und jubelte meine Zunge; ja, auch mein Fleisch wird auf Hoffnung ruhen;

 

27 denn du wirst meine Seele nicht dem Hades überlassen noch zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe.

 

28 Du hast mir Wege des Lebens kundgetan; du wirst mich mit Freude erfüllen vor deinem Angesicht.

 

29 Ihr Männer, Brüder, es sei erlaubt, mit Freimut zu euch über den Patriarchen David zu reden: Er ist gestorben und begraben worden, und sein Grabmal ist bei uns bis auf diesen Tag.

 

30 Da er nun ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm mit einem Eid geschworen hatte, dass einer von der Frucht seiner Lenden auf seinem Thron sitzen werde,

 

31 hat er vorausschauend von der Auferstehung des Christus geredet, dass er weder dem Hades überlassen wurde noch sein Fleisch die Verwesung sah.

 

32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt, wovon wir alle Zeugen sind.

 

33 Nachdem er nun durch die Rechte Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat er dies ausgegossen, was ihr seht und hört.

 

34 Denn nicht David ist in die Himmel aufgestiegen, er sagt aber selbst: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,

 

35 bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.

 

36 So soll nun das ganze Haus Israel mit Gewissheit erkennen, dass Gott ihn zum Herrn und zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.

 

37 Als sie das hörten, ging es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Männer, Brüder?

 

38 Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und ein jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des heiligen Geistes empfangen.

 

39 Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.

 

40 Und mit vielen anderen Worten bezeugte er es und ermahnte sie und sprach: Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht.

 

41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan.

 

42 Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten.

 

43 Es kam aber über jede Seele Furcht, und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel.

 

44 Alle Gläubigen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam,

 

45 und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer Bedarf hatte.

 

46 Täglich verharrten sie einmütig im Tempel, brachen das Brot in den Häusern und nahmen die Speise mit Jubel und Lauterkeit des Herzens,

 

47 lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich die, die gerettet wurden, zu ihrer Gemeinschaft hinzu.

 

Kapitel 3

 

1 Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die Stunde des Gebets, die neunte.

 

2 Und ein Mann, der von Mutterleib an lahm war, wurde herbeigetragen; ihn setzten sie täglich an die Tür des Tempels, die man die Schöne nennt, damit er ein Almosen erbitte von denen, die in den Tempel hineingingen.

 

3 Als dieser Petrus und Johannes sah, die im Begriff waren, in den Tempel hineinzugehen, bat er, ein Almosen zu empfangen.

 

4 Petrus aber blickte ihn zusammen mit Johannes fest an und sprach: Sieh uns an!

 

5 Er aber achtete auf sie und erwartete, etwas von ihnen zu empfangen.

 

6 Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!

 

7 Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf; sogleich aber wurden seine Füße und Knöchel fest,

 

8 und er sprang auf, stand und ging umher und ging mit ihnen in den Tempel hinein, umhergehend und springend und Gott lobend.

 

9 Und das ganze Volk sah ihn umhergehen und Gott loben;

 

10 sie erkannten ihn aber, dass er es war, der um des Almosens willen an der Schönen Pforte des Tempels gesessen hatte, und sie wurden erfüllt von Staunen und Entsetzen über das, was ihm widerfahren war.

 

11 Während er sich aber an Petrus und Johannes hielt, lief das ganze Volk bei ihnen zusammen in der Halle, die die Salomos genannt wird, voller Staunen.

 

12 Als Petrus das sah, antwortete er dem Volk: Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber, oder was blickt ihr uns an, als hätten wir durch eigene Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass er umhergeht?

 

13 Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr ausgeliefert und vor dem Angesicht des Pilatus verleugnet habt, obwohl jener entschieden hatte, ihn freizulassen.

 

14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und verlangt, dass euch ein Mörder geschenkt werde,

 

15 den Urheber des Lebens aber habt ihr getötet, den Gott von den Toten auferweckt hat; dessen Zeugen sind wir.

 

16 Und aufgrund des Glaubens an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht, und der Glaube, der durch ihn ist, hat ihm diese volle Gesundheit gegeben vor euch allen.

 

17 Und nun, Brüder, ich weiß, dass ihr aus Unwissenheit gehandelt habt, wie auch eure Obersten;

 

18 Gott aber hat so erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten zuvor verkündet hatte, dass sein Christus leiden werde.

 

19 So tut nun Buße und bekehrt euch, damit eure Sünden ausgetilgt werden,

 

20 auf dass Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn und er den euch zuvor bestimmten Christus, Jesus, sende,

 

21 den der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem, was Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat.

 

22 Mose hat gesagt: Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken wie mich; auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird.

 

23 Es wird aber geschehen: Jede Seele, die auf jenen Propheten nicht hört, wird aus dem Volk ausgerottet werden.

 

24 Und auch alle Propheten, von Samuel an und den nachfolgenden, so viele geredet haben, haben diese Tage verkündet.

 

25 Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit euren Vätern geschlossen hat, als er zu Abraham sprach: Und in deinem Samen werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.

 

26 Euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und ihn gesandt, euch zu segnen, indem ein jeder sich von euren Bosheiten abkehrt.

 

Kapitel 4

 

1 Während sie aber zum Volk redeten, traten die Priester, der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer zu ihnen,

 

2 verärgert darüber, dass sie das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten,

 

3 und sie legten Hand an sie und setzten sie bis zum nächsten Morgen in Gewahrsam; denn es war schon Abend.

 

4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig, und die Zahl der Männer belief sich auf etwa fünftausend.

 

5 Es geschah aber am nächsten Morgen, dass sich ihre Obersten, die Ältesten und die Schriftgelehrten in Jerusalem versammelten,

 

6 auch Hannas, der Hohepriester, und Kajaphas und Johannes und Alexander und alle, die aus hohepriesterlichem Geschlecht waren.

 

7 Und sie stellten sie in die Mitte und fragten: In welcher Kraft oder in welchem Namen habt ihr das getan?

 

8 Da sagte Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, zu ihnen: Ihr Obersten des Volkes und Ältesten!

 

9 Wenn wir heute wegen einer Wohltat an einem kranken Menschen verhört werden, durch wen dieser geheilt worden ist,

 

10 so sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kundgetan: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat, in diesem steht dieser gesund vor euch.

 

11 Dies ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, verworfen wurde, der zum Eckstein geworden ist.

 

12 Und in keinem anderen ist das Heil, denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen.

 

13 Als sie aber den Freimut des Petrus und des Johannes sahen und erkannten, dass sie ungelehrte und einfache Menschen waren, wunderten sie sich; und sie erkannten sie, dass sie mit Jesus gewesen waren.

 

14 Da sie aber den geheilten Menschen bei ihnen stehen sahen, hatten sie nichts zu erwidern.

 

15 Sie befahlen ihnen aber, aus dem Hohen Rat hinauszugehen, und berieten sich miteinander

 

16 und sagten: Was sollen wir mit diesen Menschen tun? Denn dass ein offenkundiges Zeichen durch sie geschehen ist, ist allen Bewohnern Jerusalems bekannt, und wir können es nicht leugnen.

 

17 Damit es sich aber nicht weiter unter dem Volk verbreitet, wollen wir ihnen drohen, zu keinem Menschen mehr in diesem Namen zu reden.

 

18 Und sie riefen sie und geboten ihnen, überhaupt nicht mehr im Namen Jesu zu reden noch zu lehren.

 

19 Petrus und Johannes aber antworteten und sagten zu ihnen: Ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen als Gott, das urteilt selbst;

 

20 denn wir können nicht schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben.

 

21 Sie aber drohten ihnen noch weiter und ließen sie frei, da sie nichts fanden, wie sie sie bestrafen könnten, um des Volkes willen; denn alle priesen Gott wegen des Geschehenen.

 

22 Denn der Mensch, an dem dieses Zeichen der Heilung geschehen war, war über vierzig Jahre alt.

 

23 Als sie aber freigelassen worden waren, gingen sie zu den Ihren und berichteten alles, was die Hohenpriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten.

 

24 Als diese es hörten, erhoben sie einmütig ihre Stimme zu Gott und sagten: Herr, du hast den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht;

 

25 du hast durch den Heiligen Geist durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, gesagt: Warum tobten die Völker, und die Nationen sannen Eitles?

 

26 Die Könige der Erde traten auf, und die Herrscher versammelten sich miteinander gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten.

 

27 Denn wahrhaftig, in dieser Stadt haben sich gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, versammelt: Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Völkern Israels,

 

28 um alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss vorherbestimmt hatte, dass es geschehe.

 

29 Und nun, Herr, sieh auf ihre Drohungen und gib deinen Knechten, mit allem Freimut dein Wort zu reden,

 

30 indem du deine Hand ausstreckst zur Heilung und dass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.

 

31 Und als sie gebetet hatten, erbebte der Ort, an dem sie versammelt waren, und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut.

 

32 Die Menge der Gläubiggewordenen aber war ein Herz und eine Seele, und nicht einer sagte von seinem Besitz, dass er sein Eigen sei, sondern sie hatten alles gemeinsam.

 

33 Und mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war auf ihnen allen.

 

34 Denn es war auch kein Bedürftiger unter ihnen; denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften sie und brachten den Erlös des Verkauften

 

35 und legten ihn den Aposteln zu Füßen; und es wurde einem jeden zugeteilt, wie er es nötig hatte.

 

36 Joseph aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes , ein Levit, ein Zyprer von Geburt,

 

37 der einen Acker besaß, verkaufte ihn, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

 

Kapitel 5

 

1 Ein Mann aber mit Namen Hananias verkaufte zusammen mit Saphira, seiner Frau, ein Grundstück

 

2 und schaffte etwas von dem Erlös beiseite, mit Wissen auch seiner Frau, und er brachte einen Teil und legte ihn den Aposteln zu Füßen.

 

3 Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und von dem Erlös des Ackers etwas beiseitegeschafft hast?

 

4 Blieb es nicht dein, solange du es hattest, und stand es nicht, als es verkauft war, in deiner Verfügung? Warum hast du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott.

 

5 Als aber Hananias diese Worte hörte, fiel er nieder und verschied, und große Furcht kam über alle, die es hörten.

 

6 Die jungen Männer aber standen auf, hüllten ihn ein, trugen ihn hinaus und begruben ihn.

 

7 Es geschah aber nach etwa drei Stunden, da kam seine Frau herein, ohne zu wissen, was geschehen war.

 

8 Petrus aber sprach zu ihr: Sag mir, habt ihr den Acker für so viel verkauft? Sie aber sagte: Ja, für so viel.

 

9 Petrus aber sprach zu ihr: Warum habt ihr euch verabredet, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind vor der Tür, und sie werden dich hinaustragen.

 

10 Da fiel sie sogleich zu seinen Füßen nieder und verschied; die jungen Männer aber kamen herein, fanden sie tot, trugen sie hinaus und begruben sie neben ihrem Mann.

 

11 Und große Furcht kam über die ganze Gemeinde und über alle, die dies hörten.

 

12 Durch die Hände der Apostel aber geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk. Und sie waren alle einmütig in der Halle Salomos,

 

13 von den Übrigen aber wagte keiner, sich ihnen anzuschließen, doch das Volk pries sie hoch.

 

14 Umso mehr aber wurden hinzugetan, die an den Herrn glaubten, Scharen von Männern und Frauen,

 

15 sodass man sogar die Kranken auf die Straßen hinaustrug und auf Betten und Bahren legte, damit, wenn Petrus käme, wenigstens sein Schatten einen von ihnen überschatte.

 

16 Es kam aber auch die Menge aus den Städten rings um Jerusalem zusammen und brachte Kranke und von unreinen Geistern Geplagte, die alle geheilt wurden.

 

17 Der Hohepriester aber erhob sich und alle, die mit ihm waren, nämlich die Partei der Sadduzäer, und sie wurden von Eifersucht erfüllt

 

18 und legten Hand an die Apostel und setzten sie in öffentlichen Gewahrsam.

 

19 Ein Engel des Herrn aber öffnete in der Nacht die Türen des Gefängnisses, führte sie hinaus und sprach:

 

20 Geht hin, stellt euch in den Tempel und redet zum Volk alle Worte dieses Lebens.

 

21 Als sie das gehört hatten, gingen sie frühmorgens in den Tempel und lehrten. Der Hohepriester aber kam mit denen, die bei ihm waren, und sie beriefen den Hohen Rat und die ganze Ältestenschaft der Söhne Israels zusammen und sandten zum Gefängnis, um sie vorführen zu lassen.

 

22 Als aber die Diener hinkamen, fanden sie sie nicht im Gefängnis; sie kehrten zurück und berichteten:

 

23 Das Gefängnis fanden wir mit aller Sorgfalt verschlossen und die Wächter an den Türen stehen, doch als wir öffneten, fanden wir drinnen niemanden.

 

24 Als aber der Hauptmann des Tempels und die Hohenpriester diese Worte hörten, gerieten sie ihretwegen in Verlegenheit, was daraus wohl werden sollte.

 

25 Da kam einer und berichtete ihnen: Siehe, die Männer, die ihr ins Gefängnis gesetzt habt, stehen im Tempel und lehren das Volk.

 

26 Da ging der Hauptmann mit den Dienern hin und holte sie, doch nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten das Volk, dass sie gesteinigt würden.

 

27 Sie führten sie herbei und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester befragte sie

 

28 und sprach: Haben wir euch nicht streng geboten, nicht in diesem Namen zu lehren? Und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt und wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.

 

29 Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

 

30 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr umgebracht habt, indem ihr ihn ans Holz hängtet.

 

31 Diesen hat Gott als Anführer und Retter zu seiner Rechten erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben.

 

32 Und wir sind Zeugen dieser Dinge und ebenso der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen.

 

33 Als sie das hörten, ergrimmten sie und wollten sie töten.

 

34 Da stand aber im Hohen Rat ein Pharisäer auf mit Namen Gamaliel, ein Gesetzeslehrer, geehrt beim ganzen Volk, und befahl, die Männer für kurze Zeit hinauszuführen,

 

35 und sprach zu ihnen: Männer Israels, gebt acht bei diesen Menschen, was ihr zu tun gedenkt.

 

36 Denn vor diesen Tagen stand Theudas auf und behauptete, er sei etwas, und ihm hing eine Zahl von etwa vierhundert Männern an; er wurde getötet, und alle, die ihm gehorchten, wurden zerstreut und wurden zunichte.

 

37 Nach diesem stand Judas der Galiläer auf in den Tagen der Volkszählung und zog Volk hinter sich her; auch jener kam um, und alle, die ihm gehorchten, wurden zerstreut.

 

38 Und nun sage ich euch: Lasst ab von diesen Menschen und lasst sie gehen; denn wenn dieser Plan oder dieses Werk von Menschen ist, wird es zerstört werden;

 

39 wenn es aber von Gott ist, werdet ihr sie nicht zerstören können, damit ihr nicht gar als solche erfunden werdet, die gegen Gott kämpfen. Sie ließen sich von ihm überzeugen,

 

40 riefen die Apostel herbei, ließen sie geißeln, geboten ihnen, nicht im Namen Jesu zu reden, und ließen sie frei.

 

41 Sie aber gingen fröhlich vom Angesicht des Hohen Rates hinweg, weil sie gewürdigt worden waren, um des Namens willen Schmach zu erleiden,

 

42 und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und in den Häusern zu lehren und das Evangelium von Christus Jesus zu verkündigen.

 

Kapitel 6

 

1 In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger wuchs, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.

 

2 Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und an den Tischen dienen.

 

3 Seht euch nun um, Brüder, nach sieben Männern aus eurer Mitte, die einen guten Ruf haben, voll Geistes und Weisheit, die wir für diese Aufgabe einsetzen wollen;

 

4 wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst des Wortes verharren.

 

5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge, und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia;

 

6 diese stellten sie vor die Apostel, und nachdem sie gebetet hatten, legten sie ihnen die Hände auf.

 

7 Und das Wort Gottes wuchs, und die Zahl der Jünger in Jerusalem mehrte sich sehr, und auch eine große Menge der Priester wurde dem Glauben gehorsam.

 

8 Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk.

 

9 Da erhoben sich einige aus der sogenannten Synagoge der Libertiner und der Kyrenäer und der Alexandriner und derer aus Kilikien und Asien und stritten mit Stephanus,

 

10 und sie vermochten nicht, der Weisheit und dem Geist zu widerstehen, mit dem er redete.

 

11 Da stifteten sie Männer an, die sagten: Wir haben ihn Lästerworte gegen Mose und Gott reden hören.

 

12 Und sie wiegelten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, traten hinzu, ergriffen ihn und führten ihn vor den Hohen Rat,

 

13 und sie stellten falsche Zeugen auf, die sagten: Dieser Mensch hört nicht auf, Worte gegen heilige Stätte und das Gesetz zu reden;

 

14 denn wir haben ihn sagen hören, dass dieser Jesus, der Nazoräer, diese Stätte zerstören und die Bräuche ändern wird, die uns Mose überliefert hat.

 

15 Und alle, die im Hohen Rat saßen, blickten gespannt auf ihn und sahen sein Angesicht wie das Angesicht eines Engels.

 

Kapitel 7

 

1 Der Hohepriester aber sprach: Verhält sich dies so?

 

2 Er aber sprach: Ihr Männer, Brüder und Väter, hört! Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er in Mesopotamien war, ehe er in Haran wohnte,

 

3 und sprach zu ihm: Geh hinaus aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und komm in das Land, das ich dir zeigen werde.

 

4 Da ging er aus dem Land der Chaldäer und wohnte in Haran. Und von dort, nachdem sein Vater gestorben war, ließ er ihn in dieses Land umsiedeln, in dem ihr jetzt wohnt,

 

5 und er gab ihm kein Erbteil darin, auch nicht einen Fußbreit, und verhieß, es ihm zum Besitz zu geben und seinen Nachkommen nach ihm, obwohl er kein Kind hatte.

 

6 Gott aber redete so: Seine Nachkommen werden Fremdlinge sein in einem fremden Land, und man wird sie knechten und misshandeln vierhundert Jahre;

 

7 und das Volk, dem sie dienen werden, will ich richten, sprach Gott, und danach werden sie ausziehen und mir an dieser Stätte dienen.

 

8 Und er gab ihm den Bund der Beschneidung; und so zeugte er Isaak und beschnitt ihn am achten Tag, und Isaak den Jakob, und Jakob die zwölf Erzväter.

 

9 Und die Erzväter, voller Eifersucht auf Josef, verkauften ihn nach Ägypten. Und Gott war mit ihm

 

10 und errettete ihn aus allen seinen Bedrängnissen und gab ihm Gnade und Weisheit vor dem Pharao, dem König von Ägypten, und der setzte ihn zum Herrscher über Ägypten und über sein ganzes Haus.

 

11 Es kam aber eine Hungersnot über ganz Ägypten und Kanaan und eine große Bedrängnis, und unsere Väter fanden keine Nahrung.

 

12 Als aber Jakob hörte, dass es in Ägypten Getreide gebe, sandte er unsere Väter zum ersten Mal aus.

 

13 Und beim zweiten Mal gab sich Josef seinen Brüdern zu erkennen, und dem Pharao wurde Josefs Herkunft offenbar.

 

14 Josef aber sandte hin und ließ seinen Vater Jakob und die ganze Verwandtschaft rufen, fünfundsiebzig Seelen.

 

15 Und Jakob zog hinab nach Ägypten, und er starb, er und unsere Väter,

 

16 und sie wurden nach Sichem überführt und in das Grab gelegt, das Abraham für eine Summe Silbers von den Söhnen Hemors in Sichem gekauft hatte.

 

17 Als aber die Zeit der Verheißung nahte, die Gott dem Abraham zugesagt hatte, wuchs das Volk und mehrte sich in Ägypten,

 

18 bis ein anderer König über Ägypten aufstand, der Josef nicht kannte.

 

19 Dieser überlistete unser Geschlecht und misshandelte unsere Väter, sodass sie ihre Säuglinge aussetzen mussten, damit sie nicht am Leben blieben.

 

20 Zu dieser Zeit wurde Mose geboren, und er war schön vor Gott; er wurde drei Monate im Haus seines Vaters aufgezogen.

 

21 Als er aber ausgesetzt wurde, nahm ihn die Tochter des Pharao auf und zog ihn sich zum Sohn auf.

 

22 Und Mose wurde in aller Weisheit der Ägypter unterwiesen, er war aber mächtig in seinen Worten und Werken.

 

23 Als er aber vierzig Jahre alt geworden war, kam es ihm in den Sinn, nach seinen Brüdern, den Söhnen Israels, zu sehen.

 

24 Und als er sah, wie einem Unrecht geschah, kam er ihm zu Hilfe und rächte den Misshandelten, indem er den Ägypter erschlug.

 

25 Er meinte aber, seine Brüder würden verstehen, dass Gott ihnen durch seine Hand Rettung gebe; sie aber verstanden es nicht.

 

26 Am folgenden Tag erschien er ihnen, als sie sich stritten, und suchte sie zum Frieden zu versöhnen, indem er sprach: Männer, ihr seid Brüder; warum tut ihr einander Unrecht?

 

27 Der aber, der seinem Nächsten Unrecht tat, stieß ihn weg und sprach: Wer hat dich zum Herrscher und Richter über uns gesetzt?

 

28 Willst du mich etwa töten, wie du gestern den Ägypter getötet hast?

 

29 Mose aber floh auf dieses Wort hin und wurde ein Fremdling im Land Midian, wo er zwei Söhne zeugte.

 

30 Und als vierzig Jahre erfüllt waren, erschien ihm in der Wüste des Berges Sinai ein Engel in der Feuerflamme eines Dornbusches.

 

31 Als aber Mose es sah, wunderte er sich über die Erscheinung; als er aber hinzutrat, um sie zu betrachten, erging die Stimme des Herrn:

 

32 Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs. Mose aber erzitterte und wagte nicht hinzuschauen.

 

33 Der Herr aber sprach zu ihm: Löse die Schuhe von deinen Füßen, denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliges Land.

 

34 Ich habe die Misshandlung meines Volkes in Ägypten wohl gesehen und ihr Seufzen gehört und bin herabgestiegen, sie zu erretten; und nun komm, ich will dich nach Ägypten senden.

 

35 Diesen Mose, den sie verleugnet hatten mit den Worten: Wer hat dich zum Herrscher und Richter eingesetzt?, diesen hat Gott als Herrscher und Erlöser gesandt durch die Hand des Engels, der ihm im Dornbusch erschienen war.

 

36 Dieser führte sie heraus, indem er Wunder und Zeichen tat im Land Ägypten und im Roten Meer und in der Wüste vierzig Jahre lang.

 

37 Dies ist der Mose, der zu den Söhnen Israels sprach: Einen Propheten wie mich wird Gott euch aus euren Brüdern erwecken.

 

38 Dieser ist es, der in der Gemeinde in der Wüste war mit dem Engel, der auf dem Berg Sinai mit ihm redete, und mit unseren Vätern; er empfing lebendige Worte, um sie uns zu geben.

 

39 Ihm wollten unsere Väter nicht gehorsam sein, sondern stießen ihn weg und wandten sich in ihren Herzen nach Ägypten zurück,

 

40 indem sie zu Aaron sprachen: Mach uns Götter, die vor uns herziehen; denn dieser Mose, der uns aus dem Land Ägypten herausgeführt hat – wir wissen nicht, was ihm geschehen ist.

 

41 Und sie machten in jenen Tagen ein Kalb und brachten dem Götzenbild ein Opfer dar und freuten sich an den Werken ihrer Hände.

 

42 Gott aber wandte sich ab und gab sie dahin, dem Heer des Himmels zu dienen, wie geschrieben steht im Buch der Propheten: Habt ihr mir etwa Schlachtopfer und Opfer dargebracht vierzig Jahre lang in der Wüste, Haus Israel?

 

43 Und ihr habt das Zelt des Moloch aufgenommen und den Stern eures Gottes Räfan, die Bilder, die ihr gemacht habt, um sie anzubeten; und ich werde euch wegführen über Babylon hinaus.

 

44 Unsere Väter hatten das Zelt des Zeugnisses in der Wüste, wie der, der mit Mose redete, angeordnet hatte, es zu machen nach dem Vorbild, das er gesehen hatte.

 

45 Dieses übernahmen unsere Väter und brachten es hinein mit Josua bei der Inbesitznahme des Landes der Völker, die Gott vor dem Angesicht unserer Väter vertrieb, bis zu den Tagen Davids,

 

46 der Gnade fand vor Gott und bat, eine Wohnstätte für das Haus Jakobs zu finden.

 

47 Salomo aber baute ihm ein Haus.

 

48 Doch der Höchste wohnt nicht in dem, was mit Händen gemacht ist, wie der Prophet spricht:

 

49 Der Himmel ist mein Thron, die Erde aber der Schemel meiner Füße; was für ein Haus wollt ihr mir bauen, spricht der Herr, oder welches ist die Stätte meiner Ruhe?

 

50 Hat nicht meine Hand dies alles gemacht?

 

51 Ihr Halsstarrigen, unbeschnitten an Herzen und Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr.

 

52 Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, die das Kommen des Gerechten vorher verkündigten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid,

 

53 die ihr das Gesetz durch Anordnungen von Engeln empfangen und nicht gehalten habt.

 

54 Als sie aber dies hörten, ergrimmten sie in ihren Herzen und knirschten mit den Zähnen gegen ihn.

 

55 Er aber, voll Heiligen Geistes, blickte fest zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen

 

56 und sprach: Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.

 

57 Sie aber schrien mit lauter Stimme, hielten sich die Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn los,

 

58 warfen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ihre Kleider zu den Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß,

 

59 und sie steinigten Stephanus, der betete und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf.

 

60 Er aber fiel auf die Knie und rief mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! Und als er dies gesagt hatte, entschlief er.

 

Kapitel 8

 

1 Saulus aber hatte Wohlgefallen an seiner Tötung. Es erhob sich aber an jenem Tage eine große Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem, und alle wurden zerstreut über die Landschaften Judäas und Samariens, außer den Aposteln.

 

2 Es bestatteten aber den Stephanus gottesfürchtige Männer und hielten eine große Totenklage über ihn.

 

3 Saulus aber verwüstete die Gemeinde, ging in die Häuser hinein, schleppte Männer und Frauen fort und überlieferte sie ins Gefängnis.

 

4 Die nun Zerstreuten zogen umher und verkündigten das Wort.

 

5 Philippus aber kam hinab in die Stadt Samariens und predigte ihnen den Christus.

 

6 Die Volksmengen aber achteten einmütig auf das, was von Philippus gesagt wurde, indem sie hörten und die Zeichen sahen, die er tat.

 

7 Denn von vielen, die unreine Geister hatten, fuhren diese mit lauter Stimme schreiend aus; viele Gelähmte und Lahme aber wurden geheilt.

 

8 Und es entstand große Freude in jener Stadt.

 

9 Ein Mann aber mit Namen Simon war zuvor in der Stadt, trieb Zauberei und setzte das Volk Samariens in Erstaunen, indem er sagte, er sei etwas Großes.

 

10 Auf ihn achteten alle, vom Kleinsten bis zum Größten, und sagten: Dieser ist die Kraft Gottes, die die große genannt wird.

 

11 Sie achteten aber auf ihn, weil er sie geraume Zeit mit seinen Zaubereien in Erstaunen gesetzt hatte.

 

12 Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium vom Reich Gottes und vom Namen Jesu Christi verkündigte, ließen sich Männer und Frauen taufen.

 

13 Auch Simon selbst wurde gläubig, und nachdem er getauft war, hielt er sich beständig zu Philippus; und als er die Zeichen und großen Wunder sah, die geschahen, geriet er außer sich.

 

14 Als aber die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen.

 

15 Diese kamen hinab und beteten für sie, dass sie den heiligen Geist empfingen;

 

16 denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren nur getauft auf den Namen des Herrn Jesus.

 

17 Da legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den heiligen Geist.

 

18 Als aber Simon sah, dass durch die Handauflegung der Apostel der Geist gegeben wird, brachte er ihnen Geld

 

19 und sagte: Gebt auch mir diese Macht, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den heiligen Geist empfange.

 

20 Petrus aber sprach zu ihm: Dein Silber fahre mit dir ins Verderben, weil du meintest, die Gabe Gottes durch Geld erwerben zu können.

 

21 Du hast weder Teil noch Anrecht an dieser Sache, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott.

 

22 So tue nun Buße für diese deine Bosheit und bitte den Herrn, ob dir vielleicht der Anschlag deines Herzens vergeben werde;

 

23 denn ich sehe, dass du in bitterer Galle und in Banden der Ungerechtigkeit bist.

 

24 Simon aber antwortete und sprach: Betet ihr für mich zum Herrn, damit nichts über mich komme von dem, was ihr gesagt habt.

 

25 Nachdem sie nun Zeugnis abgelegt und das Wort des Herrn geredet hatten, kehrten sie nach Jerusalem zurück und verkündigten das Evangelium in vielen Dörfern der Samariter.

 

26 Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt; sie ist einsam.

 

27 Und er stand auf und ging. Und siehe, ein Äthiopier, ein Kämmerer, ein Gewaltiger der Kandake, der Königin der Äthiopier, der über ihren ganzen Schatz gesetzt war, war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.

 

28 Er war auf der Rückkehr, saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.

 

29 Der Geist aber sprach zu Philippus: Tritt hinzu und halte dich zu diesem Wagen.

 

30 Philippus lief hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen und sprach: Verstehst du auch, was du liest?

 

31 Er aber sprach: Wie könnte ich denn, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.

 

32 Die Stelle der Schrift aber, die er las, war diese: Wie ein Schaf wurde er zur Schlachtung geführt, und wie ein Lamm vor seinem Scherer stumm ist, so tut er seinen Mund nicht auf.

 

33 In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht aufgehoben; wer wird sein Geschlecht beschreiben? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.

 

34 Der Kämmerer aber antwortete Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet dies? Von sich selbst oder von einem anderen?

 

35 Philippus aber tat seinen Mund auf, begann mit dieser Schrift und verkündigte ihm das Evangelium von Jesus.

 

36 Als sie aber die Straße entlangzogen, kamen sie an ein Wasser, und der Kämmerer sprach: Siehe, hier ist Wasser; was hindert mich, getauft zu werden?

 

38 Und er ließ den Wagen halten, und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.

 

39 Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; denn er zog seines Weges mit Freuden.

 

40 Philippus aber wurde in Asdod gefunden; und er zog umher und verkündigte das Evangelium in allen Städten, bis er nach Cäsarea kam.

 

Kapitel 9

 

1 Saulus aber, der noch Drohung und Mord schnaubte gegen die Jünger des Herrn, ging zum Hohenpriester

 

2 und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er, wenn er einige fände, die dem Weg angehörten, Männer wie Frauen, sie gefesselt nach Jerusalem führe.

 

3 Als er aber unterwegs war, geschah es, dass er sich Damaskus näherte, und plötzlich umleuchtete ihn ein Licht vom Himmel,

 

4 und er fiel zur Erde und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich?

 

5 Er aber sagte: Wer bist du, Herr? Er aber: Ich bin Jesus, den du verfolgst;

 

6 aber steh auf und geh in die Stadt hinein, und es wird dir gesagt werden, was du tun musst.

 

7 Die Männer aber, die mit ihm reisten, standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden.

 

8 Saulus aber erhob sich von der Erde; obwohl seine Augen geöffnet waren, sah er nichts. Sie führten ihn an der Hand und brachten ihn nach Damaskus.

 

9 Und er war drei Tage lang ohne zu sehen und aß nicht und trank nicht.

 

10 Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias, und der Herr sprach zu ihm in einer Erscheinung: Hananias! Er aber sagte: Siehe, hier bin ich, Herr.

 

11 Der Herr aber zu ihm: Steh auf und geh in die Gasse, die die Gerade heißt, und suche im Haus des Judas einen Mann mit Namen Saulus aus Tarsus; denn siehe, er betet

 

12 und hat einen Mann mit Namen Hananias gesehen, der hereinkam und ihm [die] Hände auflegte, damit er wieder sehe.

 

13 Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat;

 

14 und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle zu fesseln, die deinen Namen anrufen.

 

15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh, denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen vor Völker und Könige und die Söhne Israels;

 

16 denn ich werde ihm zeigen, wie viel er um meines Namens willen leiden muss.

 

17 Hananias aber ging hin und trat in das Haus, legte ihm die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir erschienen ist auf dem Weg, den du kamst, damit du wieder siehst und mit heiligem Geist erfüllt wirst.

 

18 Und sogleich fiel es ihm von den Augen wie Schuppen, und er sah wieder, stand auf und ließ sich taufen,

 

19 und er nahm Nahrung zu sich und kam wieder zu Kräften. Er war aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus,

 

20 und sogleich verkündigte er in den Synagogen Jesus, dass dieser der Sohn Gottes sei.

 

21 Alle aber, die es hörten, gerieten außer sich und sagten: Ist das nicht der, der in Jerusalem die verheerte, die diesen Namen anrufen, und der hierher zu dem Zweck gekommen war, sie gefesselt vor die Hohenpriester zu führen?

 

22 Saulus aber wurde immer stärker und brachte die Juden, die in Damaskus wohnten, in Verwirrung, indem er bewies, dass dieser der Christus ist.

 

23 Als aber viele Tage vergangen waren, beschlossen die Juden, ihn zu töten;

 

24 Saulus aber wurde ihr Anschlag bekannt. Sie bewachten aber auch die Tore Tag und Nacht, um ihn zu töten;

 

25 seine Jünger aber nahmen ihn bei Nacht und ließen ihn durch die Mauer hinab, indem sie ihn in einem Korb herunterließen.

 

26 Als er aber nach Jerusalem kam, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen; und alle fürchteten sich vor ihm, da sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei.

 

27 Barnabas aber nahm ihn und führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Weg den Herrn gesehen und dass dieser zu ihm gesprochen habe und wie er in Damaskus freimütig im Namen Jesu geredet habe.

 

28 Und er ging bei ihnen ein und aus in Jerusalem und redete freimütig im Namen des Herrn;

 

29 er sprach und disputierte auch mit den Hellenisten, sie aber versuchten, ihn zu töten.

 

30 Als aber die Brüder es erfuhren, brachten sie ihn hinab nach Cäsarea und sandten ihn nach Tarsus.

 

31 Die Gemeinde nun in ganz Judäa und Galiläa und Samaria hatte Frieden, wurde erbaut und wandelte in der Furcht des Herrn und mehrte sich durch den Zuspruch des heiligen Geistes.

 

32 Es geschah aber, dass Petrus, als er überall umherzog, auch zu den Heiligen hinabkam, die in Lydda wohnten.

 

33 Er fand dort aber einen Menschen mit Namen Äneas, der seit acht Jahren auf einem Bett lag und gelähmt war.

 

34 Und Petrus sagte zu ihm: Äneas, Jesus Christus heilt dich; steh auf und mache dir selbst dein Bett! Und sogleich stand er auf.

 

35 Und es sahen ihn alle, die in Lydda und in Saron wohnten, und sie bekehrten sich zum Herrn.

 

36 In Joppe aber war eine Jüngerin mit Namen Tabitha, was übersetzt Dorkas heißt; diese war reich an guten Werken und Almosen, die sie tat.

 

37 Es geschah aber in jenen Tagen, dass sie krank wurde und starb; sie wuschen sie und legten [sie] in ein Obergemach.

 

38 Da aber Lydda nahe bei Joppe liegt, sandten die Jünger, als sie hörten, dass Petrus dort sei, zwei Männer zu ihm mit der Bitte: Zögere nicht, zu uns herüberzukommen!

 

39 Petrus aber stand auf und ging mit ihnen; als er ankam, führten sie ihn hinauf in das Obergemach, und alle Witwen traten zu ihm, weinten und zeigten die Unterkleider und Gewänder, die Dorkas gemacht hatte, als sie bei ihnen war.

 

40 Petrus aber trieb alle hinaus, kniete nieder und betete; dann wandte er sich zu dem Leichnam und sagte: Tabitha, steh auf! Sie aber öffnete ihre Augen, und als sie Petrus sah, setzte sie sich auf.

 

41 Er aber reichte ihr die Hand und richtete sie auf; dann rief er die Heiligen und die Witwen und stellte sie lebend vor sie hin.

 

42 Es wurde aber in ganz Joppe bekannt, und viele glaubten an den Herrn.

 

43 Es geschah aber, dass er viele Tage in Joppe blieb bei einem gewissen Simon, einem Gerber.

 

Kapitel 10

 

1 Es war aber ein Mann in Cäsarea mit Namen Kornelius, ein Hauptmann von der Kohorte, die die Italische genannt wird,

 

2 fromm und gottesfürchtig samt seinem ganzen Haus; er gab dem Volk viele Almosen und betete beständig zu Gott.

 

3 Der sah in einer Erscheinung deutlich, etwa um die neunte Stunde des Tages, einen Engel Gottes zu ihm hereinkommen, der zu ihm sprach: Kornelius!

 

4 Er aber blickte ihn an, erschrak und sprach: Was ist, Herr? Der aber sprach zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgestiegen zum Gedenken vor Gott.

 

5 Und nun sende Männer nach Joppe und lass einen gewissen Simon holen, der den Beinamen Petrus hat;

 

6 dieser ist zu Gast bei einem Gerber Simon, der ein Haus am Meer hat.

 

7 Als aber der Engel, der mit ihm redete, weggegangen war, rief er zwei seiner Hausknechte und einen frommen Soldaten von denen, die ihm dienten,

 

8 und erzählte ihnen alles und sandte sie nach Joppe.

 

9 Am folgenden Tag aber, als jene unterwegs waren und sich der Stadt näherten, stieg Petrus auf das Dach, um zu beten, um die sechste Stunde.

 

10 Da wurde er hungrig und wollte essen. Während sie aber zubereiteten, kam eine Verzückung über ihn,

 

11 und er sieht den Himmel geöffnet und ein Gefäß herabkommen wie ein großes Leinentuch, an vier Enden auf die Erde herabgelassen,

 

12 in dem sich alle Vierfüßler und Kriechtiere der Erde und Vögel des Himmels befanden.

 

13 Und eine Stimme geschah zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss!

 

14 Petrus aber sprach: Keineswegs, Herr; denn ich habe noch nie etwas Gemeines und Unreines gegessen.

 

15 Und wieder, zum zweiten Mal, eine Stimme zu ihm: Was Gott gereinigt hat, das nenne du nicht gemein!

 

16 Dies geschah dreimal, und sogleich wurde das Gefäß in den Himmel hinaufgenommen.

 

17 Während aber Petrus bei sich in Verlegenheit war, was die Erscheinung, die er gesehen hatte, bedeuten möge, siehe, da standen die von Kornelius gesandten Männer, die sich nach dem Haus Simons durchgefragt hatten, am Tor,

 

18 riefen und erkundigten sich, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu Gast sei.

 

19 Während Petrus noch über die Erscheinung nachsann, sprach der Geist: Siehe, drei Männer suchen dich;

 

20 steh auf, geh hinab und zieh mit ihnen ohne Bedenken, denn ich habe sie gesandt.

 

21 Petrus aber stieg hinab zu den Männern und sprach: Siehe, ich bin es, den ihr sucht. Was ist der Grund, weshalb ihr hier seid?

 

22 Sie aber sprachen: Kornelius, ein Hauptmann, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, der ein gutes Zeugnis hat beim ganzen Volk der Juden, hat von einem heiligen Engel die Weisung empfangen, dich in sein Haus holen zu lassen und Worte von dir zu hören.

 

23 Da rief er sie herein und beherbergte sie. Am folgenden Tag aber stand er auf und zog mit ihnen fort, und einige der Brüder aus Joppe begleiteten ihn.

 

24 Am folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber erwartete sie und hatte seine Verwandten und die vertrauten Freunde zusammengerufen.

 

25 Als es aber geschah, dass Petrus eintrat, ging ihm Kornelius entgegen, fiel ihm zu Füßen und huldigte ihm.

 

26 Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf! Auch ich bin ein Mensch.

 

27 Und im Gespräch mit ihm trat er ein und findet viele versammelt,

 

28 und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, sich einem Fremdstämmigen anzuschließen oder zu ihm zu gehen; mir aber hat Gott gezeigt, keinen Menschen gemein oder unrein zu nennen.

 

29 Darum bin ich auch ohne Widerspruch gekommen, als ich geholt wurde. Ich frage nun: Aus welchem Grund habt ihr mich holen lassen?

 

30 Und Kornelius sprach: Vor vier Tagen, bis zu dieser Stunde, betete ich um die neunte Stunde in meinem Haus, und siehe, ein Mann stand vor mir in glänzendem Gewand

 

31 und spricht: Kornelius, dein Gebet ist erhört worden, und deiner Almosen ist vor Gott gedacht worden.

 

32 Sende nun nach Joppe und lass Simon rufen, der den Beinamen Petrus hat; dieser ist zu Gast im Haus des Gerbers Simon am Meer.

 

33 Sogleich also sandte ich zu dir, und du hast wohl daran getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn aufgetragen ist.

 

34 Petrus aber tat den Mund auf und sprach: In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht,

 

35 sondern dass ihm in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt, angenehm ist.

 

36 Das Wort, er den Söhnen Israels gesandt hat, indem er Frieden verkündigte durch Jesus Christus – dieser ist aller Herr,

 

37 ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes verkündigte:

 

38 wie Gott Jesus von Nazareth mit heiligem Geist und Kraft gesalbt hat, der umherzog, Wohltaten erwies und alle heilte, die vom Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm.

 

39 Und wir sind Zeugen von allem, was er getan hat im Land der Juden und [in] Jerusalem. Ihn haben sie auch getötet, indem sie ihn an ein Holz hängten;

 

40 diesen hat Gott dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen,

 

41 nicht dem ganzen Volk, sondern den von Gott zuvor erwählten Zeugen, uns, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er von den Toten auferstanden war.

 

42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass dieser der von Gott bestimmte Richter der Lebenden und der Toten ist.

 

43 Von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden empfängt.

 

44 Während Petrus diese Worte noch redete, fiel der heilige Geist auf alle, die das Wort hörten.

 

45 Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, dass auch über die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen war;

 

46 denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen. Da antwortete Petrus:

 

47 Kann jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben wie auch wir?

 

48 Und er befahl, dass sie im Namen Jesu Christi getauft würden. Dann baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.

 

Kapitel 11

 

1 Es hörten aber die Apostel und die Brüder, die in Judäa waren, dass auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten.

 

2 Als aber Petrus nach Jerusalem hinaufkam, stritten die aus der Beschneidung mit ihm

 

3 und sagten: Du bist zu Männern hineingegangen, die unbeschnitten sind, und hast mit ihnen gegessen.

 

4 Petrus aber begann und legte es ihnen der Reihe nach dar und sprach:

 

5 Ich war in der Stadt Joppe im Gebet und sah in einer Verzückung ein Gesicht: ein Gefäß kam herab wie ein großes Leinentuch, an vier Zipfeln vom Himmel herabgelassen, und es kam bis zu mir.

 

6 Als ich hineinblickte, betrachtete ich es und sah die vierfüßigen Tiere der Erde und die wilden Tiere und die Kriechtiere und die Vögel des Himmels.

 

7 Ich hörte aber auch eine Stimme, die zu mir sprach: Steh auf, Petrus, schlachte und iss!

 

8 Ich aber sagte: Keineswegs, Herr, denn niemals ist etwas Gemeines oder Unreines in meinen Mund gekommen.

 

9 Da antwortete eine Stimme zum zweiten Mal vom Himmel: Was Gott gereinigt hat, das nenne du nicht gemein.

 

10 Dies geschah aber dreimal, und alles wurde wieder in den Himmel hinaufgezogen.

 

11 Und siehe, sogleich standen drei Männer vor dem Haus, in dem wir waren, von Cäsarea zu mir gesandt.

 

12 Der Geist aber sagte mir, ich solle mit ihnen gehen, ohne zu zweifeln. Es kamen aber auch diese sechs Brüder mit mir, und wir gingen in das Haus des Mannes hinein.

 

13 Er berichtete uns aber, wie er den Engel in seinem Haus stehen sah, der sprach: Sende nach Joppe und lass Simon holen, der Petrus genannt wird;

 

14 der wird Worte zu dir reden, durch die du gerettet werden wirst, du und dein ganzes Haus.

 

15 Als ich aber zu reden begann, fiel der Heilige Geist auf sie, wie auch auf uns am Anfang.

 

16 Da erinnerte ich mich an das Wort des Herrn, wie er sagte: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden.

 

17 Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die wir an den Herrn Jesus Christus geglaubt haben, wer war ich denn, dass ich Gott hätte wehren können?

 

18 Als sie das hörten, beruhigten sie sich und priesen Gott und sprachen: So hat Gott also auch den Heiden die Buße zum Leben gegeben.

 

19 Die nun, die durch die Bedrängnis, die wegen Stephanus entstanden war, zerstreut worden waren, zogen bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und redeten das Wort zu niemandem als allein zu Juden.

 

20 Es waren aber einige unter ihnen, Männer aus Zypern und Kyrene, die nach Antiochia kamen und auch zu den Griechen redeten und den Herrn Jesus verkündigten.

 

21 Und die Hand des Herrn war mit ihnen, und eine große Zahl, die gläubig wurde, bekehrte sich zum Herrn.

 

22 Die Kunde von ihnen aber kam der Gemeinde in Jerusalem zu Ohren, und sie sandten Barnabas aus, bis nach Antiochia zu gehen.

 

23 Als er ankam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte alle, mit festem Herzen beim Herrn zu bleiben;

 

24 denn er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens. Und eine beträchtliche Menge wurde dem Herrn hinzugetan.

 

25 Er zog aber nach Tarsus, um Saulus zu suchen,

 

26 und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochia. Es geschah aber, dass sie ein ganzes Jahr in der Gemeinde zusammenkamen und eine beträchtliche Menge lehrten und dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden.

 

27 In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochia herab.

 

28 Einer von ihnen aber, mit Namen Agabus, stand auf und zeigte durch den Geist an, dass eine große Hungersnot über den ganzen Erdkreis kommen werde; sie trat unter Klaudius ein.

 

29 Die Jünger aber beschlossen, jeder nach seinem Vermögen, den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Unterstützung zu senden;

 

30 was sie auch taten, indem sie es durch die Hand des Barnabas und Saulus an die Ältesten sandten.

 

Kapitel 12

 

1 Um jene Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, um ihnen Böses zu tun.

 

2 Jakobus aber, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten.

 

3 Als er aber sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und ließ auch Petrus ergreifen, es waren aber die Tage der ungesäuerten Brote,

 

4 und als er ihn festgenommen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und übergab ihn vier Abteilungen von je vier Soldaten zur Bewachung, in der Absicht, ihn nach dem Passa dem Volk vorzuführen.

 

5 So wurde Petrus nun im Gefängnis bewacht; von der Gemeinde aber wurde unablässig für ihn zu Gott gebetet.

 

6 Als aber Herodes ihn vorführen wollte, schlief Petrus in jener Nacht zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis.

 

7 Und siehe, ein Engel des Herrn trat hinzu, und Licht leuchtete in dem Raum; er schlug Petrus an die Seite, weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von den Händen.

 

8 Der Engel aber sprach zu ihm: Gürte dich und binde deine Sandalen an! Er tat es. Und er sagt zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir!

 

9 Und er ging hinaus und folgte ihm und wusste nicht, dass das, was durch den Engel geschah, wirklich war; er meinte vielmehr, eine Erscheinung zu sehen.

 

10 Als sie aber durch die erste und die zweite Wache hindurchgegangen waren, kamen sie an das eiserne Tor, das in die Stadt führt; dieses öffnete sich ihnen von selbst, und sie traten hinaus und gingen eine Gasse weiter, und sogleich schied der Engel von ihm.

 

11 Und als Petrus zu sich kam, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes und aus allem, was das Volk der Juden erwartete, errettet hat.

 

12 Und als er sich besonnen hatte, ging er zum Haus der Maria, der Mutter des Johannes mit dem Beinamen Markus, wo viele versammelt waren und beteten.

 

13 Als er aber an die Tür des Torwegs klopfte, kam eine Magd namens Rhode, um zu horchen.

 

14 Und als sie die Stimme des Petrus erkannte, öffnete sie vor Freude das Tor nicht, sondern lief hinein und berichtete, Petrus stehe vor dem Tor.

 

15 Sie aber sagten zu ihr: Du bist von Sinnen! Doch sie beteuerte, es sei so. Da sagten sie: Es ist sein Engel.

 

16 Petrus aber klopfte weiter; als sie öffneten, sahen sie ihn und gerieten außer sich.

 

17 Er aber winkte ihnen mit der Hand zu schweigen und erzählte ihnen, wie der Herr ihn aus dem Gefängnis geführt hatte, und sprach: Berichtet dies Jakobus und den Brüdern! Und er ging hinaus und zog an einen anderen Ort.

 

18 Als es aber Tag geworden war, entstand keine geringe Verwirrung unter den Soldaten, was wohl aus Petrus geworden sei.

 

19 Herodes aber, als er ihn suchen ließ und nicht fand, verhörte die Wachen und befahl, sie abzuführen; und er zog von Judäa hinab nach Cäsarea und hielt sich dort auf.

 

20 Er war aber erzürnt gegen die Tyrer und Sidonier; diese kamen einmütig zu ihm, und nachdem sie Blastus, den Kämmerer des Königs, gewonnen hatten, baten sie um Frieden, weil ihr Land vom königlichen Gebiet aus ernährt wurde.

 

21 An einem festgesetzten Tag aber legte Herodes das königliche Gewand an, setzte sich auf den Thronsitz und hielt eine Rede an sie.

 

22 Das Volk aber rief ihm zu: Das ist eines Gottes Stimme und nicht eines Menschen!

 

23 Sogleich aber schlug ihn ein Engel des Herrn, weil er Gott nicht die Ehre gab; und von Würmern zerfressen hauchte er sein Leben aus.

 

24 Das Wort Gottes aber wuchs und breitete sich aus.

 

25 Barnabas aber und Saulus kehrten nach Jerusalem zurück, nachdem sie den Dienst erfüllt hatten, und nahmen Johannes mit, der den Beinamen Markus trug.

 

Kapitel 13

 

1 In Antiochia gab es in der dortigen Gemeinde Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Lucius von Kyrene, ferner Manaën, der mit dem Tetrarchen Herodes aufgewachsen war, und Saulus.

 

2 Als sie dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir Barnabas und Saulus aus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe.

 

3 Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen.

 

4 Sie nun, vom Heiligen Geist ausgesandt, zogen hinab nach Seleukia und segelten von dort nach Zypern,

 

5 und als sie in Salamis waren, verkündeten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Sie hatten aber auch Johannes als Gehilfen.

 

6 Als sie die ganze Insel bis Paphos durchzogen hatten, fanden sie einen Mann, einen Zauberer und falschen Propheten, einen Juden mit Namen Barjesus,

 

7 der bei dem Prokonsul Sergius Paulus war, einem verständigen Mann. Dieser ließ Barnabas und Saulus rufen und begehrte, das Wort Gottes zu hören.

 

8 Ihnen aber widerstand Elymas, der Zauberer, so nämlich wird sein Name übersetzt, indem er suchte, den Prokonsul vom Glauben abzubringen.

 

9 Saulus aber, der auch Paulus heißt, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte ihn fest an

 

10 und sprach: O du, voll aller List und aller Bosheit, Sohn des Teufels, Feind aller Gerechtigkeit, wirst du nicht aufhören, die geraden Wege des Herrn zu verkehren?

 

11 Und nun siehe, die Hand des Herrn kommt über dich, und du wirst blind sein und die Sonne eine Zeit lang nicht sehen. Sogleich fiel Dunkel und Finsternis auf ihn, und er tappte umher und suchte Leute, die ihn an der Hand führten.

 

12 Da sah der Prokonsul, was geschehen war, und kam zum Glauben, voller Staunen über die Lehre des Herrn.

 

13 Von Paphos fuhren Paulus und seine Begleiter ab und kamen nach Perge in Pamphylien; Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück.

 

14 Sie aber zogen von Perge weiter und gelangten nach Antiochia in Pisidien, gingen am Sabbattag in die Synagoge und setzten sich.

 

15 Nach der Verlesung des Gesetzes und der Propheten sandten die Synagogenvorsteher zu ihnen und ließen sagen: Männer, Brüder, wenn ihr ein Wort der Ermahnung an das Volk habt, so redet.

 

16 Da stand Paulus auf, winkte mit der Hand und sprach: Männer von Israel und ihr, die ihr Gott fürchtet, hört!

 

17 Der Gott dieses Volkes Israel hat unsere Väter erwählt und das Volk erhöht während der Fremdlingschaft im Land Ägypten, und mit erhobenem Arm führte er sie von dort heraus,

 

18 und etwa vierzig Jahre lang ertrug er sie in der Wüste,

 

19 und er vertilgte sieben Völker im Land Kanaan und gab ihnen deren Land zum Erbe,

 

20 etwa vierhundertfünfzig Jahre lang. Und danach gab er ihnen Richter bis auf den Propheten Samuel.

 

21 Und von da an erbaten sie einen König, und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kis, einen Mann aus dem Stamm Benjamin, vierzig Jahre lang.

 

22 Und nachdem er ihn verworfen hatte, erweckte er ihnen David zum König, dem er auch bezeugend sagte: Ich habe David gefunden, den Sohn Isais, einen Mann nach meinem Herzen, der all meinen Willen tun wird.

 

23 Aus dessen Nachkommenschaft hat Gott gemäß der Verheißung Israel den Retter Jesus gebracht,

 

24 nachdem Johannes vor seinem Auftreten dem ganzen Volk Israel eine Taufe der Umkehr verkündet hatte.

 

25 Als aber Johannes seinen Lauf vollendete, sprach er: Für wen haltet ihr mich? Ich bin es nicht; aber siehe, nach mir kommt einer, dem ich nicht würdig bin, die Sandale von den Füßen zu lösen.

 

26 Männer, Brüder, Söhne des Geschlechts Abrahams, und ihr unter euch, die ihr Gott fürchtet: Uns ist das Wort dieses Heils gesandt worden. 27 Denn die Bewohner Jerusalems und ihre Oberen haben ihn nicht erkannt und haben die Stimmen der Propheten, die an jedem Sabbat verlesen werden, durch ihr Urteil erfüllt,

 

28 und obwohl sie keine Todesschuld fanden, verlangten sie von Pilatus, dass er hingerichtet werde.

 

29 Als sie aber alles vollbracht hatten, was über ihn geschrieben steht, nahmen sie ihn vom Holz und legten ihn in ein Grab.

 

30 Gott aber hat ihn von den Toten auferweckt;

 

31 und er erschien mehrere Tage hindurch denen, die mit ihm von Galiläa nach Jerusalem hinaufgezogen waren, die nun seine Zeugen vor dem Volk sind.

 

32 Und wir verkünden euch die frohe Botschaft, dass Gott die den Vätern gegebene Verheißung

 

33 an uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus auferweckte, wie auch im zweiten Psalm geschrieben steht: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt.

 

34 Dass er ihn aber von den Toten auferweckt hat, sodass er nicht mehr zur Verwesung zurückkehren wird, hat er so gesagt: Ich werde euch die heiligen, zuverlässigen Güter Davids geben.

 

35 Darum sagt er auch an anderer Stelle: Du wirst deinen Heiligen nicht die Verwesung sehen lassen.

 

36 Denn David, nachdem er in seinem Geschlecht dem Ratschluss Gottes gedient hatte, entschlief und wurde zu seinen Vätern versammelt und sah die Verwesung;

 

37 der aber, den Gott auferweckt hat, sah die Verwesung nicht.

 

38 So sei euch nun kund, Männer, Brüder, dass euch durch diesen Vergebung der Sünden verkündet wird, und von allem, wovon ihr im Gesetz des Mose nicht gerechtfertigt werden konntet,

 

39 wird in diesem jeder gerechtfertigt, der glaubt.

 

40 Seht also zu, dass nicht über euch komme, was in den Propheten gesagt ist:

 

41 Seht, ihr Verächter, und staunt und vergeht! Denn ich wirke ein Werk in euren Tagen, ein Werk, das ihr nicht glauben werdet, wenn es euch jemand erzählt.

 

42 Als sie aber hinausgingen, bat man sie, dass ihnen am nächsten Sabbat diese Worte gesagt würden.

 

43 Und nachdem die Versammlung aufgelöst war, folgten viele der Juden und der gottesfürchtigen Proselyten Paulus und Barnabas, die mit ihnen redeten und sie überzeugten, in der Gnade Gottes zu verharren.

 

44 Am folgenden Sabbat aber versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort des Herrn zu hören.

 

45 Als aber die Juden die Volksmengen sahen, wurden sie von Eifersucht erfüllt und widersprachen lästernd dem, was Paulus sagte.

 

46 Paulus und Barnabas aber sprachen freimütig: Euch musste das Wort Gottes zuerst gesagt werden; da ihr es aber von euch stoßt und euch selbst des ewigen Lebens nicht für würdig haltet, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden.

 

47 Denn so hat uns der Herr geboten: Ich habe dich zum Licht der Heiden gesetzt, dass du zum Heil seist bis an das Ende der Erde.

 

48 Als die Heiden das hörten, freuten sie sich und priesen das Wort des Herrn, und alle, die zum ewigen Leben bestimmt waren, wurden gläubig;

 

49 das Wort des Herrn aber breitete sich durch das ganze Land aus.

 

50 Die Juden jedoch hetzten die gottesfürchtigen, vornehmen Frauen und die Ersten der Stadt auf und erregten eine Verfolgung gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihrem Gebiet.

 

51 Sie aber schüttelten den Staub von ihren Füßen gegen sie ab und kamen nach Ikonion,

 

52 und die Jünger wurden erfüllt von Freude und Heiligem Geist.

 

Kapitel 14

 

1 Es geschah aber in Ikonium, dass sie auf gleiche Weise in die Synagoge der Juden hineingingen und so redeten, dass eine große Menge von Juden und Griechen gläubig wurde.

 

2 Die Juden aber, die ungehorsam blieben, erregten und verbitterten die Gemüter der Heiden gegen die Brüder.

 

3 Sie verweilten nun geraume Zeit und redeten freimütig im Vertrauen auf den Herrn, der dem Wort seiner Gnade Zeugnis gab, indem er Zeichen und Wunder durch ihre Hände geschehen ließ.

 

4 Die Menge der Stadt aber spaltete sich; die einen hielten es mit den Juden, die anderen mit den Aposteln.

 

5 Als sich aber ein Ansturm der Heiden und Juden samt ihren Obersten erhob, um sie zu misshandeln und zu steinigen,

 

6 bemerkten sie es und flohen in die Städte Lykaoniens, Lystra und Derbe, und in die Umgegend,

 

7 und dort verkündigten sie das Evangelium.

 

8 Und in Lystra saß ein Mann, kraftlos an den Füßen, lahm vom Mutterleib an, der niemals gegangen war.

 

9 Dieser hörte Paulus reden; der blickte ihn fest an, und als er sah, dass er Glauben hatte, gerettet zu werden,

 

10 sprach er mit lauter Stimme: Steh aufrecht auf deine Füße! Und er sprang auf und ging umher.

 

11 Als aber die Volksmengen sahen, was Paulus getan hatte, erhoben sie ihre Stimme und riefen auf Lykaonisch: Die Götter sind Menschen gleich geworden und zu uns herabgekommen!

 

12 Und sie nannten Barnabas Zeus, Paulus aber Hermes, weil er der Wortführer war.

 

13 Der Priester des Zeus aber, dessen Tempel vor der Stadt lag, brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte samt den Volksmengen opfern.

 

14 Als aber die Apostel Barnabas und Paulus das hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen unter die Menge und schrien:

 

15 Männer, warum tut ihr das? Auch wir sind Menschen von gleicher Art wie ihr und verkündigen euch, dass ihr euch von diesen nichtigen Dingen zu dem lebendigen Gott bekehren sollt, der den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat;

 

16 der in den vergangenen Geschlechtern alle Heiden ihre eigenen Wege gehen ließ.

 

17 Und doch hat er sich nicht unbezeugt gelassen, indem er Gutes tat, euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gab und eure Herzen mit Speise und Freude erfüllte.

 

18 Und obwohl sie dies sagten, brachten sie die Volksmengen kaum davon ab, ihnen zu opfern.

 

19 Es kamen aber Juden von Antiochia und Ikonium herbei, überredeten die Volksmengen, steinigten Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er sei tot.

 

20 Als aber die Jünger ihn umringten, stand er auf und ging in die Stadt hinein. Und am folgenden Tag zog er mit Barnabas nach Derbe.

 

21 Und nachdem sie in jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra und Ikonium und Antiochia zurück,

 

22 stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben, und dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.

 

23 Sie setzten ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste ein, beteten mit Fasten und befahlen sie dem Herrn an, an den sie gläubig geworden waren.

 

24 Und sie durchzogen Pisidien und kamen nach Pamphylien,

 

25 und nachdem sie in Perge das Wort geredet hatten, zogen sie hinab nach Attalia;

 

26 und von dort segelten sie nach Antiochia ab, von wo sie der Gnade Gottes übergeben worden waren zu dem Werk, das sie vollbracht hatten.

 

27 Als sie aber angekommen waren und die Gemeinde versammelt hatten, verkündeten sie, was alles Gott mit ihnen getan und dass er den Heiden die Tür des Glaubens geöffnet hatte.

 

28 Sie verweilten aber nicht geringe Zeit bei den Jüngern.

 

Kapitel 15

 

1 Und einige, die von Judäa herabgekommen waren, lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden.

 

2 Als aber Zwietracht und nicht geringer Streit zwischen Paulus und Barnabas und ihnen entstand, bestimmte man, dass Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen wegen dieser Streitfrage zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen sollten.

 

3 Sie nun, von der Gemeinde geleitet, zogen durch Phönizien und Samarien, erzählten von der Bekehrung der Heiden und bereiteten allen Brüdern große Freude.

 

4 Als sie aber nach Jerusalem kamen, wurden sie von der Gemeinde und den Aposteln und den Ältesten empfangen und verkündeten, was Gott alles mit ihnen getan hatte.

 

5 Es standen aber einige von der Partei der Pharisäer auf, die gläubig geworden waren, und sagten: Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten.

 

6 Da versammelten sich die Apostel und die Ältesten, um über diese Sache zu beraten.

 

7 Als aber viel Streit entstanden war, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Männer, Brüder, ihr wisst, dass Gott seit alten Tagen unter euch erwählt hat, dass durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hören und glauben sollten.

 

8 Und Gott, der die Herzen kennt, hat für sie Zeugnis abgelegt, indem er ihnen den Heiligen Geist gab wie auch uns,

 

9 und er machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, da er durch den Glauben ihre Herzen reinigte.

 

10 Warum versucht ihr nun Gott, indem ihr den Jüngern ein Joch auf den Nacken legt, das weder unsere Väter noch wir zu tragen vermochten?

 

11 Vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn Jesus gerettet zu werden, auf dieselbe Weise wie auch jene.

 

12 Da schwieg die ganze Menge, und sie hörten Barnabas und Paulus zu, die erzählten, welche Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden getan hatte.

 

13 Nachdem sie aber geschwiegen hatten, antwortete Jakobus und sprach: Ihr Männer, Brüder, hört mich an!

 

14 Simeon hat erzählt, wie Gott zuerst darauf gesehen hat, aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen.

 

1 5Und damit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht:

 

16 Danach werde ich zurückkehren und die zerfallene Hütte Davids wieder aufbauen, und ihre Trümmer werde ich wieder aufbauen und sie aufrichten,

 

17 damit die übrigen Menschen den Herrn suchen und alle Heiden, über die mein Name ausgerufen ist, spricht der Herr, der dies tut,

 

18 was von Ewigkeit her bekannt ist.

 

19 Darum urteile ich, dass man denen, die sich von den Heiden zu Gott bekehren, keine Beschwerlichkeiten machen soll,

 

20 sondern ihnen schreiben soll, sich zu enthalten von den Befleckungen der Götzen und von der Unzucht und vom Erstickten und vom Blut.

 

21 Denn Mose hat seit alten Geschlechtern in jeder Stadt seine Verkündiger, da er in den Synagogen an jedem Sabbat vorgelesen wird.  

 

22 Da beschlossen die Apostel und die Ältesten samt der ganzen Gemeinde, aus ihrer Mitte Männer zu erwählen und mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden: Judas, genannt Barsabbas, und Silas, führende Männer unter den Brüdern,

 

23 und schrieben durch ihre Hand: Die Apostel und die Ältesten, die Brüder, entbieten den Brüdern aus den Heiden in Antiochia und Syrien und Kilikien ihren Gruß.

 

24 Da wir gehört haben, dass einige, die von uns ausgegangen sind, euch mit Worten verwirrt und eure Seelen beunruhigt haben, ohne dass wir ihnen etwas aufgetragen hätten,

 

25 haben wir einmütig beschlossen, Männer zu erwählen und zu euch zu senden mit unseren geliebten Barnabas und Paulus,

 

26 Menschen, die ihr Leben hingegeben haben für den Namen unseres Herrn Jesus Christus.

 

27 Wir haben also Judas und Silas gesandt, die euch dasselbe auch mündlich verkünden werden.

 

28 Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gefallen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge:

 

29 euch zu enthalten von Götzenopferfleisch und Blut und Ersticktem und Unzucht; wenn ihr euch davor bewahrt, werdet ihr recht handeln. Lebt wohl!

 

30 Sie nun wurden entlassen und kamen nach Antiochia hinab, versammelten die Menge und übergaben den Brief.

 

31 Als sie ihn aber gelesen hatten, freuten sie sich über den Trost.

 

32 Judas und Silas, die selbst auch Propheten waren, ermahnten die Brüder mit vielen Worten und stärkten sie.

 

33 Nachdem sie aber einige Zeit dort verbracht hatten, wurden sie mit Frieden von den Brüdern zu denen entlassen, die sie gesandt hatten.

 

35 Paulus aber und Barnabas blieben in Antiochia, lehrten und verkündeten mit vielen anderen das Wort des Herrn.

 

36 Nach einigen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns umkehren und die Brüder in jeder Stadt besuchen, in der wir das Wort des Herrn verkündet haben, um zu sehen, wie es ihnen geht.

 

37 Barnabas aber wollte auch Johannes, genannt Markus, mitnehmen;

 

38 Paulus jedoch hielt es für richtig, den nicht mitzunehmen, der von Pamphylien an von ihnen abgefallen war und nicht mit ihnen zum Werk gegangen war.

 

39 Es entstand aber eine Erbitterung, sodass sie sich voneinander trennten und Barnabas den Markus mitnahm und nach Zypern segelte,

 

40 Paulus aber wählte Silas und zog aus, von den Brüdern der Gnade des Herrn anbefohlen.

 

41 Er durchzog aber Syrien und Kilikien und stärkte die Gemeinden.

 

 

 

Kapitel 16

 

 

 

1 Er kam aber nach Derbe und nach Lystra. Und siehe, dort war ein Jünger namens Timotheus, der Sohn einer gläubigen jüdischen Frau, aber eines griechischen Vaters,

 

2 der ein gutes Zeugnis hatte bei den Brüdern in Lystra und Ikonion.

 

3 Diesen wollte Paulus mit sich ziehen lassen, und er nahm ihn und beschnitt ihn um der Juden willen, die in jenen Gegenden waren; denn alle wussten, dass sein Vater ein Grieche war.

 

4 Als sie aber durch die Städte zogen, übergaben sie ihnen die Beschlüsse zur Beachtung, die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem gefasst worden waren.

 

5 Die Gemeinden nun wurden im Glauben gefestigt und nahmen an Zahl täglich zu.

 

6 Sie durchzogen aber Phrygien und das galatische Land, da sie vom Heiligen Geist gehindert wurden, das Wort in Asien zu verkünden;

 

7 als sie aber nach Mysien kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen, und der Geist Jesu ließ es ihnen nicht zu;

 

8 da zogen sie an Mysien vorbei und gingen hinab nach Troas.

 

9 Und in der Nacht erschien dem Paulus eine Erscheinung: Ein makedonischer Mann stand da, bat ihn und sprach: Komm herüber nach Makedonien und hilf uns!

 

10 Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, suchten wir sogleich nach Makedonien aufzubrechen, da wir schlossen, dass Gott uns berufen habe, ihnen das Evangelium zu verkünden.

 

11 Wir fuhren nun von Troas ab und segelten geradewegs nach Samothrake, am folgenden Tag nach Neapolis

 

12 und von dort nach Philippi, das eine Stadt des ersten Bezirks Makedoniens ist, eine Kolonie. Wir hielten uns in dieser Stadt einige Tage auf.

 

13 Am Sabbattag gingen wir zum Tor hinaus an einen Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten, und wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die zusammengekommen waren.

 

14 Und eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, die Gott verehrte, hörte zu; ihr öffnete der Herr das Herz, sodass sie auf das achtete, was von Paulus geredet wurde.

 

15 Als sie aber getauft worden war samt ihrem Haus, bat sie und sprach: Wenn ihr geurteilt habt, dass ich an den Herrn gläubig bin, so kommt in mein Haus und bleibt dort. Und sie nötigte uns.

 

16 Es geschah aber, als wir zur Gebetsstätte gingen, dass uns eine Magd begegnete, die einen Wahrsagegeist hatte und ihren Herren durch Wahrsagen viel Gewinn brachte.

 

17 Diese folgte dem Paulus und uns nach und schrie und sprach: Diese Menschen sind Knechte des höchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkünden.

 

18 Das tat sie viele Tage lang. Paulus aber wurde unwillig, wandte sich um und sprach zu dem Geist: Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, von ihr auszufahren. Und er fuhr aus zur selben Stunde.

 

19 Als aber ihre Herren sahen, dass die Hoffnung auf ihren Gewinn dahin war, ergriffen sie Paulus und Silas und schleppten sie auf den Markt vor die Obrigkeit,

 

20 und sie führten sie den Stadtrichtern vor und sprachen: Diese Menschen bringen unsere Stadt in Aufruhr; sie sind Juden

 

21 und verkünden Bräuche, die anzunehmen oder auszuüben uns als Römern nicht erlaubt ist.

 

22 Und die Menge erhob sich gegen sie, und die Stadtrichter rissen ihnen die Kleider ab und befahlen, sie mit Ruten zu schlagen;

 

23 und nachdem sie ihnen viele Schläge gegeben hatten, warfen sie sie ins Gefängnis und geboten dem Kerkermeister, sie sicher zu verwahren.

 

24 Der warf sie, als er solchen Befehl empfangen hatte, in das innere Gefängnis und schloss ihre Füße in den Block.

 

25 Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobsangen Gott, und die Gefangenen hörten ihnen zu.

 

26 Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundfesten des Gefängnisses erschüttert wurden; sogleich öffneten sich alle Türen, und die Fesseln aller lösten sich.

 

27 Als aber der Kerkermeister aus dem Schlaf auffuhr und die Türen des Gefängnisses offen sah, zog er das Schwert und wollte sich töten, da er meinte, die Gefangenen seien entflohen.

 

28 Paulus aber rief mit lauter Stimme und sprach: Tu dir nichts Böses an, denn wir sind alle hier!

 

29 Er aber forderte Licht, sprang hinein, fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen,

 

30 führte sie hinaus und sprach: Ihr Herren, was muss ich tun, damit ich gerettet werde?

 

31 Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du gerettet werden, du und dein Haus.

 

32 Und sie sagten ihm das Wort des Herrn samt allen, die in seinem Haus waren.

 

33 Und er nahm sie zu sich in jener Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab, und er wurde getauft, er und alle die Seinen, sogleich;

 

34 und er führte sie hinauf in sein Haus, setzte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Haus, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.

 

35 Als es aber Tag geworden war, sandten die Stadtrichter die Gerichtsdiener und ließen sagen: Lass jene Menschen frei!

 

36 Der Kerkermeister aber berichtete dem Paulus Worte: Die Stadtrichter haben hergesandt, dass ihr freigelassen werdet; so geht nun hinaus und zieht hin in Frieden.

 

37 Paulus aber sprach zu ihnen: Sie haben uns öffentlich ohne Urteil geschlagen, uns, die wir römische Bürger sind, und ins Gefängnis geworfen, und nun stoßen sie uns heimlich hinaus? Nicht doch! Sondern sie sollen selbst kommen und uns hinausführen.

 

38 Die Gerichtsdiener aber berichteten den Stadtrichtern diese Worte. Da fürchteten sie sich, als sie hörten, dass sie Römer seien,

 

39 und sie kamen, redeten ihnen zu, führten sie hinaus und baten sie, die Stadt zu verlassen.

 

40 Sie aber gingen aus dem Gefängnis und kehrten bei Lydia ein; und als sie die Brüder gesehen hatten, ermahnten sie sie und zogen fort.

 

Kapitel 17

 

1 Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich, wo eine Synagoge der Juden war.

 

2 Nach seiner Gewohnheit ging Paulus zu ihnen hinein und redete an drei Sabbaten mit ihnen aus den Schriften,

 

3 indem er eröffnete und darlegte, dass der Christus leiden und von den Toten auferstehen musste, und dass dieser Jesus, den ich euch verkündige, der Christus ist.

 

4 Und einige von ihnen ließen sich überzeugen und schlossen sich Paulus und Silas an, dazu eine große Menge der gottesfürchtigen Griechen und nicht wenige der vornehmsten Frauen.

 

5 Die Juden aber wurden eifersüchtig, nahmen einige böse Männer vom Marktgesindel zu sich, erregten einen Volksauflauf und brachten die Stadt in Aufruhr; und sie traten vor das Haus Jasons und suchten sie vor das Volk zu führen.

 

6 Da sie sie aber nicht fanden, schleppten sie Jason und einige Brüder vor die Stadtobersten und schrien: Diese, die den ganzen Erdkreis in Aufruhr gebracht haben, sind auch hier,

 

7 und Jason hat sie aufgenommen; und diese alle handeln den Verordnungen des Kaisers zuwider, indem sie sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus.

 

8 Sie beunruhigten aber die Menge und die Stadtobersten, die dies hörten,

 

9 und nachdem sie von Jason und den übrigen eine Bürgschaft erhalten hatten, ließen sie sie frei.

 

10 Die Brüder aber schickten sogleich in der Nacht Paulus und Silas nach Beröa fort; als diese dort angekommen waren, gingen sie in die Synagoge der Juden.

 

11 Diese aber waren edler als die in Thessalonich; sie nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf und forschten täglich in den Schriften, ob es sich so verhielte.

 

12 Viele nun von ihnen kamen zum Glauben, und auch von den angesehenen griechischen Frauen und Männern nicht wenige.

 

13 Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren, dass auch in Beröa das Wort Gottes von Paulus verkündigt wurde, kamen sie auch dorthin und erregten und verwirrten die Volksmengen.

 

14 Sogleich aber sandten da die Brüder Paulus fort, dass er bis ans Meer ziehe; Silas und Timotheus aber blieben dort zurück.

 

15 Die aber Paulus geleiteten, führten ihn bis nach Athen; und nachdem sie den Auftrag an Silas und Timotheus empfangen hatten, dass sie so schnell wie möglich zu ihm kommen sollten, reisten sie ab.

 

16 Während aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er sah, dass die Stadt voller Götzenbilder war.

 

17 Er redete nun in der Synagoge mit den Juden und den Gottesfürchtigen und auf dem Markt an jedem Tag mit denen, die er gerade antraf.

 

18 Einige aber auch von den epikureischen und stoischen Philosophen stritten mit ihm, und manche sagten: Was will wohl dieser Schwätzer sagen? Andere aber: Er scheint ein Verkündiger fremder Gottheiten zu sein, weil er Jesus und die Auferstehung als frohe Botschaft verkündete.

 

19 Sie ergriffen ihn und führten ihn auf den Areopag und sagten: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die von dir vorgetragen wird?

 

20 Denn du bringst Befremdliches vor unsere Ohren; wir wollen also wissen, was das bedeuten soll.

 

21 Alle Athener aber und die dort weilenden Fremden hatten für nichts anderes Zeit, als etwas Neues zu sagen oder zu hören.

 

22 Paulus aber trat mitten auf den Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr in jeder Hinsicht besonders gottesfürchtig seid.

 

23 Denn als ich umherging und eure Heiligtümer betrachtete, fand ich auch einen Altar, auf dem geschrieben stand: Dem unbekannten Gott. Was ihr nun, ohne es zu kennen, verehrt, das verkündige ich euch.

 

24 Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde ist, wohnt nicht in Tempeln, die von Händen gemacht sind,

 

25 noch lässt er sich von Menschenhänden bedienen, als bedürfte er etwas, da er selbst allen Leben und Odem und alles gibt.

 

26 Und er hat aus einem einzigen das ganze Menschengeschlecht gemacht, dass es auf dem ganzen Angesicht der Erde wohne, und hat festgesetzte Zeiten und die Grenzen ihres Wohnens bestimmt,

 

27 damit sie Gott suchen, ob sie ihn wohl ertasten und finden möchten — und er ist ja nicht fern von einem jeden von uns.

 

28 Denn in ihm leben, weben und sind wir, wie auch einige eurer Dichter gesagt haben: Denn wir sind auch seines Geschlechts.

 

29 Da wir nun Gottes Geschlecht sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei dem Gold oder Silber oder Stein gleich, einem Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.

 

30 Über die Zeiten der Unwissenheit nun hat Gott hinweggesehen; jetzt aber gebietet er den Menschen, dass alle überall Buße tun,

 

31 weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen den Glauben dargeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

 

32 Als sie aber von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, die anderen aber sagten: Wir wollen dich darüber ein andermal wieder hören.

 

33 So ging Paulus aus ihrer Mitte hinweg.

 

34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, und eine Frau namens Damaris und andere mit ihnen.

 

Kapitel 18

 

1 Danach verließ er Athen und kam nach Korinth.

 

2 Und er fand einen Juden namens Aquila, aus Pontus gebürtig, der kürzlich aus Italien gekommen war, und Priscilla, seine Frau, weil Claudius befohlen hatte, dass alle Juden Rom verlassen sollten; zu diesen ging er

 

3 und blieb bei ihnen, weil er dasselbe Handwerk hatte, und arbeitete; sie waren nämlich Zeltmacher von Beruf.

 

4 Er redete aber an jedem Sabbat in der Synagoge und suchte Juden und Griechen zu überzeugen.

 

5 Als aber Silas und Timotheus aus Makedonien herabkamen, widmete sich Paulus ganz dem Wort und bezeugte den Juden, dass Jesus der Christus sei.

 

6 Da sie sich aber widersetzten und lästerten, schüttelte er seine Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme über euer Haupt! Ich bin rein; von nun an werde ich zu den Heiden gehen.

 

7 Und er ging von dort weg und kam in das Haus eines Mannes namens Titius Justus, eines Gottesfürchtigen, dessen Haus an die Synagoge grenzte.

 

8 Krispus aber, der Synagogenvorsteher, wurde gläubig an den Herrn mit seinem ganzen Haus, und viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen.

 

9 Der Herr aber sprach nachts durch eine Erscheinung zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht,

 

10 denn ich bin mit dir, und niemand wird sich an dir vergreifen, um dir Böses zu tun; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.

 

11 Er blieb aber ein Jahr und sechs Monate dort und lehrte unter ihnen das Wort Gottes.

 

12 Als aber Gallio Prokonsul von Achaia war, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf und führten ihn vor den Richterstuhl

 

13 und sagten: Dieser überredet die Menschen, Gott entgegen dem Gesetz zu verehren.

 

14 Als aber Paulus den Mund öffnen wollte, sprach Gallio zu den Juden: Wenn es ein Unrecht oder ein böses Vergehen wäre, ihr Juden, so hätte ich euch billigerweise angehört;

 

15 wenn es aber Streitfragen sind über Lehre und Namen und das Gesetz, das euch angeht, so seht selbst zu; Richter über diese Dinge will ich nicht sein.

 

16 Und er trieb sie vom Richterstuhl weg.

 

17 Da ergriffen alle Sosthenes, den Synagogenvorsteher, und schlugen ihn vor dem Richterstuhl; und Gallio kümmerte sich um nichts von alledem.

 

18 Paulus aber blieb noch etliche Tage, nahm dann Abschied von den Brüdern und segelte nach Syrien ab, und mit ihm Priscilla und Aquila, nachdem er sich in Kenchreä das Haupt hatte scheren lassen, denn er hatte ein Gelübde.

 

19 Sie kamen aber nach Ephesus, und jene ließ er dort zurück; er selbst aber ging in die Synagoge und redete mit den Juden.

 

20 Als sie ihn aber baten, längere Zeit zu bleiben, willigte er nicht ein,

 

21 sondern nahm Abschied und sprach: Ich werde wieder zu euch zurückkehren, so Gott will; und er fuhr von Ephesus ab,

 

22 und als er nach Cäsarea gekommen war, zog er hinauf, grüßte die Gemeinde und ging hinab nach Antiochia.

 

23 Und nachdem er einige Zeit dort verbracht hatte, zog er aus und durchwanderte der Reihe nach das galatische Land und Phrygien und stärkte alle Jünger.

 

24 Ein Jude aber namens Apollos, aus Alexandria gebürtig, ein beredter Mann, kam nach Ephesus; er war mächtig in den Schriften.

 

25 Dieser war unterwiesen im Weg des Herrn, und brennend im Geist redete und lehrte er genau das, was Jesus betraf, obwohl er nur die Taufe des Johannes kannte.

 

26 Und dieser begann, freimütig in der Synagoge zu reden. Als aber Priscilla und Aquila ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg genauer aus.

 

27 Als er aber nach Achaia hinüberziehen wollte, ermunterten ihn die Brüder und schrieben den Jüngern, ihn aufzunehmen; und als er dort angekommen war, half er den Gläubigen viel durch die Gnade.

 

28 Denn kraftvoll widerlegte er die Juden öffentlich und wies durch die Schriften nach, dass Jesus der Christus ist.

 

Kapitel 19

 

1 Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, dass Paulus die oberen Gegenden durchzog und nach Ephesus hinabkam und einige Jünger fand

 

2 und zu ihnen sprach: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie aber sagten zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt.

 

3 Und er sprach: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber sagten: Auf die Taufe des Johannes.

 

4 Paulus aber sprach: Johannes taufte mit der Taufe der Buße und sagte dem Volk, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme, das heißt an Jesus.

 

5 Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen,

 

6 und als Paulus ihnen die Hände auflegte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Zungen und weissagten.

 

7 Es waren aber insgesamt etwa zwölf Männer.

 

8 Er ging aber in die Synagoge und redete freimütig drei Monate lang, indem er lehrte und von den Dingen des Reiches Gottes überzeugte.

 

9 Als aber einige sich verhärteten und ungehorsam waren und den Weg vor der Menge schmähten, trennte er sich von ihnen und sonderte die Jünger ab, indem er täglich in der Schule des Tyrannus lehrte.

 

10 Dies geschah zwei Jahre lang, sodass alle, die in Asien wohnten, das Wort des Herrn hörten, Juden wie Griechen.

 

11 Und Gott wirkte nicht geringe Wunder durch die Hände des Paulus,

 

12 sodass man sogar Schweißtücher oder Schurze von seinem Leib zu den Kranken brachte und die Krankheiten von ihnen wichen und die bösen Geister ausfuhren.

 

13 Es unternahmen aber auch einige von den umherziehenden jüdischen Beschwörern, über denen, die böse Geister hatten, den Namen des Herrn Jesus zu nennen, indem sie sagten: Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus verkündigt.

 

14 Es waren aber sieben Söhne eines gewissen Skevas, eines jüdischen Hohepriesters, die dies taten.

 

15 Der böse Geist aber antwortete und sprach zu ihnen: Jesus kenne ich, und von Paulus weiß ich; ihr aber, wer seid ihr?

 

16 Und der Mensch, in dem der böse Geist war, sprang auf sie, überwältigte sie alle und übte solche Gewalt gegen sie aus, dass sie nackt und verwundet aus jenem Haus flohen.

 

17 Dies aber wurde allen Juden und Griechen bekannt, die in Ephesus wohnten, und Furcht fiel auf sie alle, und der Name des Herrn Jesus wurde hoch gepriesen.

 

18 Und viele von denen, die gläubig geworden waren, kamen, bekannten und berichteten ihre Taten.

 

19 Etliche aber von denen, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre Bücher zusammen und verbrannten sie vor allen; und man berechnete ihren Wert und kam auf fünfzigtausend Silberstücke.

 

20 So wuchs das Wort des Herrn mit Macht und wurde stark.

 

21 Als dies aber erfüllt war, nahm sich Paulus im Geist vor, durch Makedonien und Achaia zu ziehen und nach Jerusalem zu reisen, indem er sprach: Nachdem ich dort gewesen bin, muss ich auch Rom sehen.

 

22 Er sandte aber zwei von denen, die ihm dienten, Timotheus und Erastus, nach Makedonien und blieb selbst noch eine Zeitlang in Asien.

 

23 Es entstand aber um jene Zeit ein nicht geringer Aufruhr wegen des Weges.

 

24 Denn ein gewisser Demetrius mit Namen, ein Silberschmied, der silberne Tempel der Artemis machte, verschaffte den Handwerkern nicht geringen Verdienst.

 

25 Diese versammelte er samt den Arbeitern desselben Gewerbes und sprach: Männer, ihr wisst, dass wir von diesem Erwerb unseren Wohlstand haben,

 

26 und ihr seht und hört, dass dieser Paulus nicht nur in Ephesus, sondern fast in ganz Asien eine große Menge überredet und abwendig gemacht hat, indem er sagt, dass die keine Götter seien, die mit Händen gemacht werden.

 

27 Nicht nur aber droht dieser unser Erwerbszweig in Verruf zu kommen, sondern auch der Tempel der großen Göttin Artemis wird für nichts geachtet werden, und ihre Herrlichkeit, die ganz Asien und der Erdkreis verehrt, wird untergehen.

 

28 Als sie das hörten, wurden sie voll Zorn und schrien: Groß ist die Artemis der Epheser!

 

29 Und die Stadt wurde von der Verwirrung erfüllt, und sie stürmten einmütig ins Theater und rissen Gaius und Aristarchus mit sich, Makedonier, Reisegefährten des Paulus.

 

30 Als aber Paulus unter das Volk gehen wollte, ließen es die Jünger nicht zu;

 

31 auch einige von den Asiarchen, die ihm freundlich gesinnt waren, sandten zu ihm und baten ihn, sich nicht ins Theater zu begeben.

 

32 Die einen schrien nun dies, die anderen das; denn die Versammlung war in Verwirrung, und die meisten wussten nicht, weswegen sie zusammengekommen waren.

 

33 Aus der Menge aber zog man Alexander hervor, da die Juden ihn vorschoben; Alexander aber winkte mit der Hand und wollte sich vor dem Volk verteidigen.

 

34 Als sie aber erkannten, dass er ein Jude war, erhob sich eine einzige Stimme von allen, die etwa zwei Stunden lang schrien: Groß ist die Artemis der Epheser!

 

35 Der Stadtschreiber aber beruhigte die Menge und sprach: Männer von Ephesus, welcher Mensch weiß denn nicht, dass die Stadt der Epheser die Tempelhüterin der großen Artemis und ihres vom Himmel gefallenen Bildes ist?

 

36 Da dies nun unwidersprechlich ist, geziemt es euch, ruhig zu sein und nichts Übereiltes zu tun.

 

37 Denn ihr habt diese Männer hergeführt, die weder Tempelräuber sind noch unsere Göttin lästern.

 

38 Wenn nun Demetrius und die Handwerker mit ihm gegen jemanden eine Klage haben, es werden Gerichtstage gehalten, und es gibt Statthalter; sie mögen einander verklagen.

 

39 Wenn ihr aber etwas darüber hinaus begehrt, so wird es in der gesetzmäßigen Versammlung entschieden werden.

 

40 Denn wir laufen Gefahr, wegen des heutigen Tages des Aufruhrs angeklagt zu werden, da kein Grund vorliegt, mit dem wir diesen Auflauf rechtfertigen könnten. Und als er dies gesagt hatte, entließ er die Versammlung.

 

Kapitel 20

 

1 Als aber der Tumult sich gelegt hatte, ließ Paulus die Jünger zu sich rufen, ermahnte sie, nahm Abschied und zog fort, um nach Makedonien zu reisen.

 

2 Nachdem er jene Gegenden durchzogen und sie mit vielen Worten ermahnt hatte, kam er nach Griechenland

 

3 und verbrachte dort drei Monate. Da ihm von den Juden ein Anschlag bereitet wurde, als er nach Syrien abfahren wollte, fasste er den Entschluss, durch Makedonien zurückzukehren.

 

4 Es begleiteten ihn aber Sopater, der Sohn des Pyrrhus, aus Beröa, von den Thessalonichern Aristarchus und Sekundus, ferner Gajus aus Derbe und Timotheus, und aus Asien Tychikus und Trophimus.

 

5 Diese gingen voraus und warteten auf uns in Troas.

 

6 Wir aber segelten nach den Tagen der ungesäuerten Brote von Philippi ab und kamen binnen fünf Tagen zu ihnen nach Troas, wo wir sieben Tage verweilten.

 

7 Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, um das Brot zu brechen, redete Paulus zu ihnen, da er am folgenden Tag abreisen wollte, und dehnte die Rede bis Mitternacht aus.

 

8 Es waren aber viele Lampen in dem Obersaal, wo wir versammelt waren.

 

9 Ein junger Mann aber namens Eutychus saß am Fenster und sank, da Paulus so lange redete, in tiefen Schlaf; vom Schlaf überwältigt fiel er vom dritten Stockwerk hinunter und wurde tot aufgehoben.

 

10 Paulus aber stieg hinab, warf sich über ihn, umfasste ihn und sprach: Beunruhigt euch nicht, denn seine Seele ist in ihm.

 

11 Dann ging er wieder hinauf, brach das Brot, aß und redete noch lange mit ihnen bis zum Morgengrauen; so zog er fort.

 

12 Sie aber führten den Knaben lebend herbei und wurden nicht wenig getröstet.

 

13 Wir aber gingen voraus zum Schiff und fuhren nach Assos ab, um dort Paulus an Bord zu nehmen; denn so hatte er es angeordnet, da er selbst zu Fuß gehen wollte.

 

14 Als er aber in Assos mit uns zusammentraf, nahmen wir ihn auf und kamen nach Mitylene.

 

15 Von dort segelten wir ab und gelangten am folgenden Tag auf die Höhe von Chios; am anderen Tag legten wir bei Samos an, und am nächsten Tag kamen wir nach Milet.

 

16 Denn Paulus hatte beschlossen, an Ephesus vorbeizusegeln, damit er in Asien keine Zeit verlöre; denn er eilte, um wenn möglich am Pfingsttag in Jerusalem zu sein.

 

17 Von Milet aus aber sandte er nach Ephesus und ließ die Ältesten der Gemeinde herbeirufen.

 

18 Als sie zu ihm gekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr wisst, wie ich vom ersten Tag an, da ich Asien betrat, die ganze Zeit bei euch gewesen bin,

 

19 dem Herrn dienend in aller Demut und unter Tränen und Anfechtungen, die mir durch die Anschläge der Juden widerfuhren;

 

20 wie ich nichts von dem, was nützlich ist, verschwiegen habe, um es euch zu verkündigen und euch öffentlich und in den Häusern zu lehren,

 

21 indem ich Juden wie Griechen die Umkehr zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus bezeugte.

 

22 Und nun, siehe, gebunden im Geist reise ich nach Jerusalem und weiß nicht, was mir dort begegnen wird,

 

23 außer dass der Heilige Geist mir in jeder Stadt bezeugt und sagt, dass Fesseln und Bedrängnisse mich erwarten.

 

24 Aber ich achte mein Leben in keiner Weise für mich selbst wert, wenn ich nur meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich vom Herrn Jesus empfangen habe: das Evangelium von der Gnade Gottes zu bezeugen.

 

25 Und nun, siehe, ich weiß, dass ihr alle, unter denen ich umhergezogen bin und das Reich verkündigt habe, mein Angesicht nicht mehr sehen werdet.

 

26 Darum bezeuge ich euch am heutigen Tag, dass ich rein bin vom Blut aller;

 

27 denn ich habe nichts verschwiegen, sondern euch den ganzen Ratschluss Gottes verkündigt.

 

28 Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Aufsehern gesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu weiden, die er sich durch sein eigenes Blut erworben hat.

 

29 Ich weiß, dass nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht schonen,

 

30 und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes reden, um die Jünger hinter sich her wegzuziehen.

 

31 Darum wacht und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, unter Tränen einen jeden zu ermahnen.

 

32 Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, der die Macht hat, aufzubauen und das Erbe zu geben unter allen Geheiligten.

 

33 Silber oder Gold oder Kleidung habe ich von niemandem begehrt;

 

34 ihr selbst wisst, dass diese Hände für meine Bedürfnisse und für die, welche bei mir waren, gesorgt haben.

 

35 In allem habe ich euch gezeigt, dass man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen soll und der Worte des Herrn Jesus gedenken, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen.

 

36 Und als er dies gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen.

 

37 Es entstand aber ein großes Weinen bei allen, und sie fielen Paulus um den Hals und küssten ihn,

 

38 am meisten betrübt über das Wort, das er gesprochen hatte, dass sie sein Angesicht nicht mehr sehen würden. Und sie geleiteten ihn zum Schiff.

 

Kapitel 21

 

1 Als es aber geschah, dass wir abfuhren, nachdem wir uns von ihnen losgerissen hatten, kamen wir geraden Laufs nach Kos, am folgenden Tag nach Rhodos und von dort nach Patara.

 

2 Und als wir ein Schiff fanden, das nach Phönizien hinüberfuhr, stiegen wir ein und fuhren ab.

 

3 Als wir Zypern sichteten und es zur Linken liegen ließen, segelten wir nach Syrien und legten in Tyrus an; denn dort sollte das Schiff seine Ladung löschen.

 

4 Wir suchten die Jünger auf und blieben sieben Tage dort; diese sagten dem Paulus durch den Geist, er solle nicht nach Jerusalem hinaufgehen.

 

5 Als aber die Tage für uns vollendet waren, zogen wir hinaus und machten uns auf den Weg, wobei alle mit Frauen und Kindern uns bis vor die Stadt hinaus geleiteten, und wir knieten am Strand nieder, beteten

 

6 und verabschiedeten uns voneinander; dann stiegen wir in das Schiff, jene aber kehrten in ihre Häuser zurück.

 

7 Wir aber vollendeten die Fahrt von Tyrus und gelangten nach Ptolemaïs, grüßten die Brüder und blieben einen Tag bei ihnen.

 

8 Am folgenden Tag zogen wir weiter und kamen nach Cäsarea, gingen in das Haus des Philippus, des Evangelisten, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm.

 

9 Dieser hatte vier Töchter, Jungfrauen, die weissagten.

 

10 Als wir aber mehrere Tage blieben, kam ein Prophet mit Namen Agabus aus Judäa herab,

 

11 und als er zu uns kam, nahm er den Gürtel des Paulus, band sich Füße und Hände und sprach: Dies sagt der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Heiden ausliefern.

 

12 Als wir das hörten, baten wir und die Einheimischen ihn, nicht nach Jerusalem hinaufzugehen.

 

13 Da antwortete Paulus: Was tut ihr, dass ihr weint und mir das Herz zerbrecht? Denn ich bin bereit, nicht nur gebunden zu werden, sondern auch in Jerusalem zu sterben für den Namen des Herrn Jesus.

 

14 Da er sich nicht überreden ließ, gaben wir uns zufrieden und sprachen: Der Wille des Herrn geschehe.

 

15 Nach diesen Tagen machten wir uns bereit und zogen hinauf nach Jerusalem.

 

16 Es kamen auch einige der Jünger aus Cäsarea mit uns und brachten uns zu einem gewissen Mnason aus Zypern, einem alten Jünger, bei dem wir wohnen sollten.

 

17 Als wir nach Jerusalem kamen, nahmen uns die Brüder freudig auf.

 

18 Am folgenden Tag ging Paulus mit uns zu Jakobus hinein, und alle Ältesten fanden sich ein.

 

19 Und nachdem er sie begrüßt hatte, erzählte er im Einzelnen, was Gott unter den Heiden durch seinen Dienst getan hatte.

 

20 Als sie es hörten, priesen sie Gott und sprachen zu ihm: Du siehst, Bruder, wie viele Zehntausende unter den Juden gläubig geworden sind, und alle sind Eiferer für das Gesetz.

 

21 Es ist ihnen aber über dich berichtet worden, dass du alle Juden unter den Heiden den Abfall von Mose lehrst, indem du sagst, sie sollten ihre Kinder nicht beschneiden und nicht nach den Bräuchen wandeln.

 

22 Was ist nun zu tun? Jedenfalls werden sie hören, dass du gekommen bist.

 

23 Tu also, was wir dir sagen: Wir haben vier Männer, die ein Gelübde auf sich haben.

 

24 Diese nimm zu dir, lass dich mit ihnen reinigen und trage die Kosten für sie, damit sie sich das Haupt scheren lassen; so werden alle erkennen, dass nichts an dem ist, was ihnen über dich berichtet worden ist, sondern dass auch du selbst im Halten des Gesetzes wandelst.

 

25 Über die gläubig gewordenen Heiden aber haben wir geschrieben und entschieden, dass sie sich hüten sollen vor dem Götzenopferfleisch, vor Blut, Ersticktem und Unzucht.

 

26 Da nahm Paulus die Männer zu sich, ließ sich am folgenden Tag mit ihnen reinigen, ging in den Tempel und zeigte die Erfüllung der Tage der Reinigung an, bis für einen jeden von ihnen das Opfer dargebracht war.

 

27 Als aber die sieben Tage sich vollenden sollten, sahen ihn die Juden aus Asien im Tempel, brachten das ganze Volk in Aufruhr und legten Hand an ihn

 

28 und schrien: Ihr Männer von Israel, helft! Dies ist der Mensch, der alle überall gegen das Volk und das Gesetz und diesen Ort lehrt; dazu hat er auch Griechen in den Tempel geführt und diese heilige Stätte entweiht.

 

29 Sie hatten nämlich zuvor Trophimus, den Epheser, mit ihm in der Stadt gesehen und meinten, Paulus habe ihn in den Tempel geführt.

 

30 Da geriet die ganze Stadt in Bewegung, und es entstand ein Auflauf des Volkes; sie ergriffen Paulus und schleppten ihn aus dem Tempel hinaus, und sogleich wurden die Türen geschlossen.

 

31 Als sie ihn aber zu töten suchten, kam die Meldung hinauf zum Obersten der Kohorte, ganz Jerusalem sei in Aufruhr.

 

32 Der nahm sogleich Soldaten und Hauptleute mit sich und lief zu ihnen hinab; als sie aber den Obersten und die Soldaten sahen, hörten sie auf, Paulus zu schlagen.

 

33 Da trat der Oberst hinzu, ergriff ihn und befahl, ihn mit zwei Ketten zu binden, und erkundigte sich, wer er sei und was er getan habe.

 

34 In der Menge aber rief der eine dies, der andere das. Da er wegen des Lärms nichts Sicheres erfahren konnte, befahl er, ihn in die Kaserne zu führen.

 

35 Als er aber an die Stufen kam, geschah es, dass er von den Soldaten getragen werden musste wegen der Gewalt der Menge;

 

36 denn die Volksmenge folgte und schrie: Weg mit ihm!

 

37 Als Paulus in die Kaserne geführt werden sollte, sagte er zum Obersten: Ist es mir erlaubt, etwas zu dir zu sagen? Der sprach: Verstehst du Griechisch?

 

38 Bist du also nicht der Ägypter, der vor diesen Tagen einen Aufstand gemacht und die viertausend Mann von den Sikariern in die Wüste hinausgeführt hat?

 

39 Paulus aber sprach: Ich bin ein jüdischer Mann aus Tarsus in Kilikien, Bürger einer nicht unbedeutenden Stadt; ich bitte dich aber, erlaube mir, zum Volk zu reden.

 

40 Als er es erlaubte, stellte sich Paulus auf die Stufen und winkte dem Volk mit der Hand. Als große Stille eintrat, redete er sie in hebräischer Sprache an und sprach:

 

Kapitel 22

 

1 Ihr Männer, Brüder und Väter, hört nun meine Verteidigung vor euch!

 

2 Als sie aber hörten, dass er sie in hebräischer Sprache anredete, wurden sie noch stiller. Und er sprach:

 

3 Ich bin ein jüdischer Mann, geboren in Tarsus in Kilikien, aber aufgewachsen in dieser Stadt, zu den Füßen Gamaliels erzogen nach der Strenge des väterlichen Gesetzes, ein Eiferer für Gott, wie ihr alle es heute seid.

 

4 Ich habe diesen Weg bis auf den Tod verfolgt, indem ich Männer und Frauen fesselte und in die Gefängnisse überlieferte,

 

5 wie mir auch der Hohepriester bezeugt und die ganze Ältestenschaft, von denen ich auch Briefe an die Brüder empfing und nach Damaskus reiste, um auch die, die dort waren, gefesselt nach Jerusalem zu führen, damit sie bestraft würden.

 

6 Es geschah mir aber, als ich unterwegs war und mich Damaskus näherte, dass um die Mittagszeit plötzlich vom Himmel her ein helles Licht mich umstrahlte,

 

7 und ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die zu mir sprach: Saul, Saul, warum verfolgst du mich?

 

8 Ich aber antwortete: Wer bist du, Herr? Und er sprach zu mir: Ich bin Jesus, der Nazoräer, den du verfolgst.

 

9 Die aber bei mir waren, sahen zwar das Licht, hörten aber nicht die Stimme dessen, der mit mir redete.

 

10 Ich sprach aber: Was soll ich tun, Herr? Der Herr aber sprach zu mir: Steh auf und geh nach Damaskus, und dort wird dir über alles gesagt werden, was dir zu tun bestimmt ist.

 

11 Da ich aber vor dem Glanz jenes Lichtes nicht sehen konnte, wurde ich von meinen Begleitern an der Hand geführt und kam nach Damaskus.

 

12 Ein gewisser Hananias aber, ein frommer Mann nach dem Gesetz, der ein gutes Zeugnis hatte von allen dort wohnenden Juden,

 

13 kam zu mir, trat vor mich und sprach zu mir: Bruder Saul, sieh wieder! Und ich sah in derselben Stunde zu ihm auf.

 

14 Er aber sprach: Der Gott unserer Väter hat dich dazu bestimmt, seinen Willen zu erkennen und den Gerechten zu sehen und die Stimme aus seinem Munde zu hören,

 

15 denn du wirst ihm vor allen Menschen ein Zeuge sein von dem, was du gesehen und gehört hast.

 

16 Und nun, was zögerst du? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst.

 

17 Es geschah mir aber, als ich nach Jerusalem zurückgekehrt war und im Tempel betete, dass ich in Verzückung geriet

 

18 und ihn sah, wie er zu mir sprach: Eile und geh schnell aus Jerusalem hinaus, denn sie werden dein Zeugnis über mich nicht annehmen.

 

19 Und ich sprach: Herr, sie wissen selbst, dass ich es war, der die, die an dich glauben, in den Synagogen gefangen setzte und schlug,

 

20 und als das Blut des Stephanus, deines Zeugen, vergossen wurde, stand ich auch selbst dabei, hatte Wohlgefallen daran und verwahrte die Kleider derer, die ihn töteten.

 

21 Und er sprach zu mir: Geh, denn ich werde dich in die Ferne zu den Heiden senden.

 

22 Sie hörten ihm aber bis zu diesem Wort zu; dann erhoben sie ihre Stimme und riefen: Weg von der Erde mit einem solchen, denn es ziemt sich nicht, dass er lebt!

 

23 Als sie aber schrien und die Kleider von sich warfen und Staub in die Luft schleuderten,

 

24 befahl der Oberst, ihn in die Kaserne zu führen, und ordnete an, ihn unter Geißelhieben zu verhören, damit er erfahre, aus welchem Grund sie so gegen ihn schrien.

 

25 Als sie ihn aber mit den Riemen ausstreckten, sprach Paulus zu dem dabeistehenden Hauptmann: Ist es euch erlaubt, einen römischen Menschen, und noch dazu unverurteilt, zu geißeln?

 

26 Als der Hauptmann das hörte, ging er zum Obersten und meldete es und sprach: Was willst du tun? Denn dieser Mensch ist ein Römer.

 

27 Da trat der Oberst herzu und sprach zu ihm: Sage mir, bist du ein Römer? Er aber sprach: Ja.

 

28 Der Oberst antwortete: Ich habe dieses Bürgerrecht um eine große Summe erworben. Paulus aber sprach: Ich aber bin sogar darin geboren.

 

29 Sogleich traten die, die ihn verhören sollten, von ihm zurück; und auch der Oberst fürchtete sich, als er erfuhr, dass er ein Römer war und dass er ihn hatte fesseln lassen.

 

30 Am folgenden Tag aber, da er Gewisses erfahren wollte, weswegen er von den Juden angeklagt wurde, ließ er ihn losbinden und befahl, dass die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat zusammenkommen sollten; und er führte Paulus hinab und stellte ihn vor sie.

 

Kapitel 23

 

1 Paulus aber blickte den Hohen Rat fest an und sprach: Ihr Männer, Brüder, ich habe mit gänzlich gutem Gewissen vor Gott gelebt bis auf diesen Tag.

 

2 Der Hohepriester Hananias aber befahl denen, die bei ihm standen, ihn auf den Mund zu schlagen.

 

3 Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand! Du sitzt da, um mich nach dem Gesetz zu richten, und befiehlst gegen das Gesetz, mich zu schlagen?

 

4 Die Umstehenden aber sagten: Schmähst du den Hohenpriester Gottes?

 

5 Und Paulus sprach: Ich wusste nicht, Brüder, dass er Hoherpriester ist; denn es steht geschrieben: Über einen Obersten deines Volkes sollst du nicht übel reden.

 

6 Da nun Paulus erkannte, dass der eine Teil aus Sadduzäern, der andere aber aus Pharisäern bestand, rief er im Hohen Rat: Ihr Männer, Brüder, ich bin ein Pharisäer, Sohn von Pharisäern; wegen der Hoffnung und der Auferstehung der Toten werde ich gerichtet.

 

7 Als er dies gesagt hatte, entstand ein Streit zwischen den Pharisäern und Sadduzäern, und die Menge spaltete sich.

 

8 Denn die Sadduzäer sagen, es gebe keine Auferstehung, weder Engel noch Geist; die Pharisäer aber bekennen beides.

 

9 Es entstand aber ein großes Geschrei, und einige Schriftgelehrte von der Partei der Pharisäer standen auf, stritten heftig und sagten: Wir finden nichts Böses an diesem Menschen. Wenn aber ein Geist zu ihm geredet hat oder ein Engel?

 

10 Als aber der Streit groß wurde, fürchtete der Oberst, Paulus könnte von ihnen zerrissen werden, und befahl der Truppe, hinabzusteigen, ihn aus ihrer Mitte zu reißen und in die Kaserne zu führen.

 

11 In der folgenden Nacht aber trat der Herr zu ihm und sprach: Sei getrost! Denn wie du in Jerusalem von mir Zeugnis abgelegt hast, so musst du auch in Rom Zeugnis ablegen.

 

12 Als es aber Tag wurde, rotteten sich die Juden zusammen und verfluchten sich selbst mit dem Schwur, weder zu essen noch zu trinken, bis sie Paulus getötet hätten.

 

13 Es waren aber mehr als vierzig, die diese Verschwörung gemacht hatten;

 

14 diese gingen zu den Hohenpriestern und Ältesten und sprachen: Wir haben uns mit einem Fluch verschworen, nichts zu kosten, bis wir Paulus getötet haben.

 

15 Nun also macht ihr samt dem Hohen Rat dem Obersten die Anzeige, damit er ihn zu euch herabführe, als wolltet ihr seine Sache genauer untersuchen; wir aber sind bereit, ihn zu töten, ehe er nahe kommt.

 

16 Als aber der Sohn der Schwester des Paulus von dem Anschlag hörte, kam er, ging in die Kaserne hinein und berichtete es Paulus.

 

17 Paulus aber rief einen der Hauptleute zu sich und sprach: Führe diesen jungen Mann zum Obersten, denn er hat ihm etwas zu berichten.

 

18 Der nahm ihn also mit, führte ihn zum Obersten und sagte: Der Gefangene Paulus rief mich zu sich und bat mich, diesen jungen Mann zu dir zu führen, da er dir etwas zu sagen habe.

 

19 Der Oberst aber nahm ihn bei der Hand, ging mit ihm beiseite und fragte: Was ist es, das du mir zu berichten hast?

 

20 Er aber sagte: Die Juden haben sich verabredet, dich zu bitten, dass du morgen Paulus in den Hohen Rat hinabführst, als wolle man etwas genauer über ihn erkunden.

 

21 Du aber lass dich nicht von ihnen überreden; denn mehr als vierzig Männer von ihnen lauern ihm auf, die sich verflucht haben, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn getötet haben; und jetzt sind sie bereit und warten auf deine Zusage.

 

22 Der Oberst nun entließ den jungen Mann und gebot ihm: Sage niemandem, dass du mir dies angezeigt hast.

 

23 Und er rief zwei von den Hauptleuten zu sich und sprach: Haltet zweihundert Soldaten bereit, dass sie bis Cäsarea ziehen, und siebzig Reiter und zweihundert Lanzenträger, von der dritten Stunde der Nacht an;

 

24 auch Tiere sollten sie bereitstellen, um Paulus daraufzusetzen und ihn sicher zum Statthalter Felix zu bringen.

 

25 Und er schrieb einen Brief folgenden Inhalts:

 

26 Klaudius Lysias entbietet dem hochedlen Statthalter Felix seinen Gruß.

 

27 Diesen Mann, der von den Juden ergriffen wurde und von ihnen getötet werden sollte, habe ich mit der Truppe befreit, da ich erfuhr, dass er Römer ist.

 

28 Und da ich die Ursache erfahren wollte, weshalb sie ihn anklagten, führte ich ihn in ihren Hohen Rat hinab.

 

29 Da fand ich, dass er wegen Streitfragen ihres Gesetzes angeklagt wurde, aber keine Anklage gegen ihn vorlag, die Tod oder Fesseln verdiente.

 

30 Da mir aber angezeigt wurde, dass ein Anschlag gegen den Mann geplant sei, habe ich ihn sogleich zu dir gesandt und auch den Anklägern befohlen, ihre Sache gegen ihn vor dir vorzubringen.

 

31 Die Soldaten nun nahmen, wie ihnen befohlen war, Paulus und führten ihn bei Nacht nach Antipatris;

 

32 am folgenden Tag aber ließen sie die Reiter mit ihm weiterziehen und kehrten in die Kaserne zurück.

 

33 Jene zogen in Cäsarea ein, übergaben dem Statthalter den Brief und stellten ihm auch Paulus vor.

 

34 Er las ihn, fragte, aus welcher Provinz er sei, und als er erfuhr, dass er aus Kilikien stamme,

 

35 sprach er: Ich werde dich verhören, wenn auch deine Ankläger eingetroffen sind. Und er befahl, ihn im Prätorium des Herodes zu bewachen.

 

Kapitel 24

 

 

1 Nach fünf Tagen aber kam der Hohepriester Hananias mit einigen Ältesten und einem Redner namens Tertullus herab, und sie brachten beim Statthalter Klage gegen Paulus vor.

 

2 Als er gerufen worden war, begann Tertullus die Anklage mit den Worten: Da wir durch dich tiefen Frieden genießen und diesem Volk durch deine Fürsorge Verbesserungen zuteilwerden,

 

3 erkennen wir das allenthalben und überall an, hochedler Felix, mit aller Dankbarkeit.

 

4 Um dich aber nicht länger aufzuhalten, bitte ich dich, uns in deiner Milde kurz anzuhören.

 

5 Wir haben nämlich diesen Mann als eine Pest befunden, als einen, der Aufruhr erregt unter allen Juden auf dem ganzen Erdkreis, und als einen Anführer der Sekte der Nazoräer,

 

6 der auch versucht hat, den Tempel zu entweihen; den haben wir auch ergriffen.

 

8 Von ihm kannst du selbst, wenn du ihn verhörst, über all das Kenntnis erlangen, dessen wir ihn anklagen.

 

9 Auch die Juden stimmten zu und behaupteten, es verhalte sich so.

 

10 Paulus aber antwortete, als der Statthalter ihm zu reden winkte: Da ich weiß, dass du seit vielen Jahren Richter über dieses Volk bist, verteidige ich guten Mutes meine Sache,

 

11 da du feststellen kannst, dass es nicht mehr als zwölf Tage sind, seit ich nach Jerusalem hinaufgezogen bin, um anzubeten.

 

12 Und weder im Tempel haben sie mich gefunden, wie ich mit jemandem stritt oder einen Volksauflauf verursachte, noch in den Synagogen noch in der Stadt,

 

13 noch können sie dir das beweisen, dessen sie mich jetzt anklagen.

 

14 Das aber bekenne ich dir: dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, dem Gott meiner Väter so diene, dass ich allem glaube, was im Gesetz und in den Propheten geschrieben steht,

 

15 und die Hoffnung auf Gott habe, die auch diese selbst hegen, dass eine Auferstehung der Gerechten wie der Ungerechten sein wird. 16

 

Darin übe ich mich auch selbst, allezeit ein unanstößiges Gewissen zu haben vor Gott und den Menschen.

 

17 Nach mehreren Jahren aber bin ich gekommen, um meinem Volk Almosen zu bringen und Opfer darzubringen,

 

18 wobei sie mich geheiligt im Tempel fanden, nicht mit einer Menge noch mit Tumult;

 

19 einige Juden aus Asien aber, die hätten vor dir erscheinen und Anklage erheben müssen, wenn sie etwas gegen mich hätten.

 

20 Oder diese hier sollen selbst sagen, welches Unrecht sie fanden, als ich vor dem Hohen Rat stand,

 

21 es sei denn wegen dieses einen Wortes, das ich rief, als ich unter ihnen stand: Wegen der Auferstehung der Toten werde ich heute vor euch gerichtet.

 

22 Felix aber, der über den Weg genauer Bescheid wusste, vertagte ihre Sache und sagte: Wenn der Oberst Lysias herabkommt, werde ich eure Angelegenheit entscheiden.

 

23 Und er befahl dem Hauptmann, ihn in Gewahrsam zu halten, ihm aber Erleichterung zu gewähren und keinem der Seinen zu wehren, ihm zu dienen.

 

24 Nach einigen Tagen aber kam Felix mit Drusilla, seiner Frau, die eine Jüdin war, ließ Paulus holen und hörte ihn über den Glauben an Christus Jesus.

 

25 Als er aber über Gerechtigkeit, Enthaltsamkeit und das kommende Gericht redete, geriet Felix in Furcht und antwortete: Für jetzt geh; wenn ich Zeit finde, werde ich dich wieder rufen lassen.

 

26 Zugleich hoffte er auch, dass ihm von Paulus Geld gegeben werde; darum ließ er ihn auch öfter holen und unterhielt sich mit ihm.

 

27 Als aber zwei Jahre verflossen waren, erhielt Felix den Porcius Festus zum Nachfolger; und da Felix den Juden eine Gunst erweisen wollte, ließ er Paulus gefangen zurück.

 

 

 

Kapitel 25

 

 

1 Als nun Festus in die Provinz gekommen war, zog er nach drei Tagen von Cäsarea hinauf nach Jerusalem.

2 Da erschienen die Hohenpriester und die Vornehmsten der Juden vor ihm gegen Paulus und redeten ihm zu,

 

3 indem sie als Gunst gegen ihn erbaten, dass er ihn nach Jerusalem kommen lasse; denn sie planten einen Anschlag, um ihn unterwegs zu töten.

 

4 Festus antwortete nun, Paulus werde in Cäsarea verwahrt, er selbst aber werde in Kürze dorthin abreisen.

 

5 Die Angesehenen unter euch, sprach er, sollen mit hinabziehen, und wenn an dem Manne etwas Unrechtes ist, sollen sie ihn anklagen.

 

6 Nachdem er sich aber nicht mehr als acht oder zehn Tage bei ihnen aufgehalten hatte, zog er hinab nach Cäsarea, setzte sich am folgenden Tage auf den Richterstuhl und befahl, Paulus vorzuführen.

 

7 Als dieser erschien, umstellten ihn die von Jerusalem herabgekommenen Juden und brachten viele und schwere Anklagen vor, die sie nicht beweisen konnten,

 

8 während Paulus sich verteidigte: Weder gegen das Gesetz der Juden noch gegen den Tempel noch gegen den Kaiser habe ich mich in irgendetwas verfehlt.

 

9 Festus aber, der den Juden eine Gunst erweisen wollte, antwortete Paulus und sprach: Willst du nach Jerusalem hinaufziehen und dort vor mir über diese Dinge gerichtet werden?

 

10 Paulus aber sprach: Ich stehe vor dem Richterstuhl des Kaisers, wo ich gerichtet werden muss. Den Juden habe ich kein Unrecht getan, wie auch du sehr wohl weißt.

 

11 Wenn ich nun Unrecht tue und etwas Todeswürdiges begangen habe, so weigere ich mich nicht zu sterben; wenn aber nichts an dem ist, dessen diese mich anklagen, so kann mich niemand ihnen preisgeben. Ich berufe mich auf den Kaiser.

 

12 Da besprach sich Festus mit seinem Rat und antwortete: Auf den Kaiser hast du dich berufen, zum Kaiser sollst du ziehen.

 

13 Als aber einige Tage vergangen waren, kamen der König Agrippa und Bernike nach Cäsarea, um Festus zu begrüßen.

 

14 Da sie sich mehrere Tage dort aufhielten, legte Festus dem König die Sache des Paulus vor und sprach: Ein Mann ist von Felix als Gefangener zurückgelassen worden,

 

15 um dessentwillen, als ich in Jerusalem war, die Hohenpriester und die Ältesten der Juden vor mir erschienen und seine Verurteilung forderten.

 

16 Ihnen antwortete ich, es sei nicht Sitte der Römer, irgendeinen Menschen preiszugeben, ehe der Angeklagte die Ankläger persönlich vor sich habe und Gelegenheit zur Verteidigung gegen die Anklage erhalten habe.

 

17 Als sie nun hierher zusammengekommen waren, machte ich keinen Aufschub, setzte mich am folgenden Tage auf den Richterstuhl und befahl, den Mann vorzuführen.

 

18 Als die Ankläger auftraten, brachten sie keine Anklage wegen solcher Vergehen vor, wie ich sie vermutet hatte;

 

19 sie hatten aber gewisse Streitfragen mit ihm über ihre eigene Religion und über einen gewissen verstorbenen Jesus, von dem Paulus behauptete, er lebe.

 

20 Da ich aber ratlos war hinsichtlich der Untersuchung dieser Dinge, fragte ich, ob er nach Jerusalem ziehen und dort darüber gerichtet werden wolle.

 

21 Als Paulus aber Berufung einlegte, dass er bis zur Entscheidung des Augustus verwahrt werde, befahl ich, ihn zu verwahren, bis ich ihn zum Kaiser sende.

 

22 Agrippa aber sprach zu Festus: Ich möchte den Menschen auch selbst hören. Morgen, sprach er, sollst du ihn hören.

 

23 Am folgenden Tage nun, als Agrippa und Bernike mit großem Gepränge kamen und mit den Obersten und den vornehmsten Männern der Stadt in den Gerichtssaal eingetreten waren, wurde auf Befehl des Festus Paulus vorgeführt.

 

24 Und Festus sprach: König Agrippa und alle ihr Männer, die ihr mit uns zugegen seid, ihr seht diesen, um dessentwillen die ganze Menge der Juden mich in Jerusalem und hier angegangen ist mit dem Geschrei, er dürfe nicht länger leben.

 

25 Ich aber habe befunden, dass er nichts Todeswürdiges getan hat; da er sich jedoch selbst auf den Augustus berufen hat, habe ich beschlossen, ihn zu senden.

 

26 Etwas Sicheres über ihn dem Herrn zu schreiben habe ich nicht; darum habe ich ihn vor euch geführt und besonders vor dich, König Agrippa, damit ich nach erfolgter Untersuchung etwas zu schreiben habe.

 

27 Denn es scheint mir unvernünftig, einen Gefangenen zu senden, ohne auch die Anklagen gegen ihn anzugeben.

 

Kapitel 26

 

1 Agrippa aber sprach zu Paulus: Es ist dir erlaubt, für dich selbst zu reden. Da streckte Paulus die Hand aus und verteidigte sich:

 

2 Wegen all der Dinge, deren ich von den Juden angeklagt werde, König Agrippa, schätze ich mich glücklich, dass ich mich heute vor dir verantworten soll,

 

3 zumal du ein Kenner aller Gebräuche und Streitfragen der Juden bist; darum bitte ich dich, mich geduldig anzuhören.

 

4 Meinen Lebenswandel von Jugend an, der von Anfang an unter meinem Volk und in Jerusalem geführt wurde, kennen alle Juden,

 

5 da sie mich von früher her kennen, wenn sie es bezeugen wollen, dass ich nach der strengsten Richtung unserer Religion als Pharisäer gelebt habe.

 

6 Und nun stehe ich hier und werde gerichtet wegen der Hoffnung auf die Verheißung, die von Gott an unsere Väter ergangen ist,

 

7 zu der unser Zwölfstämmevolk, das Gott unablässig Tag und Nacht dient, zu gelangen hofft; wegen dieser Hoffnung, König, werde ich von den Juden angeklagt.

 

8 Warum wird es bei euch für unglaublich gehalten, dass Gott Tote auferweckt?

 

9 Ich selbst meinte zwar, ich müsste gegen den Namen Jesu von Nazareth vieles feindlich unternehmen,

 

10 was ich auch in Jerusalem tat; und viele der Heiligen habe ich in Gefängnisse eingeschlossen, nachdem ich von den Hohenpriestern die Vollmacht empfangen hatte, und wenn sie getötet wurden, gab ich meine Stimme dazu.

 

11 Und in allen Synagogen zwang ich sie oft durch Strafen zu lästern, und in übermäßiger Wut gegen sie verfolgte ich sie sogar bis in die auswärtigen Städte.

 

12 Als ich in dieser Absicht mit Vollmacht und Auftrag der Hohenpriester nach Damaskus reiste,

 

13 sah ich mitten am Tag auf dem Weg, o König, ein Licht vom Himmel, heller als der Glanz der Sonne, das mich und die mit mir Reisenden umstrahlte.

 

14 Als wir alle zu Boden gestürzt waren, hörte ich eine Stimme, die in hebräischer Sprache zu mir sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen.

 

15 Ich aber sagte: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst.

 

16 Aber steh auf und stelle dich auf deine Füße; denn dazu bin ich dir erschienen, dich zum Diener und Zeugen zu bestimmen dessen, was du gesehen hast und was ich dir noch zeigen werde,

 

17 indem ich dich herausrette aus dem Volk und aus den Heiden, zu denen ich dich sende,

 

18 um ihnen die Augen zu öffnen, damit sie sich von der Finsternis zum Licht bekehren und von der Macht des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbteil unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind.

 

19 Daher, König Agrippa, war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam,

 

20 sondern verkündigte zuerst denen in Damaskus und in Jerusalem und im ganzen Land Judäa und den Heiden, sie sollten Buße tun und sich zu Gott bekehren und Werke tun, die der Buße würdig sind.

 

21 Deswegen ergriffen mich die Juden im Tempel und versuchten, mich umzubringen.

 

22 Da mir aber Hilfe von Gott zuteilwurde, stehe ich bis auf diesen Tag und bezeuge Klein und Groß, wobei ich nichts sage außer dem, was die Propheten und Mose als zukünftig verkündigt haben:

 

23 dass der Christus leiden müsse und dass er als Erster aus der Auferstehung der Toten dem Volk und den Heiden Licht verkündigen werde.

 

24 Als er sich aber so verteidigte, rief Festus mit lauter Stimme: Du bist von Sinnen, Paulus! Die viele Gelehrsamkeit bringt dich zum Wahnsinn.

 

25 Paulus aber sprach: Ich bin nicht von Sinnen, hochgeehrter Festus, sondern ich rede Worte der Wahrheit und der Besonnenheit.

 

26 Denn der König weiß um diese Dinge, zu dem ich auch freimütig rede; denn ich bin überzeugt, dass ihm nichts davon verborgen ist, denn dies ist nicht in einem Winkel geschehen.

 

27 Glaubst du, König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, dass du glaubst.

 

28 Agrippa aber sprach zu Paulus: Beinahe überredest du mich, ein Christ zu werden.

 

29 Paulus aber sprach: Ich möchte zu Gott beten, dass, ob mit wenigem oder mit vielem, nicht nur du, sondern auch alle, die mich heute hören, so würden, wie auch ich bin, ausgenommen diese Fesseln.

 

30 Da standen der König und der Statthalter auf, auch Bernike und die mit ihnen saßen,

 

31 und als sie sich zurückgezogen hatten, redeten sie miteinander und sagten: Dieser Mensch tut nichts, was Tod oder Fesseln verdient.

 

32 Agrippa aber sprach zu Festus: Dieser Mensch hätte freigelassen werden können, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte.

 

Kapitel 27

 

1 Als aber beschlossen war, dass wir nach Italien absegeln sollten, übergaben sie Paulus und einige andere Gefangene einem Hauptmann namens Julius von der kaiserlichen Kohorte.

 

2 Wir bestiegen ein Schiff aus Adramyttium, das die Orte an der Küste Asiens anlaufen sollte, und fuhren ab; mit uns war Aristarch, ein Makedonier aus Thessalonich.

 

3 Am folgenden Tag liefen wir in Sidon ein, und Julius behandelte Paulus freundlich und erlaubte ihm, zu seinen Freunden zu gehen und sich pflegen zu lassen.

 

4 Von dort fuhren wir ab und segelten unter Zypern hin, weil die Winde uns entgegen waren,

 

5 und nachdem wir das Meer entlang Kilikien und Pamphylien durchfahren hatten, kamen wir nach Myra in Lykien.

 

6 Dort fand der Hauptmann ein alexandrinisches Schiff, das nach Italien fuhr, und brachte uns an Bord.

 

7 Viele Tage lang kamen wir nur langsam voran und gelangten mit Mühe auf die Höhe von Knidos; da der Wind uns nicht heranließ, segelten wir unter Kreta hin bei Salmone,

 

8 und nur mit Mühe daran entlangfahrend kamen wir an einen Ort namens Schönhafen, in dessen Nähe die Stadt Lasäa lag.

 

9 Da inzwischen geraume Zeit verstrichen und die Schifffahrt schon gefährlich war, weil auch das Fasten schon vorüber war, warnte Paulus

 

10 und sagte zu ihnen: Männer, ich sehe, dass die Fahrt mit Unheil und großem Schaden vor sich gehen wird, nicht nur für die Ladung und das Schiff, sondern auch für unser Leben.

 

11 Der Hauptmann aber vertraute dem Steuermann und dem Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte.

 

12 Da der Hafen zum Überwintern ungeeignet war, fassten die meisten den Beschluss, von dort abzufahren, ob sie vielleicht nach Phönix gelangen und dort überwintern könnten, einem Hafen Kretas, der nach Südwesten und Nordwesten offen liegt.

 

13 Als aber ein leichter Südwind aufkam, meinten sie, ihr Vorhaben erreicht zu haben, lichteten die Anker und fuhren dicht an Kreta entlang.

 

14 Nicht lange danach aber brach von der Insel her ein Sturmwind los, der Eurakylon genannt wird;

 

15 das Schiff wurde mitgerissen und konnte dem Wind nicht standhalten, so gaben wir nach und ließen uns treiben.

 

16 Als wir unter einer kleinen Insel namens Kauda hinliefen, gelang es uns mit Mühe, das Beiboot in unsere Gewalt zu bekommen;

 

17 sie zogen es herauf und wandten Hilfsmittel an, indem sie das Schiff untergürteten; und aus Furcht, in die Syrte verschlagen zu werden, ließen sie das Takelwerk herab und trieben so dahin.

 

18 Da wir heftig vom Sturm bedrängt wurden, warfen sie am nächsten Tag Ladung über Bord,

 

19 und am dritten Tag warfen sie mit eigenen Händen die Ausrüstung des Schiffes hinaus.

 

20 Da aber mehrere Tage lang weder Sonne noch Sterne schienen und ein nicht geringer Sturm auf uns lastete, schwand schließlich alle Hoffnung auf unsere Rettung.

 

21 Als man lange nichts gegessen hatte, trat Paulus in ihre Mitte und sprach: Männer, man hätte mir gehorchen und nicht von Kreta abfahren sollen; dann wären uns dieses Unheil und dieser Schaden erspart geblieben.

 

22 Und nun ermahne ich euch, guten Mutes zu sein; denn keiner von euch wird das Leben verlieren, nur das Schiff wird verloren gehen.

 

23 Denn in dieser Nacht trat ein Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, zu mir

 

24 und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus; du musst vor den Kaiser treten, und siehe, Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir fahren.

 

25 Darum seid guten Mutes, Männer; denn ich vertraue Gott, dass es so kommen wird, wie es mir gesagt worden ist.

 

26 Wir müssen aber auf eine Insel verschlagen werden.

 

27 Als nun die vierzehnte Nacht kam, seit wir in der Adria umhertrieben, vermuteten die Seeleute um Mitternacht, dass sich ihnen Land nähere.

 

28 Sie warfen das Lot und fanden zwanzig Klafter; nach kurzer Strecke loteten sie wieder und fanden fünfzehn Klafter.

 

29 Aus Furcht, wir könnten irgendwo auf Klippen geworfen werden, warfen sie vom Heck vier Anker aus und wünschten, dass es Tag würde.

 

30 Als aber die Seeleute vom Schiff zu fliehen suchten und das Beiboot ins Meer hinabließen unter dem Vorwand, sie wollten vom Bug aus Anker auswerfen,

 

31 sagte Paulus zum Hauptmann und zu den Soldaten: Wenn diese nicht im Schiff bleiben, könnt ihr nicht gerettet werden.

 

32 Da kappten die Soldaten die Taue des Beibootes und ließen es forttreiben.

 

33 Bis es aber Tag werden sollte, ermahnte Paulus alle, Nahrung zu sich zu nehmen, und sprach: Heute ist der vierzehnte Tag, dass ihr wartet und ohne Essen bleibt und nichts zu euch genommen habt.

 

34 Darum ermahne ich euch, Nahrung zu euch zu nehmen; denn das dient eurer Rettung; keinem von euch wird auch nur ein Haar vom Haupt verloren gehen.

 

35 Als er dies gesagt hatte, nahm er Brot, dankte Gott vor allen, brach es und begann zu essen.

 

36 Da wurden alle guten Mutes und nahmen ebenfalls Nahrung zu sich.

 

37 Wir waren aber insgesamt zweihundertsechsundsiebzig Seelen im Schiff.

 

38 Als sie sich gesättigt hatten, erleichterten sie das Schiff, indem sie das Getreide ins Meer warfen.

 

39 Als es aber Tag wurde, erkannten sie das Land nicht; sie bemerkten jedoch eine Bucht mit einem flachen Strand, an den sie das Schiff, wenn möglich, hinauftreiben wollten.

 

40 Sie kappten die Anker und ließen sie im Meer, lösten zugleich die Haltetaue der Steuerruder, hissten das Vorsegel vor dem Wind und hielten auf den Strand zu.

 

41 Sie gerieten aber auf eine Sandbank zwischen zwei Strömungen und ließen das Schiff auflaufen; der Bug bohrte sich fest und blieb unbeweglich, das Heck aber wurde von der Gewalt der Wellen zerschlagen.

 

42 Die Soldaten aber fassten den Plan, die Gefangenen zu töten, damit keiner davonschwimme und entkomme.

 

43 Der Hauptmann aber wollte Paulus retten und hinderte sie an ihrem Vorhaben; er befahl, dass die, die schwimmen konnten, zuerst über Bord springen und an Land gehen sollten,

 

44 und die übrigen teils auf Planken, teils auf Trümmern des Schiffes. Und so geschah es, dass alle wohlbehalten an Land kamen.

 

 

 

Kapitel 28

 

1 Und als wir gerettet waren, erfuhren wir, dass die Insel Melite heißt.

 

2 Die Einheimischen erwiesen uns eine nicht geringe Menschenfreundlichkeit; denn sie zündeten ein Feuer an und nahmen uns alle auf wegen des Regens, der eingesetzt hatte, und wegen der Kälte.

 

3 Als aber Paulus eine Menge Reisig zusammenraffte und auf das Feuer legte, kam infolge der Hitze eine Otter heraus und biss sich an seiner Hand fest.

 

4 Als aber die Einheimischen das Tier an seiner Hand hängen sahen, sagten sie zueinander: Gewiss ist dieser Mensch ein Mörder, den die Gerechtigkeit nicht leben lässt, obwohl er aus dem Meer gerettet wurde.

 

5 Er aber schleuderte das Tier ins Feuer und erlitt nichts Schlimmes.

 

6 Sie aber erwarteten, dass er anschwellen oder plötzlich tot umfallen würde. Als sie aber lange warteten und sahen, dass ihm nichts Ungewöhnliches geschah, änderten sie ihre Meinung und sagten, er sei ein Gott.

 

7 In der Umgebung jenes Ortes aber lagen Landgüter des Ersten der Insel, namens Publius, der uns aufnahm und drei Tage lang freundlich beherbergte.

 

8 Es geschah aber, dass der Vater des Publius von Fieber und Ruhr befallen darniederlag; zu ihm ging Paulus hinein, betete, legte ihm die Hände auf und heilte ihn.

 

9 Als dies geschehen war, kamen auch die übrigen Kranken auf der Insel herbei und wurden geheilt;

 

10 sie ehrten uns auch mit vielen Ehren, und als wir abfuhren, gaben sie uns mit, was wir brauchten.

 

11 Nach drei Monaten aber fuhren wir ab auf einem Schiff, das auf der Insel überwintert hatte, einem alexandrinischen mit dem Zeichen der Dioskuren.

 

12 Und wir liefen in Syrakus ein und blieben drei Tage;

 

13 von dort fuhren wir weiter und gelangten nach Rhegion. Und nachdem nach einem Tag Südwind aufgekommen war, kamen wir am zweiten Tag nach Puteoli,

 

14 wo wir Brüder fanden und gebeten wurden, sieben Tage bei ihnen zu bleiben; und so kamen wir nach Rom.

 

15 Und von dort kamen die Brüder, als sie von uns gehört hatten, uns entgegen bis Forum Appii und Tres Tabernae; als Paulus sie sah, dankte er Gott und fasste Mut.

 

16 Als wir aber nach Rom hineinkamen, wurde dem Paulus erlaubt, für sich zu wohnen mit dem Soldaten, der ihn bewachte.

 

17 Es geschah aber nach drei Tagen, dass er die Vornehmsten der Juden zusammenrief; als sie zusammengekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr Männer, Brüder, obwohl ich nichts gegen das Volk oder die väterlichen Bräuche getan habe, bin ich als Gefangener von Jerusalem aus in die Hände der Römer überliefert worden,

 

18 die mich verhörten und freilassen wollten, weil keine Todesschuld an mir war.

 

19 Da aber die Juden widersprachen, wurde ich gezwungen, mich auf den Kaiser zu berufen, nicht als hätte ich mein Volk in irgendetwas anzuklagen.

 

20 Aus diesem Grund also habe ich euch gebeten, euch zu sehen und mit euch zu reden; denn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Kette.

 

21 Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben weder Briefe über dich aus Judäa empfangen, noch ist einer der Brüder gekommen und hat etwas Böses über dich berichtet oder geredet.

 

22 Wir halten es aber für richtig, von dir zu hören, was du denkst; denn von dieser Sekte ist uns bekannt, dass ihr überall widersprochen wird.

 

23 Nachdem sie ihm einen Tag bestimmt hatten, kamen ziemlich viele zu ihm in die Herberge; ihnen legte er es dar, bezeugte das Reich Gottes und suchte sie von Jesus zu überzeugen aus dem Gesetz des Mose und den Propheten, vom Morgen bis zum Abend.

 

24 Und die einen ließen sich von dem Gesagten überzeugen, die anderen aber glaubten nicht.

 

25 Da sie aber untereinander uneins waren, gingen sie auseinander, nachdem Paulus ein Wort gesagt hatte: Treffend hat der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern geredet,

 

26 als er sprach: Geh zu diesem Volk und sprich: Mit den Ohren werdet ihr hören und nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und nicht erkennen;

 

27 denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und mit den Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie verschlossen, damit sie nicht mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.

 

28 So sei euch nun kund, dass dieses Heil Gottes den Heiden gesandt worden ist; sie werden auch hören.

 

30 Er blieb aber zwei ganze Jahre in seiner eigenen Mietwohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen,

 

31 verkündigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut, ungehindert.